Grosse Firmen mehrheitlich auf «Standby»

Der WWF vermisst den verantwortungsvollen Umgang grosser Firmen mit Strom. Eine Studie kommt zum Schluss, dass über die Hälfte der 50 grössten Schweizer Unternehmen den eigenen Strombedarf nicht kennt und auch keine Pläne hat, dies zu ändern. Doch es gibt auch gute Beispiele.

Strom: Verbrauchsdatenerfassung in einem Gebäude. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verbrauchsdatenerfassung: Ein wichtiges Element beim effizienten Strommanagement. Keystone

Die Schweiz muss Strom sparen, wenn die Energiewende gelingen soll. Besonders wichtig sind die Unternehmen mit einem Anteil von rund 60 Prozent am Gesamtverbrauch. Gemäss einer WWF-Untersuchung ist sich allerdings erst ein kleiner Teil der Firmen ihrer Rolle bewusst.

Dazu gehört der Rückversicherungskonzern Swiss Re. Vor zehn Jahren hat sich das Unternehmen verpflichtet, den Energiebedarf jedes Jahr um zwei Prozent zu senken. Dies pflege das Image und senke die Kosten, stellt der Umweltbeauftrage Vincent Eckert gegenüber SRF fest: «32 Prozent Energiereduktion pro Mitarbeiter bedeutet 32 Prozent weniger Kosten.»

Schlüsselfaktor Mensch

Allerdings: Wer wie Swiss Re einen Drittel der Energiekosten pro Mitarbeiter einsparen will, muss zuerst einmal investieren. In die systematische Erfassung des eigenen Strombedarfs, in energieeffiziente  Rechenzentren, besser isolierte Gebäude und vor allem in viel besser informierte Mitarbeitende. Der Mensch ist laut Eckert ein Schlüsselfaktor. Ohne diese Sensibilisierung werde es sehr schwierig.

Swiss Re beschränkt sich dabei nicht auf das Büro. Mitarbeitende erhalten Unterstützungsbeiträge von bis zu 5000 Franken – für mehr Energieeffizienz daheim, für Solarpanels oder den Einbau einer Wärmepumpe. Die Idee: Wer daheim ans Sparen denkt, tut es wohl auch am Arbeitsplatz.

Daueraufgabe

So erreichte Swiss Re in kürzerer Zeit mehr als geplant und konnte zugleich in Öko-Strom investieren. Der ist zwar teurer, doch kann sich das Unternehmen diesen dank insgesamt sinkenden Energiekosten leisten.

Eine Ende dieser Entwicklung sei nicht absehbar, stellt Eckert weiter fest. Optimieren sei eine Daueraufgabe, auch durch den Umstand, dass es immer wieder Rückschritte gebe. Wenn etwa das Unternehmen expandiere, zusätzlichen Büroraum und mehr Computer benötige oder einfach wieder etwas nachlässiger werde.

WWF nennt acht Vorreiter

Es gibt also auch für relativ stromeffiziente Unternehmen keinen Anlass, in den Standby-Modus zu verfallen. Eine solche Kette von Verbesserungen zeichnet die insgesamt acht Vorreiter in der Schweiz aus. Es sind laut WWF neben Swiss Re die Detailhandelskonzerne Coop und Migros, Post, SBB, Swisscom, UBS und die Zürcher Kantonalbank.

Effizientes Strommanagement sei die wichtigste Voraussetzung, damit Schweizer Unternehmen ihren Stromverbrauch reduzieren könnten, betonen die Autoren der WWF-Studie. Die selbstauferlegte Energiewende in der Schweiz wäre darauf angewiesen. Erst ein Drittel der grössten Schweizer Unternehmen hat das bisher erkannt.

Die vollständige WWF-Liste

Die VorreiterCoop, Post, Migros, SBB, Swisscom, Swiss Re, UBS, Zürcher Kantonalbank
Die VerfolgerBKW, Credit Suisse, Georg Fischer, Manor, Novartis, Siemens Schweiz, Syngenta
Die NachzüglerAxpo, Bobst Group, Emmi, Implenia, Lonza, Nestlé, Privatklinikgruppe Hirslanden, SRG
Die Intransparenten ABB, Alpiq, AMAG, Bühler Holding, Emil Frey, Ems-Chemie, Fenaco, Galenica, Hilti, Holcim, Publigroupe, Ringier, Robert Bosch, Roche, Ruag, Schindler, SIX Group, Stadler Rail, Sunrise, Swatch Group, Swiss, Swiss Life, Tamedia, Valora, Zurich Insurance Group

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