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Wirtschaft Hillary Clinton sagt Pharmafirmen den Kampf an

In den USA sind rezeptpflichtige Medikamente bedeutend teurer als in anderen Ländern. Jetzt verspricht Hillary Clinton, sie würde als Präsidentin gegen diese hohen Preise vorgehen. Doch die Chancen auf mehr staatliche Regulierung sind gering.

Infusionen.
Legende: Infusionen zur Brustkrebs-Behandlung: Herceptin von Roche kostet in den USA rund 50 Prozent mehr als in Deutschland. Keystone
Hillary Clinton bei einem Auftritt.
Legende: «Pharma-Unternehmen können astronomische Preise verlangen.» Hillary Clinton macht Medikamente zum Wahlkampfthema. SRF

Der Markt wird gepriesen, der Staat verachtet. Wettbewerb ist Segen, Regulierung Schande. Die Abscheu gegen staatliche Eingriffe liegt in der DNA der Amerikaner. Das ist ein Grund, warum in den USA die Medikamentenpreise praktisch nicht staatlich reguliert sind.

Doch die kulturell verankerte Angst vor dem Staat hat unangenehme Nebenwirkungen für den Geldbeutel: Die Preise für Pillen, Spritzen und Therapien sind höher, teilweise viel höher als in vergleichbaren Ländern. Und sie steigen weiter an (s. Box «Starker Preisanstieg»).

«Es geht um Leben und Tod»

Dagegen macht Hillary Clinton, die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, im Wahlkampf mobil. «Wir machen die Firmen verantwortlich für die Preise. Niemand soll wählen müssen zwischen dem Bezahlen seiner Pillen und seiner Miete», ruft sie bei Wahlkampf-Auftritten in die begeisterte Menge.

Arzt Zane Gates.
Legende: «Ist ein Menschenleben in Europa wichtiger als eines in den USA?» Arzt Zane Gates bekämpft die hohen Preise. SRF

Sie spricht damit auch Zane Gates aus der Seele. Der Arzt aus Altoona, einer Provinzstadt in Pennsylvania, ärgert sich seit Jahren über die hohen Preise: «Ist ein Menschenleben in Europa wichtiger als eines in den USA? Es geht hier um Leben oder Tod.»

Die hohen Preise können auch deshalb lebensentscheidend sein, weil weiterhin Millionen von US-Amerikanern über keine Krankenversicherung verfügen. Sie müssen die Kosten selbst übernehmen.

In den USA 10'000 US-Dollar, in Deutschland 3'000 US-Dollar

Teurer als in anderen Ländern sind auch Medikamente der Schweizer Konzerne Novartis und Roche. Eine Auswertung der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigte vor wenigen Monaten: Das Krebsmedikament Glivec von Novartis kostet in den USA für einen Monat 10'000 US-Dollar, in Deutschland rund 3'000 US-Dollar. Das Mittel gegen Brustkrebs, Herceptin, von Roche, kostet in den USA rund 50 Prozent mehr als in Deutschland.

Und noch ein Beispiel: Die Diabetes-Pille Januvin von Merck Januvia kostet nach Abzug von Rabatten in den USA für einen Monat 168 US-Dollar, in Deutschland 39 US-Dollar.

Pharmabranche wehrt sich

Beim Dachverband der Pharma-Industrie in den USA, PhRMA, verteidigt man die höheren Preise. Das Gesundheitssystem als Ganzes sei viel teurer als in anderen Ländern, sagt Robert Zirkelbach, und im Verhältnis zu den Gesamtausgaben sei der Anteil der Medikamentenkosten in den USA nicht höher.

Zirkelbach warnt die Politik denn auch, Medikamentenpreise im grossen Stil zu senken. Das würde die Forschung und Entwicklung für künftige Medikamente erschweren. Clintons Ankündigungen werden indes sehr ernst genommen. Als sie ihre Massnahmen gegen hohe Preise ankündigte, brachen Aktien von Biotech-Unternehmen um bis zu 30 Prozent ein.

