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Wirtschaft Frankreich steht vor Rekordschuldenberg

Der französische Haushaltsplan sieht für das kommende Jahr ein Riesendefizit vor. Mit Einsparungen im Budget will die Regierung die Krise eindämmen. Bis in zwei Jahren will das Land aber die EU-Defizitgrenze schaffen.

Legende:
Staatsverschuldung in Prozent des BIP Internationaler Währungsfonds

Das kriselnde Frankreich plant im Haushalt für das kommende Jahr eine Rekordverschuldung ein. Der am Mittwoch im Kabinett beratene Etatentwurf für 2014 sieht dann eine Schuldenquote von 95,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) vor. Das heisst, die gesamte Volkswirtschaft müsste fast ein Jahr arbeiten, um die gesamten Schulden des Landes zu tilgen. In diesem Jahr lag der Anteil noch bei 93,4 Prozent. Im Jahr 2015 sollen dann wieder 94,3 Prozent erreicht werden.

Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici (links) und Budgetminister Bernard Cazeneuve präsentieren das Budget 2014.
Legende: Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici (links) und Budgetminister Bernard Cazeneuve präsentieren das Budget 2014. Reuters

Für 2014 erwartet die Regierung ein Haushaltsdefizit von 3,6 Prozent des BIP. Erst 2015 soll die Quote unter der Drei-Prozent-Marke bleiben, die der Maastricht-Vertrag als EU-Grenze vorgibt. Die EU-Kommission hatte Frankreich zwei weitere Jahre bis 2015 gewährt, um die Sparziele zu erreichen. Deshalb muss Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici am Donnerstag in Brüssel vor dem EU-Währungskommissar Olli Rehn seinen Haushaltsplan präsentieren.

Weniger Geld für Landwirtschaft und Kultur

Nach Angaben von Moscovici ist es mit einem «finanzpolitischen Kraftakt» gelungen, im Haushalt 15 Milliarden Euro an bisherigen Ausgaben zu streichen. Bei den Einsparungen sollen neun Milliarden Euro bei Staat, unabhängigen staatlichen Einrichtungen und Gebietskörperschaften erzielt werden. Die restlichen sechs Milliarden Euro sollen über Einsparungen bei den Sozialkassen erreicht werden, rund die Hälfte davon bei der Krankenkasse.

Doch auch die Staatsausgaben werden gekürzt, faktisch um 1,5 Milliarden Euro. Unter anderem werden die Budgets der Ministerien für Landwirtschaft, Umwelt und Kultur gekürzt. In den Ministerien will die Regierung gut 13'000 Stellen streichen. Gleichzeitig sollen in den Bereichen Bildung, Justiz und Polizei 11'000 neue Jobs geschaffen werden.

Einen Grossteil der Einsparungen lassen sich tatsächlich durch ein geringeres Anwachsens der Ausgaben bewerkstelligen: Unter anderem wegen Inflation und Lohnanstiegen wären die öffentlichen Ausgaben 2014 um 0,8 Prozent gewachsen. Nun beträgt der Zuwachs nur 0,4 Prozent.

Steuerstopp wird nicht umgesetzt

Dennoch wird der von Präsident François Hollande angekündigte Stopp beim Anstieg der Steuerlast mit dem Haushalt 2014 nicht umgesetzt. Sie soll im kommenden Jahr bei 46,1 Prozent des BIP liegen. Immer noch knapp mehr als bisher. Im laufenden Jahr wird hier ein Anteil von 46 Prozent erwartet, ein Punkt mehr als 2012.

Der französische Arbeitgeberverband nannte den Entwurf einen «Schlag gegen die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen». Mit dem Etat werde die Belastung noch mal um 2,5 Milliarden Euro ansteigen.

Immer noch viele Arbeitslose

Obwohl erstmals seit zwei Jahren die Zahl der Arbeitslosen gesunken ist, waren im August noch immer 3,235 Millionen Menschen in Frankreich ohne Arbeit. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 7,3 Prozent. Im Juli war die Arbeitslosenzahl in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Euro-Zone so hoch wie nie zuvor.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Birgit Groth, Fürstenfeldbruck
    Solange Europa so einen sinnlosen Unsinn, wie Mindestlöhne (ohne einer Lohnobergrenze ein sinnloser Akt) etc. betreibt, dann kann es nur zum Untergang kommen!! Man kann sich ja damit trösten, dass man im Urwald mit Geld nichts anstellen kann!! Das soll heißen, Geld hat nur solange einen Wert bis Menschen es entwerten!
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  • Kommentar von Rudolf R.Baser, Aeschi
    Sind der Moscowitschi und der Kazaneuva miteinander verwandt oder sehen sich nur zufälligerweise derart ähnlich? PROBLEM IST ABER OFFENSICHTLICH! Siehe: WO IST UNSER GELD!
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Wenn die Wirtschaft nur funktioniert, wenn die Privaten immer mehr Geld einnehmen als ausgeben (Renditen, Zinsen usw. = Geldverdienen mit Geld), dann müssen andere immer mehr ausgeben als einnehmen. Ausser die Wirtschaft wächst genügend, dass somit die Mehreinnahmen generiert werden. Ansonsten muss sich der Staat immer weiter verschulden oder die Notenpresse betätigt werden. Unserem Geld- und Finanzsystem ist eine Exponentialfunktion eingebaut. Dies ist max. 70-140 Jahren durchzuhalten.
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    1. Antwort von P. Fischer, Zürich
      @H. Benrnoulli, Zürich: Als Franzose würde ich es mal mit Arbeiten versuchen, als die Zeit mit Nichtstun -bzw. die Zeit nur mit Geldumverteilungsideen zu vergeuden: Anderseits positiv für die Konkurrenz auf dem globalen Markt:-)
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