«Immer mehr Chinesen haben immer mehr Geld»

Die chinesische Zentralbank verkleinert die Geldmenge – und will damit einer Immobilienblase vorbeugen. Diese Massnahme allein wird aber nicht genügen, ist SRF-Korrespondent Urs Morf überzeugt. Das Problem: Zu viele Chinesen haben zu viel Geld.

Luftaufnahme: Hochhäuser, so weit das Auge reicht. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Hochhaus-Wohnquartier in Peking. Reuters

Im Kampf gegen eine drohende Immobilienblase in China zieht die Notenbank Milliardensummen aus dem Finanzsystem ab. Zum dritten Mal in Folge liess sie am Donnerstag ein geplantes Geldmarktgeschäft platzen. Damit hat sie seit Ende September unter dem Strich umgerechnet mehr als 23 Milliarden Franken abgeschöpft.

Das starke Kreditwachstum und kräftig anziehende Preise in Peking und anderen Metropolen des Riesenreichs hatten die Notenbank auf den Plan gerufen, die ein Überhitzen des Immobilienmarktes befürchtet.

Die durchschnittlichen Preise für Wohnimmobilien in den 70 wichtigsten Grossstädten waren im September um mehr als 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. In den grössten Metropolen fiel der Anstieg noch weitaus höher aus: In Peking beispielsweise lag er bei 16 Prozent.

Sparzinsen tiefer als die Inflation

Ob die Regierung einer Immobilienblase allein mit der Geldabschöpfung vorbeuten kann, ist allerdings zweifelhaft. «Es gibt immer mehr Chinesen, die immer mehr Geld haben», sagt SRF-Korrespondent Urs Morf. Die einzige Möglichkeit, dieses Geld gewinnbringend anzulegen, sei der Kauf von Wohnungen. Das liege auch daran, dass die Zinsen auf Spargeldern von der Regierung festgelegt werden und tiefer sind als die Inflation.

Eine Wohnung für 1,4 Millionen Franken

3:11 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.10.2013

Hier liegt für Morf eine der Möglichkeiten, effizient gegen eine Immobilienblase vorzugehen: indem die Regierung die Sparzinsen freigeben würde. Doch viele Interessengruppen würden sich mit «Händen und Füssen» dagegen wehren. Dazu gehören die Baubranche, aber auch viele Lokalpolitiker, die für teures Geld Bauland verkaufen würden. Und auch die Finanzindustrie profitiert: «Die Banken leben gut von der grossen Marge zwischen den Sparzinsen und den Zinsen, die sie für Kredite verlangen», so der Korrespondent.

Spekulanten droht die Enteignung

Immerhin besteuert die Regierung in vielen Metropolen Chinas den Zweit- und Drittwohnungsbesitz inzwischen stark. Und in Peking wollen die Behörden verstärkt gegen Spekulanten vorgehen: Wer sich entgegen der strengen Vorschriften als Hauptstadtbewohner mehr als zwei Wohnungen zugelegt hat, soll enteignet werden und darf fünf Jahre lang kein Haus mehr in Peking erwerben.

Die Überhitzungstendenzen am chinesischen Immobilienmarkt gehen mit einem überschäumenden Kreditwachstum einher. Allein im September vergaben die Banken Darlehen im Volumen von umgerechnet mehr als 120 Milliarden Franken und damit weit mehr als erwartet.

Zugleich ist die Wirtschaft nach einer Schwächephase nun wieder besser in Tritt gekommen. Mittlerweile scheint das Jahres-Wachstumsziel von 7,5 Prozent nicht mehr in Gefahr. Deshalb sieht die Regierung auch Spielraum zum Drosseln des Kreditwachstums.