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Wirtschaft Gebeutelter Schweizer Detailhandel kann hoffen

Aufhebung des Mindestkurses, Einkaufstourismus: Der Schweizer Detailhandel hatte 2015 arg zu kämpfen. Für das laufende Jahr schöpft die Branche aber wieder Hoffnung. Trotz weiterhin gedrückter Konsumentenstimmung.

Legende: Video «Geld wieder zurück in die Schweiz holen – dank Internet?» abspielen. Laufzeit 0:57 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 05.01.2016.

Das vergangene Jahr dürfte vielen Shweizer Detailhändlern in mieser Erinnerung bleiben: Die Detailhandelsumsätze sanken 2015 laut einer Studie der Credit Suisse (hier geht's zur Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster) um rund 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies ist eine deutliche Verschlechterung im Vergleich mit 2014, als die Verkaufserlöse noch um rund 1,1 Prozent zugelegt hatten.

Zu dieser Entwicklung haben hauptsächlich folgende Faktoren beigetragen:

  • Negativ schlug seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses am 15. Januar 2015 vor allem der stark angewachsene Einkaufstourismus im billigeren Ausland zu Buche.Im Durchschnitt legte er um 8 Prozent zum, noch stärker in Deutschland.
  • Zudem drückten im Jahresverlauf die Griechenland-Krise und sich häufende Meldungen über Stellenabbau von Firmen auf die Stimmung der Konsumenten.

Allerdings führte die Wechselkursentwicklung auch dazu, dass die Schweizer Konsumenten über eine höhere Kaufkraft verfügten und sich somit mehr Produkte leisten konnten. Zudem wuchs die Bevölkerung der Schweiz wiederum leicht, was ebenfalls für Umsatz im Detailhandel sorgte.

2016: Umsatz soll um 0,3 Prozent wachsen

Für 2016 rechnet die Credit Suisse mit einer Zunahme des nominellen Umsatzes im Schweizer Detailhandel von 0,3 Prozent, obwohl der Wechselkurs zum Euro noch bei 1.10 je Franken verharren dürfte.

Dank des etwas höheren verfügbaren Einkommens und der sich nur leicht abschwächenden Nettozuwanderung erwarten die Experten der Grossbank, dass sich die Nachfrage 2016 wieder deutlich besser entwickeln wird. Und dies obwohl sich die Stimmung unter den Konsumenten kaum markant aufhellen dürfte und der Einkaufstourismus kaum nachlässt.

Internethandel legt weiter zu

Auch der Online-Handel dürfte 2015 laut CS-Studie wieder kräftig gewachsen sein. Allerdings liegen dazu noch keine konkreten Zahlen vor. 2015 hatten die Online-Umsätze der Schweizer Detailhändler bereits einen Anteil von 5,1 Prozent am Gesamtumsatz.

Dass Internet-Geschäfte auch 2015 markant zugelegt haben, machen die Autoren der CS-Studie an mehreren Entwicklungen fest: So gab die Schweizerische Post beispielsweise Mitte 2015 bekannt, dass sie seit Jahresbeginn täglich rund 11'000 Importpakete verarbeite. Das ergibt ein Plus von rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem verzeichneten auch Abholstationen und andere Logistik-Dienstleister starke Zuwachsraten in der Schweiz. Marktgrössen wie H&M oder Tally Weijl nahmen ausserdem ihre Schweizer Onlineshops in Betrieb. Volg lancierte den Onlinehandel als Pilotprojekt.

11 Milliarden im Ausland

Das Volumen der Schweizer Auslandseinkäufe im stationären Handel sowie Online dürfte laut der CS letztes Jahr rund 11 Milliarden Franken betragen haben. Noch schlechter sieht es nach Schätzungen von Coop aus: Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli beziffert den Einkaufstourismus auf rund 12 Milliarden. Am meisten davon profitierte Deutschland.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    11 Milliarden Franken flossen ins Ausland. Leider sind noch viele Produkte in CH viel zu teuer. Der Detailhandel sollte etwas mehr unternehmen damit diese Milliarden in CH bleiben. Preissenkungen! Jammern alleine nützt nichts. Wenn ich Preise z.B. Gemüse und Früchte von Lidl und Migros und Coop vergleiche sind grosse Unterschiede zu verzeichnen auch CH-Produkte. Bei Lidl bekomme ich mehr fürs Geld und die Qualität stimmt auch.
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    1. Antwort von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
      Die hohen Preise sind die Folge der exorbitanten Löhne im Detailhandel, verglichen mit dem Ausland. Um das allgemein hohe Preisniveau in der Schweiz zu senken, müsste mal jemand anfangen, die Spirale nach unten zu drehen. Macht aber keiner.
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  • Kommentar von Nico Basler (Bebbi)
    Es ist schon praktisch, dass es den Einkaufstourismus, die Frankenstärke, die einengenden staatlichen Vorschriften und die bösen Konsumenten gibt. Nur das eigne Unvermögen punkto Service, Sortiment und Preis wird bewusst ausgeklammert. Liebe Krämerseelen wischt doch zuerst mal vor der eigenen Türe.
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