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Wirtschaft Harte Zeiten für Hersteller von billigem Käse

Seit Brüssel im April die Milchkontingente gestrichen hat, produzieren die Bauern in der EU zu viel Milch. Die Folge: Der Milchpreis ist auf einem Tief. Dies hat auch Auswirkungen auf die Schweiz, sagt ein Branchenvertreter – vor allem beim Käse.

Sieben Milchzuber, an eine Wand gestellt.
Legende: EU-Bauern leiden unter einem starken Preisverfall für ihre Produkte. Das hat Folgen für den Schweizer Export. Keystone

SRF News: Der Milchpreis in der EU ist momentan sehr tief. Hat das auch Auswirkungen auf die Schweiz?

Stefan Kohler: Wir haben mit der EU ein Freihandelsabkommen beim Käse. Das heisst, beim Käse, der von der Schweiz in die EU exportiert wird und umgekehrt, haben wir offene Grenzen. Wenn der Käse dort also viel billiger wird, hat das Auswirkungen auf den Schweizer Käsemarkt.

In welchem Bereich spielt diese Tiefpreiskonkurrenz mit der EU?

Dieser Konkurrenzkampf spielt vor allem bei den Käsesorten, welche keinen Markennamen haben, die so genannten No-Name-Käse, und beim Käse, der in der Industrie verwendet wird. Beim Käse, der auf einer Pizza verwendet wird – sei es in einer Pizzeria oder auf einer Industriepizza, die man im Laden kauft –, schaut der Konsument weniger auf die Herkunft. Dort läuft alles über den Preis. Wenn billigerer Käse aus der EU in die Schweiz kommt, müssen die Schweizer Hersteller nachziehen, um in diesem Marktsegment bleiben zu können.

Was können die Hersteller solcher Käsesorten dagegen tun?

Wir unternehmen bereits viel. Die Anstrengungen in der Branche mit einer Strukturbereinigung ist bereits weit fortgeschritten. Wir sind in den vergangenen Jahren bei der Milchproduktion und bei der Käseherstellung viel effizienter geworden. Der Strukturwandel setzt sich zwar fort, aber wir haben nicht mehr viel Luft nach oben, um noch mehr zu erreichen. Die Schweiz unternimmt zudem grosse Anstrengungen im Marketing für Schweizer Käse im Ausland. Diese werden zum Teil vom Bund mitfinanziert. In dem Bereich kann man sich noch verbessern. Aber auch hier gilt: Sehr viel mehr liegt nicht mehr drin.

Das heisst, die Produzenten müssen mit tieferen Preisen leben?

Ja. Aber wir rechnen nicht damit, dass die Milchpreise in der EU ewig so tief bleiben. Wir sehen, dass die Situation für die Bauern in der EU sehr schwierig ist und dass dort viele Milchbauern derzeit von der Substanz leben. Das kann auf die Dauer nicht so weitergehen. Irgendwann werden auch in der EU die Milchpreise wieder steigen. Dann werden auch die Käseprodukte in der EU wieder teurer, und das Problem wird sich wieder etwas entschärfen.

Das Gespräch führte Lukas Mäder.

Stefan Kohler

Der ehemalige Journalist ist seit Januar 2014 als Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM) tätig. Diese vertritt die Mehrheit der regionalen und nationalen Milchproduzenten und -verarbeiter.

Krisentreffen in Brüssel

Die Agrarminister der EU beschäftigen sich heute an einer Sondersitzung in Brüssel mit dem Thema Milchpreis. Die Schweizer Milchbranche befürchtet, dass Exporthilfen beschlossen werden, die den Schweizer Markt weiter unter Druck setzen könnten.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Wir müssen dringend aus diesem doofen EU-Karussel aussteigen. Jedes Land muss im Ausland einkaufen, auch wenn es genügend Ware im Inland gibt. Nur so kann die EU Preise machen, die für niemanden mehr stimmen. Ich würde es begrüssen, wenn die Bauern mit ihren Traktoren nach Bern, wenn nötig in die Wandelhalle fahren würden. Wir brauchen mehr Mut um uns zu wehren. Die Franzosen haben es uns ja vorgemacht. Wenn ich auf einem der Traktore mitfahren darf, gerne!
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