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Wirtschaft Gesündere Lebensmittel: Gute Absichten, wenig Konkretes

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV will Lebensmittel gesünder machen. Der Effort der Hersteller hält sich jedoch in Grenzen. Eine Absichtserklärung soll Schwung in die Verhandlungen bringen.

Brotlaibe.
Legende: Weniger Salz im Brot: Der Bund setzt auf freiwillige Vereinbarungen mit Lebensmittel-Herstellern. Keystone

Seit 2011 bemüht sich das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Lebensmittel in der Schweiz gesünder zu machen. So will es Hersteller beispielsweise dazu bewegen, weniger Zucker bei der Herstellung von Joghurt zu verwenden und weniger Salz ins Brot zu geben. Das BLV setzt dabei aber nicht auf Vorschriften, sondern auf freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie.

Auf dem Papier machen alle gerne mit. Das Ergebnis jedoch ist ernüchternd: Einzig beim Salz habe man eine gewisse Reduktion erreichen können. «Wir möchten, dass die Lebensmittelindustrie und der Detailhandel, der in der Schweiz ein grosser Produzent von Lebensmitteln ist, einen grossen Effort machen», sagt Liliane Bruggmann, Leiterin Fachbereich Ernährung beim BLV, zu «ECO».

Uneinigkeit über Label

Zudem zeigt sie sich ernüchtert punkto einheitlicher Kennzeichnung der Lebensmittel. Das BLV favorisiert das «Healthy Choice»-Label, das es Konsumenten erlaubt, unter Lebensmitteln gleicher Kategorie eine gesündere Wahl zu treffen.

Auch hier ist die Bundesbehörde auf die Initiative von Wirtschaft, Konsumentenschützern und Präventionsverbänden angewiesen. «Für den Erfolg ist Voraussetzung, dass sich die verschiedenen Parteien einig sind im Label. Das ist nicht der Fall im Moment», so Liliane Bruggmann weiter.

Schweiz führt kein Ampelsystem ein

Auf «ECO»-Anfrage sagt Migros, sie wolle nicht treibende Kraft sein hinter der Einführung eines einheitlichen Labels. Bei Coop ist man der Meinung, die Kennzeichnung sei Sache des Handels, und man gäbe Konsumenten bereits jetzt genügend Orientierung.

In Sachen Lebensmittelampel hat sich der Handel bereits durchgesetzt: Das Ampelsystem, wie es seit 2006 in Grossbritannien auf vielen Lebensmitteln prangt, wird in der Schweiz nicht eingeführt. Das bestätigt das BLV.

Eine solche Kennzeichnung hätte die Hersteller verpflichtet, in den Farben Rot, Gelb oder Grün anzuzeigen, ob der Gehalt an Fett, Zucker oder Salz in einem Lebensmittel hoch, mittel oder niedrig sei.

Absichtserklärung zwischen Bundesrat und Produzenten

Immerhin: Anfang August unterzeichneten Bundesrat Alain Berset und zehn Schweizer Produzenten eine Absichtserklärung. Das Ziel: Sie verpflichten sich, den Zuckergehalt in Joghurts und Frühstückscerealien in den kommenden vier Jahren schrittweise zu reduzieren.

Auf wie viel Zucker die Unternehmen in ihren Produkten dann tatsächlich verzichten, wollen sie in Einzelgesprächen mit dem BLV konkretisieren. Verbindliche Empfehlungen, wie viel Zucker ein Joghurt maximal enthalten sollte, gibt es nicht.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ein Beispiel ist Brot. Wenn man ein Brot aus dem Grosshandel ohne Aufstrich isst, handelt es sich um nichts anderes als ein klebriger, matschiger, geschmackloser Teig im Mund. Das heisst also, dass dieses "Brot" nur noch als Unterlage mit Butter, Fleisch usw. gegessen werden kann.Die hälfte der Schweizer (+EU) weiss nicht mehr, wie ein echtes Brot schmeckt. Brot von einem guten Beck der nicht spahrt, ist eine Delikatesse, die auch ohne Aufstrich einmalig schmeckt. Gleiches für Kartoffeln usw.
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  • Kommentar von Elio Haller, Bern
    Ergänzt nur munter den Labelwald. Die Übersicht ist längst verloren gegangen. Toll wäre das Ampelsytem, dazu fehlt jedoch unserer Landesregierung der Mut. Es könnte ja sein, die liebe Wirtschaft hätte etwas dagegen.
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  • Kommentar von Henriette Rub, Bern
    Dafür dürfen wir Brot essen, das wie Gummi, Tomaten die nach Wasser und Früchte die nach gar nichts schmecken. Mir fehlt die Lust nach solchen "Lebensmitteln" und der Appetit ist mir längst vergangenen.
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