Harte Zeiten für Hersteller von billigem Käse

Seit Brüssel im April die Milchkontingente gestrichen hat, produzieren die Bauern in der EU zu viel Milch. Die Folge: Der Milchpreis ist auf einem Tief. Dies hat auch Auswirkungen auf die Schweiz, sagt ein Branchenvertreter – vor allem beim Käse.

Sieben Milchzuber, an eine Wand gestellt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: EU-Bauern leiden unter einem starken Preisverfall für ihre Produkte. Das hat Folgen für den Schweizer Export. Keystone

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Stefan Kohler

Der ehemalige Journalist ist seit Januar 2014 als Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch (BOM) tätig. Diese vertritt die Mehrheit der regionalen und nationalen Milchproduzenten und -verarbeiter.

SRF News: Der Milchpreis in der EU ist momentan sehr tief. Hat das auch Auswirkungen auf die Schweiz?

Stefan Kohler: Wir haben mit der EU ein Freihandelsabkommen beim Käse. Das heisst, beim Käse, der von der Schweiz in die EU exportiert wird und umgekehrt, haben wir offene Grenzen. Wenn der Käse dort also viel billiger wird, hat das Auswirkungen auf den Schweizer Käsemarkt.

In welchem Bereich spielt diese Tiefpreiskonkurrenz mit der EU?

Dieser Konkurrenzkampf spielt vor allem bei den Käsesorten, welche keinen Markennamen haben, die so genannten No-Name-Käse, und beim Käse, der in der Industrie verwendet wird. Beim Käse, der auf einer Pizza verwendet wird – sei es in einer Pizzeria oder auf einer Industriepizza, die man im Laden kauft –, schaut der Konsument weniger auf die Herkunft. Dort läuft alles über den Preis. Wenn billigerer Käse aus der EU in die Schweiz kommt, müssen die Schweizer Hersteller nachziehen, um in diesem Marktsegment bleiben zu können.

Tiefer Milchpreis in der EU belastet Schweizer Export

5:19 min, aus SRF 4 News aktuell vom 07.09.2015

Was können die Hersteller solcher Käsesorten dagegen tun?

Wir unternehmen bereits viel. Die Anstrengungen in der Branche mit einer Strukturbereinigung ist bereits weit fortgeschritten. Wir sind in den vergangenen Jahren bei der Milchproduktion und bei der Käseherstellung viel effizienter geworden. Der Strukturwandel setzt sich zwar fort, aber wir haben nicht mehr viel Luft nach oben, um noch mehr zu erreichen. Die Schweiz unternimmt zudem grosse Anstrengungen im Marketing für Schweizer Käse im Ausland. Diese werden zum Teil vom Bund mitfinanziert. In dem Bereich kann man sich noch verbessern. Aber auch hier gilt: Sehr viel mehr liegt nicht mehr drin.

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Krisentreffen in Brüssel

Die Agrarminister der EU beschäftigen sich heute an einer Sondersitzung in Brüssel mit dem Thema Milchpreis. Die Schweizer Milchbranche befürchtet, dass Exporthilfen beschlossen werden, die den Schweizer Markt weiter unter Druck setzen könnten.

Das heisst, die Produzenten müssen mit tieferen Preisen leben?

Ja. Aber wir rechnen nicht damit, dass die Milchpreise in der EU ewig so tief bleiben. Wir sehen, dass die Situation für die Bauern in der EU sehr schwierig ist und dass dort viele Milchbauern derzeit von der Substanz leben. Das kann auf die Dauer nicht so weitergehen. Irgendwann werden auch in der EU die Milchpreise wieder steigen. Dann werden auch die Käseprodukte in der EU wieder teurer, und das Problem wird sich wieder etwas entschärfen.

Das Gespräch führte Lukas Mäder.