Investoren fürchten Richtungswechsel von US-Notenbanker

Vor Kurzem segelten sie noch im Höhenflug. Nun fallen die Aktienkurse seit rund zwei Wochen wieder. Werden die Investoren nervös, nachdem sie monatelang im Kaufrausch waren? SRF-Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler zur Lage an den Börsen.

Ein Händler sitzt vor einem Bildschirm, auf dem die Aktienkurse abgebildet sind. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Was machen die Kurse? Die Händler auf der ganzen Welt warten gespannt auf den Entscheid des US-Notenbankers Bernanke. Reuters

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Es geht abwärts

Am stärksten verlor der Nikkei-Index: Innert zwei Wochen sackte er um 10,3 Prozent ab. Der Schweizer Index SMI verlor in zwei Wochen 4,0 Prozent. Der Dow Jones in New York büsste 1,4 Prozent ein und der deutsche Dax notierte 1,3 Prozent tiefer.

Seit knapp zwei Wochen fallen die Kurse – nach einem monatelangen Börsen-Rally. Was gibt den Ausschlag zur Umkehr?

Eveline Kobler: Das hat vor allem mit US-Notenbankchef Ben Bernanke zu tun, der am 22. Mai an einer Anhörung vor dem US-Kongress für Verwirrung sorgte. Er sagte zwar, dass man die Geldpolitik nicht zu früh straffen dürfe, weil das Risiken für die Konjunktur berge. In der Fragerunde sagte er dann aber auch, dass man die Zügel straffen werde, sobald es der US-Wirtschaft wieder besser gehe.

Was leiten die Investoren an der Börse daraus ab?

Sie sind verunsichert und investieren weniger. Sie hoffen, dass Ben Bernanke und die andern Notenbanken die Märkte noch möglichst lang mit Liquidität versorgen und nicht schon auf die Bremse treten. Denn es gilt die Grundregel: Je mehr Geld in den Märkten ist, desto mehr investieren die Anleger in Aktien.

Warum fallen speziell Aktien an der Tokioter Börse so stark?

Der Nikkei hatte wegen der extrem expansiven Geldpolitik der neuen Regierung vor ein paar Monaten sehr rasant zugelegt, deutlich stärker als andere wichtige Aktienindizes. Insofern ist auch das Korrekturpotential deutlich höher. Dazu kamen neben den bereits erwähnten Gründen auch noch enttäuschende Wirtschaftszahlen aus China. Man muss wissen, dass China enorm wichtig für Japan ist.

Ist also die Trendwende nach dem Rally eingeleitet?

Ich würde noch nicht von einer Trendwende sprechen, eher von einer Korrektur. So ist doch der SMI, der wichtigste Schweizer Aktienindex, von Anfang Jahr bis zu seinem Hoch vor 10 Tagen 23 Prozent gestiegen, seither hat er erst gut 6 Prozent verloren. Dass die Korrektur aber noch einige Zeit weitergeht, ist gut möglich.

Warum waren die Investoren vorher seit Monaten so kauffreudig?

In der Finanz- und Wirtschaftskrise waren die Aktien-Indizes massiv gefallen. In den letzten Monaten geriet dann die Euro-Krise etwas in den Hintergrund, weil die Politik dort auch stark eingegriffen und Länder stabilisiert hat. Daraufhin zogen auch die Börsen an und die Anleger, die in der Krise das Risiko gescheut hatten, wurden wieder risikofreudiger und investierten wieder in Aktien.

Wie lauten die Prognosen kurz- und mittelfristig für die Märkte weltweit?

Börsen reagieren stark auf Konjunkturdaten. In den letzten Tagen fielen vor allem die Daten zur US-Wirtschaft positiver aus als erwartet. Eigentlich ein positives Signal für die Märkte. Nur dieses Mal befürchten die Händler eben, Notenbanker Ben Bernanke werde nun aufgrund der positiven Daten den Geldhahn zudrehen. Somit wird für die Richtung der Märkte ausschlaggebend sein, was Bernanke in nächster Zeit beschliessen wird.