In den USA spricht man von Währungskrieg

Die Schweizerische Nationalbank verteidigt seit mehr als einem Jahr erfolgreich die Kursuntergrenze von 1,20 pro Euro. Die SNB hat dazu vor allem Euro, US-Dollar oder britische Pfund aufgekauft – und diese Währungen dadurch tendenziell gestärkt. Das ruft immer mehr Kritik hervor.

Joseph Gagnon vom einflussreichen Peterson Institute in Washington hat eine 25seitige Studie zum Thema Staatliche Eingriffe in die Devisenmärkte verfasst. Er kommt zum Schluss, dass die Manipulationen ein sehr grosses Problem seien.

Das zeige allein das Ausmass der Interventionen: Mit mehr als umgerechnet 1 Billion Dollar pro Jahr würden mehrere Staaten ihre Wechselkurse künstlich tief halten. Das sei sehr viel Geld, sagt Gagnon.

Schweiz auf der Sünderliste

Mit der unvorstellbaren Summe würden sie ihrer Exportwirtschaft einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Acht Staaten stehen auf der Sünderliste des Peterson Instituts. Neben China und Japan auch die Schweiz. Letztere manipuliere ihre Währung zwar erst seit kurzer Zeit, aber im vergangenen Jahr seien die Eingriffe der SNB am grössten von allen gewesen.

Staaten wie China schädigen mit ihren Interventionen die US-Wirtschaft mehr als die Schweiz. Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank in US-Dollar sind inzwischen allerdings nicht mehr ganz unbedeutend. Sie belauf sich auf 28 Prozent der gesamten von der SNB gehaltenen Devisenreserven.

Auslöser für die Eingriffe der SNB war die Eurokrise, der steigende Frankenkurs und die Folgen auf die Schweizer Exportindustrie. Ohne Eingriffe wären vermutlich viele Firmen in der Schweiz konkurs gegangen und viele Angestellte hätten ihre Stelle verloren.

Immer mehr Kritik in den USA

Trotzdem findet Gagnon, die SNB habe weniger schädliche Massnahmen nicht ganz ausgeschöpft. Erstens sollten kurzfristige Zinsen negativ sein, sagt er. Zweitens sollte die SNB vor allem Vermögenswerte in der Schweiz aufkaufen und nur, wenn das nichts helfe, auch solche im Ausland. Ausserdem sei der Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro zu hoch.

Joseph Gagnon ist nicht allein mit seiner Meinung. So waren die SNB-Interventionen kürzlich dem «Wall Street Journal» eine kritische Titel-Geschichte wert und das US-Finanzamt erläutert die Strategie im Währungsbericht. Von der US-Notenbank Fed, dem IWF und von der Europäischen Zentralbank gibt es bis jetzt offiziell keine Reklamationen. Joseph Gagnon hofft, dass sich das unter dem neuen US-Finanzminister Jack Lew ändert.

Zwar seien die USA von den Interventionen der SNB viel weniger betroffen als die Euro-Zone. Trotzdem könne Washington das Vorgehen der Schweizerischen Nationalbank nicht egal sein. Alle Währungsmanipulationen zusammen erhöhten das US-Handelsdefizit um bis zu 500 Milliarden Dollar pro Jahr.

Portrait von Joseph Gagnon vom Peterson Institute in Washington. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Joseph Gagnon vom Peterson Institute in Washington. zvg

Auch gehe es um ein grundsätzlich schädliches Verhaltensmuster, unter dem immer mehr Staaten litten. Deshalb sollten Notenbanken jener Staaten, die von den Folgen der Währungsmanipulationen betroffen sind, zurückschlagen, findet Gagnon. Sie sollten im gleichen Ausmass auf den Devisenmärkten eingreifen und die Interventionen der Manipulatoren auf diese Weise neutralisieren.

Internationale Spielregeln nötig

Das wäre dann tatsächlich ein Währungskrieg, gibt Gagnon zu. Doch es sei eine Massnahme, die schnell wirke. In einem zweiten Schritt fordert er für staatliche Eingriffe in die Devisenmärkte internationale Spielregeln im Rahmen des Internationalen Währungsfonds oder der Welthandelsorganisation.

Da die Währungsmanipulationen ein globales Problem seien, müsse man auch über eine globale Antwort nachdenken. Ähnlich wie vor ein paar Jahren im Kampf gegen die Steueroasen: Da habe man im Rahmen der G-20 und der OECD auch eine Lösung gefunden.