Huffington Post startet in Deutschland mit Mini-Blogger-Armee

Eine Erfolgsgeschichte aus den USA kommt nach Europa: Die englischsprachige Onlinezeitung Huffington Post gibt es auch auf Deutsch. Steht nun eine Medien-Revolution bevor? SRF-Medienexperte Salvador Atasoy gibt Auskunft.

SRF: Die Huffington Post wurde innert acht Jahren zu einer der erfolgreichsten Medienseiten der USA. Fast 50 Millionen Leser klicken sich monatlich durch die kostenlose Inhalte. Nun lanciert sie eine deutschsprachige Version. Was ist das Erfolgsrezept?

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Bildlegende: Gründerin Arianna Huffington traf mit der Huffington Post den Nerv der Zeit. Reuters

Salvador Atasoy: Die Gründerin Arianna Huffington hatte 2005 eine wirklich simple und clevere Idee: Eine Seite, welche das Internet ordnet. Die besten Geschichten aus Blogs, News-Seiten und Plattformen wurden gesichtet und ansehnlich aufbereitet. Wer so viele Leute an einem Ort versammeln kann, der hat irgendwann auch gute Geschichten. Diese generieren wiederum Traffic, was Werbung und Geld bringt. Mit der Zeit fing man an, auch auf eigene News zu setzen. Heute arbeiten rund 500 Journalisten und zahlreiche Blogger für die Online-Seite.

Die Blogger erhalten meist kein Geld. Dieses Gratissystem wird oft kritisiert. Warum funktioniert es dennoch?

Die Huffington Post zahlt den Bloggern zwar kein Geld aber Reichweite und Aufmerksamkeit. Dies ist eine Währung, welche akzeptiert wird. Mittlerweile schreiben mehr als 30‘000 Blogger für die Onlineseite. Sie besitzt sozusagen eine Bloggerarmee, welche den hintersten Winkel der USA abdeckt. In einem Land, wo das Zeitungssterben weit fortgeschritten ist, ist die Huffington Post eine brauchbare Alternative.

«Die Huffington Post besitzt eine Bloggerarmee»

5:37 min, aus SRF 4 News aktuell vom 09.10.2013

Und die journalistische Leistung?

Die Huffington Post hat Journalisten, welche das Material im Netz sichten, aufbereiten, Blogs überarbeiten und Zusammenhänge erklären. 2012 erhielt die Huffington Post sozusagen die journalistische Absolution: Ein Journalist der Onlineseite gewann den Pulitzerpreis für eine Serie über verwundete Veteranen.

In zwei Jahren will die Huffington Post in Deutschland schwarze Zahlen schreiben. Ist das ein realistisches Ziel?

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Zur Person

Zur Person

Salvador Atasoy ist Medienexperte beim SRF. Er arbeitet in der Abteilung Information in Bern. Zuvor war er bei SRF 1 und beim Jugendsender Virus tätig.

Gemessen am Erfolg in den USA ist dies durchaus realistisch. Mittlerweile gibt es weltweit Ableger, beispielsweise in Frankreich, Grossbrittannien, Italien oder Spanien. Dabei ist die Vorgehensweise immer gleich. Man sucht sich einen starken regionalen Medienpartner, um Inhalte zu haben und schreibt Blogger an. In Deutschland startet man mit 15 Journalisten und 30 Bloggern, welche gratis Inhalte liefern. Dadurch sind die Fixkosten niedrig. Die Huffington Post ist nach eigenen Angaben bisher sehr zufrieden mit der Expansion in andere Länder. Diese laufe über den Erwartungen.

Der Inhalt betrifft wohl in erster Linie Deutschland. Müssen Schweizer Medien die neue Konkurrenz nicht fürchten?

Am Anfang wird die Seite sicher sehr deutschlandlastig sein. Die neue Plattform konkurriert vor allem die zwei Platzhirsche in Deutschland, Spiegel- und Bild-Online. In einem Jahr könnte es auch hierzulande ernst werden. Man wird sich wohl einen Kooperationspartner suchen und eine eigene Schweizer Startseite lancieren. Dann werden es Schweizer Onlinemedien durchaus zu spüren bekommen.

Das Gespräch führte Daniel Eisner.