Weitreichende Vorschläge Clintons

Wiederholt haben Politiker versucht, in gewissen Bereichen die Medikamentenpreise zu regulieren. Mehrheiten kamen praktisch nie zustande. So nimmt Clinton die Forderung wieder auf, dass Medicare, die staatliche Krankenversicherung für ältere Menschen, künftig mit den Pharma-Multis Preise verhandeln dürfe. Weiter will Clinton etwa die TV-Werbung für rezeptpflichtige Medikamente einschränken und sogar Importe aus dem Ausland zulassen.

«Wir können uns einfach nicht zusammenraufen»

Sara Rosenbaum ist eine der renommiertesten Experten im Bereich Gesetzgebung im Gesundheitswesen. Die Professorin an der George Washington Universität hat schon viele Anläufe für mehr staatliche Kontrolle scheitern sehen: «Ich zweifle nicht, dass Hillary Clinton sehr hart kämpfen wird für die politische Unterstützung, aber im grossen Stil etwas zu erreichen, um Medikamenten-Preise zu kontrollieren und zu verhandeln, das wäre eine epische Schlacht.»

Sara Rosenbaum.
Legende: «Eine epische Schlacht» – Sara Rosenbaum glaubt kaum an einen Erfolg Hillary Clintons. SRF

Rosenbaum sagt, in beiden Parteien sei der Widerstand gegen mehr Regulierung gross. Und die Wahlkampf- und Parteispenden der so mächtigen Pharma-Industrie würden das Ihre dazu beitragen, dass Politiker nicht handelten. «Obwohl wir wissen, wie entscheidend es für das Wohlergehen unseres Landes wäre: Wir können uns einfach nicht zusammenraufen und wie andere Länder das Nötige tun, damit die Menschen ihre Gesundheitskosten auch in Zukunft bezahlen können.»

Heisst: Viel zu befürchten hätten Pharma-Unternehmen wohl auch unter einer Präsidentin Clinton nicht.

Starker Preisanstieg

Medikamente in den USA werden immer teurer. Das «Wall Street Journal» analysierte die 30 meistverkauften Arzneimittel in den USA, die in Apotheken erhältlich sind. Dabei zeigt sich, dass die Preise zwischen 2010 und 2014 im Schnitt um 76 Prozent gestiegen sind. Zum Artikel (englisch)

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14 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Ob Clinton nur Schaum schlägt oder nicht, wüsste man, wenn die Sponsorings für ihre Präsidentschaftswahlkampf offen gelegt werden müssten. Bisher sind Waffenproduzenten und Banken ihre Hauptsponsoren, deren politischen Forderungen sie nach einem allfälligen Wahlsieg zu erfüllen hätte.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Endlich jemand, der Mumm und Rückgrat (und erst noch Frau) besitzt, gegen die kriminellen, da gesundheitsschädigenden Machenschaften der Pharma-Mafia vorzugehen?? Es wäre längst an der Zeit! Leider haben wir eine sehr rückgratlose, teure Regierung in der Schweiz, ein ebensolches, riesiges, teilweise sehr ausbeuterischer, ineffizienter, komplizierter, unkontrollierter Verwaltungsapparat und PolitikerInnnen, welche sich mittels lukrativer VR-Mandate bereichern und damit Vetternwirtschaft betreiben
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Lippenbekenntnisse ... Werbetrommel verbal... nichts dahinter... wetten.. und ausserdem.. man soll nichts versprechen ohne die Situation zu kennen... die Kosten der Pharma zu kennen.. es koennte naehmlich sein dass man auf Lieferung an Preisdruecker aus Rentabilitaetsgruenden schlicht verzichtet.. und dann...
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Lieferung an einen riesigen Markt wie den USA einfach verzichtet? Glauben sie an den Weihnachtsmann?
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    2. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Das tut man schon.. wenn notwendig.. ist eine Kosten Rendite Frage.. und es wird natuerlich Medikamente fuer seltenere Krankheiten treffen.. und Menschenleben einfordern..
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