Hotelier nach dem Frankenschock: «Ich komme (noch) zurecht»

Auf den ersten Blick hat sich Hotelier Böhlen ganz gut mit dem starken Franken arrangiert. Doch bei genauem Hinschauen wird klar: Der Wechselkurs ist nicht seine einzige Sorge.

Der Hotelier Freddy Böhlen aus Leukerbad im Wallis mit seiner Frau und seinen beiden Kindern vor seinem Hotel «Pardis». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Freddy Böhlen: «Als Hotelier habe ich täglich zu kämpfen. Jetzt noch mehr.» Freddy Böhlen

Mit einem freundlichen Lächeln begrüsst Freddy Böhlen ein paar Gäste, die in den Frühstücksraum seines Familien-Hotels treten. Es sei Selbstbedienung, sagt er auf Englisch. Auch den Kaffee könnten sich die Gäste selber bei der Maschine zubereiten.

«So kann ich Personal sparen», erklärt er. «Auch Mittag- und Abendessen biete ich nicht mehr an im Hotel.» Heute hat er nur noch zwei Angestellte, den Rest erledigt er mit seiner Frau. Dank solchen Massnahmen sei er besser aufgestellt als viele seiner Berufskollegen. Die müssten oft einen grossen Personalapparat bezahlen, obwohl die Gäste wegen des starken Frankens wegblieben, sagt der 45-jährige.

Freddy Böhlen macht sich nochmals einen Kaffee und setzt sich auf eine Eckbank an einen der rund zwölf Holztische im Frühstücksraum. Nur zwei der Tische sind besetzt. Es ist Nebensaison in Leukerbad (VS).

Das Hotel sollte noch lange überleben

Angst vor der Zukunft? Habe er nicht. Auch jetzt nicht, wo die Nationalbank den Euromindestkurs von 1,20 Franken aufgehoben hat und Ferien in der Schweiz für europäische Gäste noch teurer geworden sind. «Als Unternehmer darf man keine Angst haben, sonst sollte man sich nicht selbständig machen», sagt der gelernte Hotelier.

Doch beim Nachbohren verschwindet das Lächeln auf Freddy Böhlens Gesicht. Er wird noch ruhiger und sagt nachdenklich:

«Klar mache ich mir Sorgen, ich habe zwei Kinder und muss noch 20 Jahre von meinem Hotel leben können.» Aber als Gastgeber spreche man lieber über Positives wie schöne Wanderrouten.

«  «Bergauf geht es schon länger, jetzt wissen wir nicht, ob es auch noch regnen kommt.» »

Freddy Böhlen
Hotelier

Als der Franken von 1,60 auf 1,20 Franken runter kam, blieben zuerst die Deutschen Gäste weg. Nach dem Frankenschock fehlen bei Freddy Böhlen nun auch noch die Italiener. Bis 90 Prozent diesen Sommer. Früher kamen sie oft noch schnell für ein paar Tage über die Grenze.

Hotelier sein, sei wie Rad fahren, sagt Freddy Böhlen: «Bergauf geht es schon länger, jetzt wissen wir nicht, ob es auch noch regnen kommt» – ob der Franken noch lange so stark bleibe.

Zusätzliche Sorgen quälen den Hotelier

Doch es ist nicht nur der starke Franken, der dem Hotelier manchmal für einen Moment das Lächeln aus dem Gesicht stiehlt. Im Dorf gibt es finanzielle Probleme. Den Torrentbahnen, die ins Skigebiet führen, fehlen je länger je mehr die Skifahrer. Und auch bei der überdimensionierten Sportarena sind die Kosten nicht mehr gedeckt.

«Als Hotelier bin ich darauf angewiesen, dass die Infrastruktur im Dorf funktioniert. Wenn die Torrentbahnen schliessen, fehlen mir die Skifahrer im Winter», so Böhlen. Zwar suchen die Gemeinden eine Lösung, aber die Ungewissheit bleibt.

Immerhin: Vergleiche er sich mit Berufskollegen, gehe es ihm eigentlich ganz gut. Andere Hoteliers haben bereits Stellen abbauen oder ganz schliessen müssen.

Dunke Wolken am Horizont

Freddy Böhlen kann als Hotelier bei den Gästen zum Glück noch mit den Thermalbädern im Dorf punkten. «Die ziehen bei jedem Wetter», sagt er, als er auf der Terrasse seines Hotels übers Dorf blickt.

Im Westen ziehen dunkle Wolken auf, als wollten sie Freddy Böhlen sagen, dass das grosse Gewitter vielleicht erst noch kommt und es auch für ihn noch härter werden könnte. Auch wenn er meint vorbereitet zu sein.