G20: Entwarnung für Brexit, Ermahnung für Türkei

Halb so schlimm: So lautet die Botschaft der G20-Staaten mit Blick auf das Votum der Briten für einen EU-Ausstieg. Doch sie müssen einräumen, dass ein möglicher Brexit die Ungewissheit für die Weltwirtschaft noch verstärkt.

G20-Teilnehmer präsentieren sich vor einer blauen Wand mit der Aufschrift "G20 - China" Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Zum Klassenfoto versammelt: Die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden 20 Industrieländer. Keystone

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) sehen sich gewappnet, um auf mögliche negative Folgen des beschlossenen EU-Austritts Grossbritanniens zu reagieren.

Gelassene G20-Finanzminister

2:31 min, aus Echo der Zeit vom 24.07.2016

Die G20-Länder seien gut aufgestellt, um potenzielle wirtschaftliche und finanzielle Auswirkungen des Brexits anzugehen, heisst es in der Abschluss-Erklärung zu ihrem Gipfel im chinesischen Chengdu. Angesichts der zusätzlichen Unsicherheiten für die Weltwirtschaft durch den Brexit zeigten sich die Finanzminister und Notenbankchefs der Gruppe damit demonstrativ zuversichtlich.

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Nicht einig in Türkei-Frage

In der Abschlusserklärung findet sich kein Passus zur Türkei. Diese hatte auf ausdrückliche Unterstützung für ihren Kurs gehofft. Die anderen G20-Staaten mahnten jedoch rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien an. Am Ende gab es keine Einigung auf eine Formulierung, so dass die Türkei gar nicht eigens erwähnt wurde.

Risiko für die Weltwirtschaft

«Für die Zukunft hoffen wir, dass das Vereinigte Königreich ein enger Partner der EU ist», heisst es weiter. Die G20-Staaten stellen in ihrer Abschlusserklärung aber auch fest, dass das Brexit-Votum der Briten die Ungewissheiten für die Weltwirtschaft noch verstärke.

Die G20-Minister betonen, dass sich die Erholung der Weltwirtschaft zwar fortsetze, aber «schwächer als angestrebt» ausfalle. Das Wachstum müsse unter den Ländern breiter aufgeteilt und in den Ländern grösseren Teilen der Gesellschaft zugutekommen, um für soziale Gerechtigkeit zu sorgen.

China präsidiert G20 in diesem Jahr

Mit ihren Beratungen bereiteten die Finanzminister und Notenbankchefs den G20-Gipfel am 4. und 5. September in der chinesischen Stadt Hangzhou vor. China hat in diesem Jahr erstmals die G20-Präsidentschaft inne.

Zu den G20 gehören neben mehreren europäischen Ländern auch Länder wie die USA, China, Brasilien und Indien.

Schweizer Delegation zufrieden

Für die Schweiz ist der G20-Gipfel zufriedenstellend verlaufen. Es sei wichtig gewesen, die Schweizer Sicht der Dinge vortragen zu können, sagte der stellvertretende Staatssekretär Alexander Karrer vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF). Ein wichtiges Thema für die Schweiz am Gipfel war unter anderem die Umsetzung der bereits beschlossenen neuen internationalen Regeln für die Finanzmärkte.

Die Vertreter der Schweiz versuchten in dieser Frage vor allem, die Partner zum Nachvollzug des Regelwerks Basel III und der Schweizer «too big to fail»-Regulierung zu bewegen. Der Schweizer Delegation gehörte auch Bundesrat Ueli Maurer und der Präsident der Schweizerischen Nationalbank Thomas Jordan.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • G20-Steueroasen

    Aus Tagesschau vom 16.4.2016

    Auch die G20-Finanzminister haben sich in Washington mit den «Panama Papers» beschäftigt. Der Ton und Kampf gegen Steuer-Oasen werden schärfer – stellt auch der Schweizer Finanzminister Ueli Maurer fest.