Gold undurchsichtiger als Diamanten

Erstmals seit mehr als 30 Jahren weiss die Schweiz wieder, woher das ins Land importierte Gold stammt. Trotz dieser Transparenz bleibt es ein heikles Geschäft, erklärt ein Rohstoff-Analyst im Interview mit «ECO». Und er sagt, weshalb Gold seit Jahrtausenden Anziehung auf die Menschen ausübt.

Goldbarren Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Emotionale Anlage: Gold zieht seinen Wert auch aus dem Irrationalen. Keystone

Rund 40 Prozent der weltweiten Gold-Importe gehen in die Schweiz. Mehr als 30 Prozent der gesamten Gold-Exporte erfolgen aus der Schweiz heraus. Damit nimmt das Land im weltweiten Handel mit dem Edelmetall und in dessen Verarbeitung eine herausragende Rolle ein. Erstmals seit 1981 hat die Eidgenössische Zollverwaltung in der vergangenen Woche veröffentlicht, aus welchen Ländern das eingeführte Gold stammt.

Diese neue Transparenz helfe allerdings wenig, «um diese vielfach diskutierte Frage nach schmutzigem Gold zu beantworten», sagt Rohstoff-Analyst Carsten Menke gegenüber «ECO». «Wenn wir Barren etwa aus London importieren, wissen wir nicht, woher dieses Gold wirklich kommt.»

Carsten Menke über die neue Transparenz – und Intransparenz

1:05 min, vom 24.2.2014

Der Goldmarkt sei weit weniger transparent als der Markt mit Diamanten. «Wenn ich heute in ein Juwelier-Geschäft gehe und frage, woher der Stein in diesem Ring kommt, weiss man das», so der Julius-Bär-Analyst. Zertifikate für Diamanten sind heute verbreitet, um den Handel mit jenen Steinen zu verhindern, mit deren Erlös gewalttätige Konflikte finanziert werden: mit so genannten Bluttdiamanten.

Im Falle von Gold sei eine solche Zertifizierung deutlich schwieriger, erklärt Carsten Menke. Gold könne eingeschmolzen werden «und in einer neuen Form wieder auf den Markt kommen. Und das viele, viele Male.»

Praktisch sämtliches Gold, das jemals gefördert wurde, ist heute noch im Umlauf. Weltweit existieren rund 170‘000 Tonnen Gold. Das entspricht einem Würfel mit 20 Metern Seitenlänge.

Weshalb Gold mit nichts vergleichbar ist

Seit Jahrtausenden steht Gold für Wohlstand. Und für Wertstabilität. Schon im alten Rom wusste man, dass man für eine Unze Gold eine Toga kaufen könne. «Das hat sich so fortgesetzt, dass man heute sagt: Man kann damit einen Massanzug kaufen», so Menke.

Carsten Menke über die Faszination von Gold

0:51 min, vom 24.2.2014

Eine Unze Gold (31,1, Gramm) ist derzeit rund 1200 Franken wert. Besonders in Krisenzeiten flüchten sich Anleger in Gold. Zwischen 2009 und 2012 hatte sich der Wert des Edelmetalls mehr als verdoppelt.

Dabei ist Gold nicht einmal das wertvollste Metall. Platin etwa kostet mehr – «aber als Laie kann man es nicht vom günstigen Silber unterscheiden», erklärt Rohstoff-Analyst Carsten Menke. Dem Glanz von Gold gleiche dagegen kein anderes Metall – das mache seinen emotionalen Wert aus.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Gold-Drehscheibe Schweiz

    Aus ECO vom 24.2.2014

    Kaum ein Land ist im internationalen Goldhandel und in der Verarbeitung des Edelmetalls bedeutender als die Schweiz. Immer mehr Gold landet in hiesigen Raffinerien, wird verarbeitet und wieder exportiert. Erstmals seit über 30 Jahren gibt nun die Eidgenössische Zollverwaltung preis, aus welchen Ländern der begehrte Rohstoff kommt. Transparenz herrscht damit aber noch lange nicht.