Credit Suisse kürzt Boni Internationale Grossaktionäre der CS denken um

Gibt es einen Paradigmenwechsel bezüglich Boni bei den internationalen Grossaktionären und den US-Stimmrechts-Beratern? Eine Analyse.

Der Druck ist offenbar zu gross geworden. Der CS-Verwaltungsrat hat nach einem Zitat: «vertieften Dialog mit vielen Aktionären der Credit Suisse» – die Vergütungen für sich und die Konzernleitung nach unten korrigiert.

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CS-Führung im Verzicht

Die Medienmitteilung, die der Credit-Suisse-Verwaltungsrat am Karfreitag kurz nach Mitternacht versenden liess, hatte es in sich: Die CS-Verwaltungsräte wollen sich nun doch keine Lohnerhöhung genehmigen. Konzernchef Thiam und seine Kollegen im Top-Management sollen auf 40 Prozent ihrer Boni verzichten; freiwillig, wie es heisst. Mehr hier

Statt von «vertieftem Dialog» könnte man wohl auch von «Spiessrutenlaufen» sprechen, das Verwaltungsratspräsident Urs Rohner und Jean Lanier, der dem Vergütungsausschuss vorsteht, absolvieren mussten.

Denn es scheint, dass diverse Grossaktionäre den beiden unmissverständlich klar gemacht haben, dass sie nicht bereit sind, höhere Vergütungen und Boni zu akzeptieren. Die Bank hat innerhalb von zwei Jahren insgesamt 5,6 Milliarden Franken Verlust erlitten.

Druck von Stimmrechts-Beratern

Neben den Grossaktionären der CS waren aber auch wichtige Stimmrechts-Berater verärgert. Nicht nur Ethos in der Schweiz, sondern auch die einflussreichen Berater Glass Lewis und ISS in den USA empfahlen ein Nein zu den höheren Boni und Verwaltungsrats-Honoraren.

Dies ist deshalb wichtig, weil ein grosser Teil der Aktien der CS in ausländischem Besitz ist und die internationalen Anleger oftmals den Empfehlungen dieser Berater folgen. Es ist deshalb bemerkenswert, weil die Amerikaner bisher wenig Kritik an den hohen Vergütungen äusserten.

Konzernchef Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wollen «freiwillig» auf 40 Prozent ihrer Boni verzichten: CEO Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Keystone

Solange die Leistung stimmte, waren hohe Honorare und pralle Boni kein Problem. Doch wenn unter dem Strich rote Zahlen resultieren, dann zeigt der Daumen nun nach unten.

So hat etwa ISS, der als weltweit wichtigster Aktionärsberater gilt, seine Richtlinien präzisiert und empfiehlt nun ausdrücklich nur dann ein Ja zu den Vergütungen, wenn diese an den langfristigen Unternehmenserfolg gekoppelt sind.

Einfluss auf andere Aktionäre

Die Aktionärs-Berater können zwar allein kaum eine Abstimmung gewinnen, sie üben jedoch durchaus Einfluss aus. Das hat auch die CS bereits zu spüren bekommen: Vor zwei Jahren empfahlen die grossen Berater ein Nein zum Vergütungsbericht; dieser wurde denn auch nur mit zwei Drittel der Stimmen angenommen. Letztes Jahr hingegen, als ISS zustimmte, sagten 80 Prozent Ja zum Vergütungsbericht.

An der Generalversammlung der Credit Suisse am 28. April wird sich zeigen, ob die CS-Führung die Stimmung unter den Aktionären richtig gedeutet und das richtige Signal gesetzt hat. Urs Rohner und Jean Lanier hätten sich allerdings das Spiessrutenlaufen ersparen können, wenn sie den vertieften Dialog mit den Aktionären rechtzeitig gesucht hätten – nämlich vor der Publikation des umstrittenen Vergütungsberichtes.