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Gewinn eingebrochen Wie schlitterte VW vom Kult in die Krise?

Volkswagen steckt in der Krise. Schon 2025 ist der Gewinn knapp um die Hälfte eingebrochen; der Konzern muss also schrumpfen. Jetzt stehen 50'000 bis 100'000 Stellenkürzungen im Raum. Und symbolisch steht noch viel mehr auf dem Spiel. Kaum ein Konzern steht so für den deutschen Wohlstand wie VW. Das hat auch mit der turbulenten Firmengeschichte zu tun.

1. Das Volkswagenwerk in der NS-Diktatur

Am 26. Mai 1938 hält Adolf Hitler eine flammende Rede vor 50'000 Menschen in der Nähe von Fallersleben – da, wo heute die VW-Stadt Wolfsburg steht. Hitler ist persönlich zur Grundsteinlegung des «Volkswagenwerks» angereist. Schon 1934, kurz nach der Machtergreifung, hatten die Nazis den Deutschen ein erschwingliches Auto versprochen, unter der Schirmherrschaft der NS-Organisation «Kraft durch Freude», kurz KdF.

Männer in Uniformen umgeben ein Cabrio.
Legende: Adolf Hitler in einem Prototyp des KdF-Wagens bei der Grundsteinlegung des Volkswagenwerks. Imago / Gemini Collection

An Privatpersonen wird der sogenannte «KdF-Wagen» nie ausgeliefert. Statt eines Autos für die Massen fertigt das VW-Werk Rüstungsgüter, zum Beispiel ein Militärfahrzeug für die deutsche Wehrmacht, den «Kübelwagen». 20'000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter leisten dafür Schwerstarbeit.

2. Wirtschaftswunder

Noch im Jahr 1945 wird im VW-Werk unter britischer Besatzung der erste VW-Käfer gebaut. In den kommenden Jahren wird Volkswagen zum Motor des deutschen Wirtschaftswunders – und VW verkörpert diesen Aufschwung auch symbolisch. 1955 läuft im Volkswagenwerk zum millionsten Mal ein VW Käfer vom Band. «Wenn sie in Dreierreihen so hintereinanderfahren, bilden sie ein ununterbrochenes VW-Band vom Nordkap bis Gibraltar», heisst es in einem VW-Werbespot.

Grosse Menschenmenge versammelt sich um ein Auto in einer Halle mit dem Schriftzug '1 Million' darüber.
Legende: Der millionste VW-Käfer wird gefeiert von Belegschaft und Presse (1955). Keystone/DPA/Herold

3. Krisenmomente

Mehrmals muss der Volkswagenkonzern in den folgenden Jahrzehnten Krisen bewältigen. In den 1970er-Jahren gerät VW beispielsweise wegen des Ölpreisschocks in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Nachfrage nach den VW-Modellen, allen voran dem Käfer, sinkt. 1974 muss das Unternehmen zehntausende Beschäftigte entlassen. Kurz darauf erreicht VW mit dem Modell Golf wieder neue Höhen.

Autofertigungsstrasse mit mehreren orange-gelben Autos und Menschen.
Legende: Führte Volkswagen in den 1970er-Jahren aus der Krise: Der Golf am Fliessband in Wolfsburg (1976). Imago / Rust

4. Expansion

Ab den 1980er-Jahren entwickelt sich VW von einem europäischen Automobilhersteller zu einem globalen Konzern. Ein Meilenstein ist der frühe Eintritt in den chinesischen Markt, heute der wichtigste Absatzmarkt des Unternehmens. Durch die Übernahme von SEAT, Skoda, Bentley, Lamborghini und Bugatti baut Volkswagen auch sein Markenportfolio aus. Vom sparsamen Kleinwagen bis zum exklusiven Luxus- und Sportwagen findet sich nahezu jede Fahrzeugklasse unter dem Dach des Konzerns.

Ein Auto auf einem grossen Werbeschild mit Gebäuden im Hintergrund.
Legende: VW-Werbetafel in Shanghai (1990). Imago / Xinhua

5. Blick in den Abgrund

2008 steigt VW zu einem der drei grössten Autohersteller der Welt auf. Doch 2015 erschüttert der Dieselskandal das Unternehmen nachhaltig. Manipulierte Abgaswerte führen zu einer Milliardenstrafe und einem enormen Vertrauensverlust. In den nächsten Jahren folgt für das Unternehmen Rückschlag auf Rückschlag: der sinkende Absatz auf dem Weltmarkt und insbesondere in China, die Coronapandemie, jüngst die Chipkrise. 2024 kündigt Volkswagen erstmals seit Jahrzehnten einen Stellenabbau in Deutschland an. Heute stehen sogar Werkschliessungen im Raum.

So blickt VW in den Abgrund. Ein Lichtblick ist dabei ausgerechnet: die Rüstungsindustrie. Unter dem Stichwort «Zeitenwende» investiert die deutsche Bundesregierung Hunderte Milliarden in die Aufrüstung. Dabei sollen einzelne VW-Fabriken umfunktioniert werden, um statt Autos Waffen zu bauen.

SRF 4 News, 10.07.2026, 16:35 Uhr ; 

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