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Wirtschaft Gesundheitswesen treibt BIP-Wachstum

Die Schweizer Wirtschaft wächst seit Jahren. Geschuldet ist dieses BIP-Wachstum zu grossen Teilen dem Privatkonsum. Allerdings: Dieser würde ohne das Gesundheitswesen stagnieren. Eine problematische Entwicklung.

Pflegende an Spitalbett
Legende: Die Schweizer Wirtschaft wächst – zu grossen Teilen dank dem Gesundheitswesen. Eine problematische Entwicklung. Colourbox

Die Konjunkturexperten sind sehr positiv gestimmt, was das Wachstum der Schweizer Wirtschaft betrifft. Praktisch alle haben in den letzten Wochen die Prognosen nach oben revidiert. So vermeldet heute die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, das Bruttoinlandprodukt (BIP) werde in diesem Jahr 1,9 Prozent wachsen.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erhöhte bereits am Donnerstag seine Prognose auf 1,8 Prozent. Zuvor gingen Seco wie KOF von einem BIP-Wachstum von 1,4 Prozent aus. Für 2004 sind die beiden Prognoseinstitute gar noch optimistischer mit 2,1 Prozent (KOF) respektive 2,3 Prozent (Seco).

«Insbesondere die privaten Konsumausgaben bilden seit mehreren Quartalen eine starke Konjunkturstütze», schreibt das Seco in seiner neusten Prognose. Auf die Frage, welche Ausgaben der Haushalte besonders stark wachsen, gibt Seco-Chefökonom Eric Scheidegger eine überraschende Antwort: «Der Konsum pro Kopf ohne die Gesundheitsausgaben stagniert seit 2007 oder nimmt nur sehr leicht zu. Demzufolge hat die robuste Entwicklung des privaten Konsums sehr viel mit der demographischen Entwicklung zu tun und mit der starken Zunahme der Gesundheitsausgaben.» Nebst der Zuwanderung ist also seit Jahren vor allem das Gesundheitswesen der grosse Treiber des Schweizer BIP-Wachstums.

Ausgabenanteil für Gesundheit wächst stark

Legende: Video Eric Scheidegger, Leiter Direktion Wirtschaftspolitik Seco abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus ECO vom 20.09.2013.

Gemäss Seco-Statistik gaben die Schweizer Haushalte im letzten Jahr bereits 50 Milliarden Franken oder 14,9 Prozent ihres Konsums für die Gesundheit aus. Das ist deutlich mehr als für Nahrungsmittel (12,2 Prozent), Verkehr (9,1 Prozent) oder Unterhaltung (7,6 Prozent). Nur der Bereich Wohnen machte mit 23,9 Prozent einen grösseren Anteil des Privatkonsums aus.

Die Ausgaben für die Gesundheit sind zudem in den letzten Jahren deutlich stärker gestiegen als für andere Bereiche. So wuchs der Gesundheitsbereich seit dem Jahr 2000 um 52 Prozent. Der Posten Wohnen legte hingegen nur um 39 Prozent zu, die Ausgaben für Verkehr um 29 Prozent und jene für Nahrungsmittel im 22 Prozent.

Seco missfällt Entwicklung

Ob der Anteil der Gesundheitsausgaben auch in Zukunft so zunimmt, kann Eric Scheidegger nicht sagen: «Es ist für mich völlig offen, ob das wirklich eine strukturelle Entwicklung ist oder nur ein zyklisches Phänomen.»

Grosse Freude an dieser Entwicklung hat der Seco-Chefökonom aber nicht: «Es wäre nicht wünschbar, dass die ganze Wachstumsdynamik der Schweiz vom Gesundheitssektor getrieben wird.» Der Grund dafür ist einfach, so Scheidegger: «Es ist gut, dass im Gesundheitssektor viele Arbeitsplätze geschaffen werden, aber dort ist die Arbeitsproduktivität relativ gering. Das heisst, die Wertschöpfung pro Arbeitsplatz ist im Vergleich zu anderen Sektoren eher tief.»

Legende: Video Wachstum: Gesundheitswesen treibt BIP an abspielen. Laufzeit 08:39 Minuten.
Aus ECO vom 23.09.2013.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Maurer, Egerkingen
    Diese Meldung überrascht nicht wirklich. In unserer heutigen Konsum- und Vollkasko-Gesellschaft ist diese Entwicklung nur logisch. Trotzdem aber sehr bedenklich...
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Ein wesentliches Problem ist der Einfluss der Pharmaindustrie, welche kein Interesse hat an kostengünstigen Behandlungen. Entsprechend wird auch kaum danach geforscht. Teure, oft nutzlose Medikamente gegenüber billigeren Vorgängern werden massiv beworben. Studien werden manipuliert, um nutzlose od. sogar schädliche Behandlungen als Standard zu definieren usw. Siehe "die Pharmaindustrie und ihr einfluss auf die Medizin". Not-wendig ist eine Reform des Systems: wer produziert forscht nicht!
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  • Kommentar von Leander Eyer, Naters
    Ich denke nicht das es sich um ein strukturelles Phänomen handelt. Der Grund für das hohe Wachstum der Kosten im Gesundheitswesen ist die Trennung zwischen "Beziehen einer Leistung" und "Bezahlen der Leistung". Die Rechnung flattert erst ein Jahr später in Form höherer Prämien für alle ins Haus.
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