Indische Küche statt Kaffee und Kuchen

Ein Espresso für acht, eine Portion Pommes Frites für 19 Franken. Davos ist während des World Economic Forums im Ausnahmezustand - und das gilt auch für die Preise. Von der kaufkräftigen Kundschaft profitieren auch Ladenbesitzer, die ihre Geschäfte während des WEF vermieten.

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Das Geschäft mit dem WEF in Davos

3:57 min, aus 10vor10 vom 19.1.2017

Wo sich sonst Touristen und Einheimische auf Kaffee und Bündner Nusstorte treffen, servieren diese Woche zwölf indische Köche Spezialitäten aus ihrem Land. Das Kaffeehaus Schneider's an der Davoser Promenade wird während des WEFs zum Treffpunkt für indische Geschäftsleute. Ein Industrieverband und der Bundesstaat Andrah Pradesch sind ihre Gastgeber.

Die Inhaber Yvonne und Urs Wiprächtiger vermieten ihr Kaffeehaus schon seit 15 Jahren an Gäste aus der ganzen Welt. «Wir machen einen guten Umsatz während dieser Zeit», sagt Yvonne Wiprächtiger, aber man müsse auch viel dafür Arbeiten. Wie viel die Gäste für die Miete bezahlen, wollen Yvonne und Urs Wiprächtiger nicht verraten.

4000 Franken für eine Nacht

Das Herz manch eines Ladenbesitzers mag aber höher schlagen, wenn das Scheinwerferlicht im Januar für eine Woche auf Davos liegt. Denn für den perfekten Auftritt scheuen viele internationale Firmen keine Kosten.

Nicht nur die lokalen Geschäfte profitieren vom jährlichen Grossanlass. Auch bei Hotelzimmern und Wohnungen setzt das WEF die normalen Regeln eine Woche lang ausser Kraft. Im Internet wurden dieses Jahr Dreizimmer-Wohnungen für über 4000 Franken angeboten – pro Nacht.

Bill Gates als Stammgast

Auch das Fünf-Sterne-Hotel Seehof befindet sich diese Woche im Ausnahmezustand. Für das WEF hat das Hotel seinen Speisesaal komplett umgebaut. Für einen Apéro in diesem Saal greifen Firmen tief in die Tasche. Und auch Prominenz aus der ganzen Welt lässt es sich hier gut gehen. Für Bill Gates und seine Familie etwa werde seit 27 Jahren ein Luxusraucherzimmer reserviert, verrät der Hotel-Besitzer Stefan Götz.

Hohe Preise - schlechtes Image

Davos profitiere zwar vom WEF, das Pendel könnte aber umschlagen, sagt Nuot Lietha, Kommunikationschef Destination Davos Klosters: «Die Preise drücken Davos einen Stempel auf, der nicht der Wahrheit entspricht. Wir befürchten einen Imageschaden, der durch die Medien und Besucher in die Welt herausgetragen wird.» Das WEF, eine wichtige Einnahmequelle für Hotels und lokale Geschäfte, hat also auch seine Schattenseiten.