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Wirtschaft Geldwäsche ist in Zypern noch immer möglich

Als die EU den Inselstaat Zypern 2012 rettete, lautete eine der Bedingungen: Geldwäscherei bekämpfen. ZDF-Recherchen zeigen, dass im Inselstaat weiterhin dubiose Geschäfte laufen – auch in der Bank of Cyprus, die Josef Ackermann präsidiert. Im «ECO»-Studio spricht er von Einzelfällen.

Übersicht Hafen in Zypern.
Legende: Ein Land mit etwas mehr als 1 Mio. Einwohnern: Zyperns Pleite schreckte 2012 die EU auf – und zwang zum Handeln. Frontal21

Als Josef Ackermann im November 2014 zum Präsidenten des Verwaltungsrates der Bank of Cyprus gewählt wurde, versammelten sich 300 Demonstranten vor der Bank. Sie protestierten heftig, und einige warfen Steine. Das hatte weniger mit der Wahl Ackermanns zu tun als mit der Tatsache, dass manche der Demonstranten Kunden der Bank waren. Kunden mit Sparguthaben von mehr als 100‘000 Euro verloren damals einen grossen Teil ihrer Einlagen.

Passantin vor Bank of Cyprus.
Legende: 7,3 Milliarden Euro flossen aus dem Euro-Rettungssschirm in die zypriotischen Banken. Keystone

Die Bank of Cyprus wie auch andere zypriotische Banken mussten mit über 7 Milliarden Euro gerettet werden. Denn im Juni 2012 war Zypern zahlungsunfähig und erholte sich in der Folge nur dank Hilfe des Euro-Rettungsschirms.

Entsprechend hart waren die Auflagen: Zypern musste einer tiefgreifenden Haushaltssanierung zustimmen. Der Inselstaat verpflichtete sich, gegen das Waschen von Geldern aus Steuervergehen mit betrügerischer Aktivität sowie gegen den Missbrauch von zypriotischen Unternehmen und Fonds vorzugehen.

Seit Ende 2013 müssen die Banken eine sogenannte Compliance-Abteilung einrichten, eine bankinterne Kontrollinstanz, die Geldwäsche verhindern soll. Diesen Weg musste auch die Bank of Cyprus gehen. Auch sie wurde mit EU-Geldern gerettet.

Verschleierung durch Strohmänner

Die Journalisten des ZDF-Fernsehmagazins «Frontal 21» wollten wissen, wie gut die Banken ihre neue Kontrollaufgabe ausüben. Sie machten sich auf den Weg und gaben vor, 15 Millionen Euro verstecken zu wollen. Dabei stiessen sie auf etliche Berater, die zypriotische Briefkastenfirmen anbieten und offen damit werben, die wahren Eigentümer durch Strohmänner zu verschleiern – unter anderen in enger Zusammenarbeit mit der Bank of Cyprus.

Auf die Frage der ZDF-Journalisten, wie die Bank die Einhaltung der Geldwäscher-Regeln sicherstelle, lautete die Antwort der Bank of Cyprus: Man unternähme alles, um die neuen Vorschriften einzuhalten. Man habe «…einen robusten Rahmen für die Einhaltung der Regeln durch eine effektive Organisationsstruktur…» geschaffen.

Josef Ackermann: «Absolute Nulltoleranz»

Entsprechend sagt auch Josef Ackermann live im «ECO»-Studio: «Wir haben uns von 1500 Kundenbeziehungen getrennt, nur aus Compliance-Gründen.» Man nehme keinerlei Gelder mehr an, deren Endbegünstigten man nicht kenne.

Josef Ackermann im Studio.
Legende: «Einzelfälle» – Josef Ackermann sieht seine Bank of Cyprus auf dem richtigen Weg. SRF

Der ehemalige CEO der Deutschen Bank räumt aber ein: «Es mag noch Einzelfälle geben». Geldwäscherei sei das Geschäftsmodell Zyperns gewesen, «und es ist ein schwieriger Kampf.»

Bezüglich der ZDF-Recherchen deutet er an, zu wissen, wer besagte Geschäfte durchgeführt habe. «Wir werden entsprechende Schritte einleiten.» Er lege aber die Hand dafür ins Feuer, dass die Bank of Cyprus nur noch «kleinere Probleme» habe.

Zypern: Eigentlich ein Vorzeigemodell

Unbestritten ist: Zypern hat in der Haushaltssanierung grosse Fortschritte gemacht und steht seit Ende März dieses Jahres nicht mehr unter dem Euro-Rettungsschirm. Nikosia wird sich wieder regulär an den internationalen Finanzmärkten Geld leihen können. Die zuständige EU-Kommission erklärt die Insel gar zum Erfolgsmodell – ganz im Gegensatz zu Griechenland.

Nicht ganz so positiv beurteilt die Kommission die Bekämpfung der Geldwäscherei durch die Banken. Weitere Anstrengungen seien vonnöten. Die Aufsichtsbehörden zur Bekämpfung der Geldwäsche müssten mit ausreichend Personal ausgestattet und angemessen geschult sein. Nur so sei eine wirksame Überwachung zu gewährleisten.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Es spricht nicht für die Sendung ECO, wenn man Leute wie Josef Ackermann einlädt. Solche Leute lässt man links liegen.
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Ausnahmsweise nicht einverstanden. Es spricht für jeden Fernsehkanal, der solche Leute vor die Kamera zerrt und sie hartnäckig mit kritischen Fragen konfrontiert. Es ist m.E. sogar besser, die Fragen im Lipp-Stil zu stellen als im Brotz-Stil ("Rundschau"). Letzterer stellt nicht nur die Fragen zu tendenziös, sondern hat auch noch die Politikersaumode eines bestimmten Lagers, dem Gesprächspartner immer ins Wort zu fallen. Für mich hat das "ECO"-Live-Interview durchaus seinen Zweck erfüllt.
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  • Kommentar von Bernd Kulawik (Bernd K.)
    (Vorsicht, Sarkasmus!) Verstehe das "auch" im Einleitungstext nicht. Müsste es nicht "natürlich auch", "ganz besonders auch" oder gar "erwartungsgemäss auch" heissen? Schliesslich zahlt die DB noch heute Milliarden für kriminelles Verhalten, dass z.Z. von Ackermanns Herrschaft stattfand … Aber davon konnte er damals natürlich als Chef nichts wissen, nicht wahr? Obwohl das nicht sehr für seine Fähigkeiten spricht, oder? Und so etwas anordnen … würde doch KEIN Bank(st)er niemals nicht tun oder??
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Für wen ist Joe Ackermann das Aushängeschild für Glaubwürdigkeit? Für mich jedenfalls nicht...
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