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Internationaler Tag der Milch Wie die Werbung für Milch wirkt

Die Schweiz gilt als Land der Milchtrinkerinnen und Käseesser. Wie viel hat die Werbung zu diesem Image beigetragen?

In kaum einem anderen Land wird so viel Milch getrunken, wie in der Schweiz. Milch steht für ein Stück nationale Identität. Doch zum internationalen Tag der Milch hat die Milchindustrie nicht nur zu feiern. Denn der Pro-Kopf-Konsum von Trinkmilch geht seit Jahren zurück.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, spielt Werbung eine wichtige Rolle. Zum Internationalen Tag der Milch werfen wir einen Blick auf die Geschichte der Milchwerbung.

Propaganda für Schweizer Milch

Bis Ende des Ersten Weltkriegs war Milch ein knappes, als gesund geltendes Nahrungsmittel. Deshalb sei auch keine Werbung für den Konsum von Milch nötig gewesen, sagt Peter Moser, Co-Leiter des Archivs für Agrargeschichte in Bern.

«Milch für alle»

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Das Buch «Milch für alle» von Peter Moser und Beat Brodbeck erschien 2007 im Verlag für Kultur und Geschichte.

Es arbeitet die Geschichte der Milchwirtschaft und Milchpolitik in der Schweiz im 20. Jahrhundert anhand von historischen Quellen und Bildmaterial auf.

In den 1920er-Jahren ging der Konsum jedoch zurück und die Preise sanken. Mit Werbung sollte der Konsum gesteigert werden. 1922 wurde dazu eine Spezialkommission gegründet. Diese Propagandazentrale, wie die Kommission offiziell hiess, zentralisierte die Milchwerbung in der Schweiz.

Person in Uniform bedient eine Milchmaschine im Freien.
Legende: Mitarbeiter der Propagandazentrale der Schweizerischen Milchkommission schenkten seit den späten 1920er-Jahren überall in der Schweiz Milch im öffentlichen Raum aus. Archiv SMP / ZVG durch Archiv für Agrargeschichte

Mit einfachen Slogans wie «Trink Milch!» warb sie für den Konsum von Schweizer Milch.

Agrarpolitik auf dem Pausenplatz

Ab den 1930er-Jahren wurde Milch auch an Schulen verteilt. Schülerinnen und Schüler sollten dadurch für eine ausgewogene Ernährung sensibilisiert werden, so das Argument.

Tag der Pausenmilch

Bis heute wird zum Tag der Pausenmilch in Kindergärten und Schulen Milch ausgeschenkt. Diese Werbeaktion für die Kuhmilch ist jedoch nicht unumstritten. Kritikpunkte betreffen insbesondere das Tierwohl und die Umweltbelastung.

Das zeigt: In jedem Glas Milch steckt auch ein Stück Politik.

Pasteurisierung als Gamechanger

Die Verbreitung der Pasteurisierung in den 1950er-Jahren markiert einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte des Milchkonsums.

Nahaufnahme eines Milchstrahls, der in ein volles Glas gegossen wird.
Legende: In den 1950er-Jahren wurde Milch auch in den ersten Supermärkten verkauft. Im Gegensatz zu den meisten anderen Werbungen in der Schweiz wird bei der Milch nicht für eine spezifische Marke, sondern für das Lebensmittel an sich geworben. Keystone / Gaetan Bally

Das bis dahin verderbliche Gut fand den Einzug in die ersten Supermärkte, wo es in Einwegverpackungen verkauft wurde.

Der Internationale Tag der Milch

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Ebenfalls in die 1950er-Jahre fällt die Einführung des Internationalen Tags der Milch, der jeweils am 1. Juni stattfindet. Er wurde ursprünglich von den Vereinten Nationen und dem Internationalen Milchwirtschaftsverband ins Leben gerufen.

Die Branchenorganisation Swissmilk organisiert diesen Aktionstag seit 2009 jährlich in der Schweiz, um – laut eigenen Angaben – die «Bedeutung von Milch und Milchprodukten für eine gesunde sowie nachhaltige Ernährung hervorzuheben». Der Tag dient auch dazu, Werbung zu machen, um den Milchkonsum zu fördern.

In der Schweiz wird der Tag der Milch bereits im April gefeiert. Damit soll die Hochsaison der Milchproduktion im Sommer vermieden werden.

Insbesondere die Migros stieg gross in dieses Geschäft ein. «Mit dem Verkauf von Pastmilch lockte der Grossverteiler eine neue Kundschaft in seine Filialen, wo diese dann auch andere Güter des täglichen Bedarfs kauften», so Moser.

Sinkender Milchkonsum – trotz Werbung

Im Gegensatz zu Kälbern trinken Menschen nicht zwangsläufig Kuhmilch. Wer Joghurt, Käse oder Milch konsumiert, ist entweder in seiner Kindheit dazu sozialisiert worden oder hat Milch als Nahrungsmittel im Erwachsenenalter entdeckt.

«In beiden Fällen spielt die Propaganda oder das Marketing, wie die allgemeine Werbung für den Konsum von Milch und Milchprodukten heute genannt wird, eine wichtige Rolle», so Moser.

Während der Konsum von Milchprodukten, wie Hüttenkäse, Mozzarella oder proteinangereichertem Quark in der Schweiz zunimmt, nimmt der Konsum von Trinkmilch ab.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Menschen greifen heute lieber zu verarbeiteten Milchgetränken, wie zum Vanilleshake oder dem Eiskaffee im Kühlregal. Aber auch die Verfügbarkeit von pflanzlichen Milchalternativen sowie gesundheitliche oder ethische Überlegungen und der demografische Wandel spielen eine Rolle.

Nur Milch darf Milch heissen

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Das Bundesgericht kam im März 2026 in einem Urteil zum Schluss, dass vegane «Hafermilch» nicht «Milk» genannt werden darf.

Laut Schweizer Lebensmittelgesetzgebung müssen vegane Ersatzprodukte so beschriftet werden, dass sie nicht verwechselt werden können. Etwa dürfen vegane Produkte nicht «Blutwurst», «Fleischkäse» oder «Salami» heissen.

Mit dem Entscheid des Bundesgerichts ist es in der Schweiz rechtlich geregelt: Milch darf nur heissen, was aus dem Euter kommt. 

Um den Konsum anzukurbeln, unterstützt der Bund jährlich sowohl das Marketing für Milch als auch andere Schweizer Lebensmittel.

2026 handelt es sich um einen Betrag von 7.6 Millionen Franken, der in das Marketing von Schweizer Milch und Butter fliesst.

Der Konsum von Trinkmilch geht zurück, die Werbeanstrengungen gehen weiter.

SRF4 News, 1.6.2026, 16:22 Uhr; wilh

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