Japans Wirtschaft kommt nicht vom Fleck

Der starke Yen lähmt Japans Exportwirtschaft. Im Land selber wird wenig investiert und konsumiert. Dies obwohl Ministerpräsident Shinzo Abe seit Jahren versucht, der Wirtschaft neuen Schwung zu geben. Weshalb fruchten die Bemühungen nicht?

Eine japanische Flagge, im Hintergrund verschwommene Zahlen auf einer Anzeigetafel. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Anfänglich positive Effekte von Abes Wirtschaftspolitik verblassen, Exporte und Konsum stagnieren. Reuters/Archiv

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Japans Wirtschaftswachstum hat sich im 2. Quartal deutlich verlangsamt. Wie die Regierung in Tokio bekanntgab, legte das Bruttoinlandprodukt der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt zwischen April und Juni noch um eine hochgerechnete Jahresrate von 0,2 Prozent zu. Das Wachstum lag damit klar unter den von Analysten prognostizierten 0,7 Prozent.

Um die seit Jahren schleppende Wirtschaft anzukurbeln, versprach der 2012 gewählte Ministerpräsident Shinzo Abe dem Land tiefgreifende Reformen. Billigere Kredite, ein neues Steuersystem und strukturelle Anpassungen.

Umgesetzt hat Abe laut Experten vor allem Punkt eins: Die Notenbank pumpt seit Jahren zusätzliches Geld in die Wirtschaft, in dem sie selber Schuldpapiere des Staates aufkauft. Das führt zu einer Geldschwemme und verbilligt die Kredite. «Das freute die Industrie, sie konnte investieren», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Massimo Agostinis. Der Wert des Yen fiel und führte zu einem Anstieg der Exporte. Die Anleger freuten sich über den anfänglichen Aufschwung.

«Unterdessen ist die Wirkung aber verpufft», so Agostinis. Wegen der weltweiten Unsicherheit ist der Yen wieder zu einer beliebten Fluchtwährung geworden und hat sich verteuert. Das schadet den Exporten.

Auch die Binnennachfrage stagniert. «Bedenkt man, dass 60 Prozent des japanischen Bruttoinlandprodukts vom Konsum abhängt, ist das eine schlechte Nachricht», sagt Agostinis.

Alternde Bevölkerung und prekäre Arbeitsverhältnisse

In Japan altert die Bevölkerung dramatisch und ältere Menschen sparen, wie der Wirtschaftsredaktor erklärt. «Jetzt erst recht, weil sie sehen, dass auf ihren Ersparnissen sehr wenig Zinsen ausbezahlt werden.» Zudem sind 20 Prozent der Männer und 55 Prozent Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen; haben also Arbeitsverträge mit tiefen sozialen Leistungen und schlechten Löhnen. Als Konsumenten, welche die Binnennachfrage stimulieren könnten, fallen sie weg, «sie können gar kein Geld ausgeben, auch wenn sie möchten».

Zur Ankurbelung der Wirtschaft hat Abe im August ein über 200-Milliarden schweres Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. Es sieht Investitionen in die Infrastruktur vor. Zudem sollen verarmte Japaner unterstützt werden, um so ihre Kaufkraft zu stärken.

Da Japans Wirtschaft unter veralteten Strukturen leidet, zweifeln Experten an der Wirksamkeit des Programms. «Viele Beobachter fragen sich, wohin das führen wird», sagt Agostinis. Japan ist hochverschuldet. Nachhaltig sei es mit der Wirtschaft bis jetzt trotz etlicher Konjunkturspritzen nicht aufwärts gegangen.