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Wirtschaft Image-Pflege von Innen: Schweizer Callcenter erhalten einen GAV

Es betrifft im Moment nur rund 2000 Mitarbeiter. Aber es ist ein Signal: Die Schweizer Callcenter-Branche hat zum ersten Mal überhaupt einen Gesamtarbeitsvertrag ausgehandelt. Sie will damit gegen ihr Image-Problem ankämpfen – und gegen die Schwarzen Schafe in den eigenen Reihen.

Ein Call-Center mit zwei Mitarbeitern und einigen unbesetzten Arbeitsplätzen.
Legende: Eine schwierige Arbeit: Genervte Kunden, teils prekäre Anstellungsbedingungen. Damit soll jetzt Schluss sein. Keystone

Das Image der Callcenter-Branche ist nicht das beste. Eine Tieflohnbranche, in der Mitarbeiter nach einer Schnellbleiche ans Telefon gesetzt werden, um harmlose Mitmenschen nach Feierabend mit unerwünschten Werbeanrufen zu belästigen oder ihnen eine neue Versicherung aufzuschwatzen. Dieses Bild gelte es zu korrigieren.

Unter anderem mit einem neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV), sagt Peter Weigelt. Der frühere St. Galler FDP-Nationalrat ist heute Präsident des Arbeitgeberverbandes Contactswiss, in dem sich die Callcenter-Betreiber organisiert haben, um mit der Gewerkschaft Syndicom einen GAV auszuhandeln.

«Schluss mit der Unsitte Provisionen»

42-Stunden-Woche, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Weiterbildung – und: Feste Mindestlöhne, je nach Region 3800 bis 4500 Franken im Monat. «Das ist eine ganz zentrale Aussage in diesem GAV: Die Unsitte, die in der Branche zum Teil besteht, dass Mitarbeiter nur über Provisionen bezahlt werden, ist nicht mehr möglich», so Weigelt.

Heute sei es oftmals noch üblich, die Angestellten erfolgsabhängig zu bezahlen, je nach dem, wie viele Gespräche sie geführt, wie viele Kundinnen sie beraten oder wie vielen verzweifelten Computer-Nutzern sie geholfen hätten, ihre Probleme zu lösen.

Mit dem neuen GAV wird es also fixe Mindestlöhne geben, dazu bessere Sozialleistungen; kein Wunder, dass dies die Gewerkschaften freut. Die Arbeitgeber haben sich auf diese Zugeständnisse eingelassen, um die Qualität ihrer Dienstleistungen zu sichern.

Das Image-Problem ist erkannt

«Das Image muss gehoben werden, auch für unsere Mitarbeitenden», sagt Weigelt. Denn man habe auch gegenüber den Kunden den Anspruch, hohe Qualität zu gewährleisten. Und dazu gehörten eben auch gute geregelte Arbeitsbedingungen. Nur so könne man gutes Personal für die Callcenter rekrutieren. Zudem stecke man viel Geld in Weiterbildungen und Schulungen und habe deshalb ein Interesse daran, dass die Angestellten, in die man Geld investiere, dem Unternehmen möglichst lange erhalten blieben.

Der neue GAV gilt freilich vorerst nur für die rund 2000 Angestellten in denjenigen Callcenter, die dem Verband angehören. Nochmals so viele, schätzt Weigelt, seien in nicht organisierten Kleinunternehmen angestellt. Und dort herrsche oftmals Wildwuchs, Lohn- und Sozialdumping.

Um gegen solche schwarzen Schafe vorgehen zu können, fordern die Sozialpartner den Bundesrat auf, den GAV allgemein verbindlich zu erklären. So würde sich das Image der ganzen Branche verbessern.

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