Höhere Bildung: Kampf um eine halbe Milliarde

Wer nach der Lehre eine höhere Berufsprüfung absolviert, belegt meist Vorkurse. Um deren Kosten zu reduzieren, will der Schweizerische Gewerbeverband bis zu 500 Millionen Franken jährlich mehr vom Bund. Nur so werde die berufliche Weiterbildung gegenüber den Hochschulen nicht benachteiligt.

Angehender Bäckermeister bei der Arbeit Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die höhere Berufsbildung soll ihre Praxisnähe wahren, aber mehr Bundesgelder erhalten. SRF

Pro Jahr gibt es etwa gleich viele Abschlüsse in der höheren Berufsbildung wie Erstabschlüsse an einer Hochschule: rund 23‘000. Die Absolventen stammen aus dem Gewerbe, der Industrie oder dem kaufmännischen Bereich. Für ihre Ausbildung soll die öffentliche Hand künftig mehr Geld zur Verfügung stellen.

Das fordert zumindest Hans-Ulrich Bigler. Der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) will eine halbe Milliarde Franken pro Jahr zusätzlich. Er findet, die in der Verfassung festgeschriebene Gleichwertigkeit zwischen der beruflichen und der akademischen Bildung werde in finanzieller Hinsicht mit Füssen getreten. Im Vergleich zur höheren Berufsbildung, die 250 Millionen Franken erhalte, subventioniere der Bund die Hochschulen mit rund 6,4 Milliarden Franken zu stark.

13‘000 Franken pro Absolvent

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«Sie zerbrechen fast daran»

«Sie zerbrechen fast daran»

Markus Zimmerli ist stellvertretender Direktor des Ausbildungszentrums für angehende Bäcker- und Konditorenmeister in Luzern. Im Interview mit «ECO» berichtet er über seine Erfahrungen als Vorkurs-Anbieter.

Bei den Forderungen des SGV kann aus dem Blickwinkel geraten, dass Absolventen der höheren Berufsbildung oft nicht die Gesamtkosten für die Kurse übernehmen müssen. In vielen Fällen beteiligen sich ihre Arbeitgeber und Branchenverbände daran. Gemäss einer Studie im Auftrag des Bundes von 2011 betragen die Durchschnittskosten, die ein Absolvent selber stemmen muss, 13‘000 Franken. Die Weiterbildung bereite daher kaum je finanzielle Schwierigkeiten.

Zudem ist zu bedenken, dass die Kurs-Teilnehmer bereits mehrjährige Berufserfahrung und damit in der Regel ein höheres Einkommen haben als Studierende. Und schliesslich ist ein Abschluss in der höheren Berufsbildung tendenziell mit der Aussicht auf mehr Lohn verbunden.

Verteilkampf um Gelder vermeiden

Aus diesen Gründen stuft selbst der Arbeitgeberverband (SAV) Hans-Ulrich Biglers Forderung als zu drastisch ein, auch wenn er sich ebenfalls für eine Erhöhung der Bundesgelder stark macht. «Mit einer enormen Beteiligung der öffentlichen Hand würde der Praxisbezug irgendwann verloren gehen», glaubt SAV-Bildungsexperte Jürg Zellweger.

Für Antonio Loprieno, Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, ist klar: Berufliche und akademische Bildung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Er erachtet denn auch die höhere Berufsbildung als förderungswürdig, «nicht aber auf Kosten der Hochschulen».

Maximalforderung ohne Chance

Eine Expertengruppe unter der Leitung des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) arbeitet nun einen Vorschlag zuhanden des Bundesrats aus, wie hoch der Bundesbeitrag für die höhere Berufsbildung künftig sein soll. Zu vermuten ist, dass er eher bei 100 bis 200 Millionen Franken liegen wird denn bei 500, wie von Hans-Ulrich Bigler verlangt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Bildung: Kampf um eine halbe Milliarde

    Aus ECO vom 25.11.2013

    Wer nach der Lehre Meister werden will, muss eine höhere Berufsbildung absolvieren. Die Verfassung schreibt ihr denselben Wert zu wie der akademischen Ausbildung. Der Gewerbeverband kritisiert jedoch, der Bund benachteilige die höhere Berufsbildung gegenüber den Hochschulen. Er fordert bis zu 500 Millionen Franken zusätzlich, um die künftigen Meister zu entlasten.