Luxusgut Sonnenstrom? Jetzt kommt der günstige Solarstrom

Langjährige Abnahmegarantien verhindern oftmals Preissenkungen für die Kunden. Neue Anlagen werden dies ändern.

Symbolbild: Solaranlage und Windrad im Hintergrund, im Vordergrund eine gelbe Blume. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Bezug von Solarstrom bleibt eine teure Sache – trotz dem Solarboom. Keystone

Erstmals seit mehreren Jahren senkt das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) per 2018 den Tarif für Sonnenstrom von 65 auf 55 Rappen pro Kilowattstunde. Sprecher Harry Graf begründet die Senkung mit der Tatsache, dass nun die ersten Solaranlagen, mit denen das EWZ vor 20 Jahren begann Sonnenstrom zu verkaufen, allmählich ausser Betrieb genommen werden.

Teurer Solarstrom in Zürich

Die alten, vergleichsweise teuren Anlagen werden mit neuen, günstigeren ersetzt und ergänzt. Dadurch sinkt der durchschnittliche Produktionspreis von Solarstrom. Dieser Prozess verläuft allerdings langsam. Weil das EWZ mit den Solaranlagen-Betreibern in seinem Gebiet in der Regel für 20 Jahre fixe Abnahmepreise vereinbart, ist der Zürcher Sonnenstrom auch im nächsten Jahr noch rund zweieinhalb Mal so teuer wie der Basisstrom aus Wasser und Windkraft.

Es sei wichtig gewesen, dass das EWZ vor 20 Jahren die Solarstrom-Produzenten durch garantierte Preise zur Erstellung von Anlagen ermuntert habe, so Graf. «Man musste etwas tun, damit der Solarstrom flügge wurde.» Wenn man erst heute mit dem An- und Verkauf von Solarstrom beginnen würde, wäre der Preis viel tiefer, sagt er.

Neue Anlagen produzierten günstiger

Tatsächlich bieten andere Stromvertreiber Sonnenstrom heute deutlich günstiger an, wie ein Blick auf den Strompreis-Vergleichsdienst mynewenergy.ch zeigt. Dessen Geschäftsleiterin Christina Marchand sieht noch einen zweiten Grund für die sinkenden Preise: Viele Solaaranlagenbetreiber hätten Probleme ihren Strom überhaupt als Solarstrom zu verkaufen. «Die Anbieter sind froh um jeden Zustupf, den sie bekommen.» Dies führe zu Konkurrenzpreisen, die manchmal gerade noch 4 Rappen pro Kilowattstunde betragen. Doch selbst der tiefe Preis helfe den Anbietern, weil sie so ihre Anlage zumindest ein Stückweit kostendeckend betreiben könnten.

Günstigen Solarstrom kann jeder kaufen

Von dieser Konkurrenz unter den Anbietern können auch Stromkunden profitieren. Im teilliberalisierten Markt können Private und KMU zwar ihren Energieversorger nicht wählen. Sie können bei diesem aber das günstigste Stromprodukt wählen und diesen Strom dann bei einem anderen Anbieter zu Sonnenstrom aufwerten lassen.

Konkret kann der Kunde bei irgendeinem Sonnenstromproduzenten in der Schweiz einen Beleg dafür kaufen, dass dieser so viel Sonnenstrom ins Netz einspeist, wie der Kunde verbraucht. So kann eine vierköpfige Familie heute für gut 100 Franken pro Jahr auf hundert Prozent Sonnenstrom umsteigen.

Grössere Nachfrage dank tieferen Preisen?

Würden viele Leute dies tun, könnten Anbieter mit alten Anlagen – wie etwa das EWZ – ihren Sonnenstrom nicht mehr als solchen verkaufen, weil er im Vergleich viel zu teuer wäre. Trotzdem glaubt Christa Marchand nicht, dass der Vergleichsdienst dazu beiträgt, die Schweizer Sonnenstrom-Pioniere zu bestrafen. «Diese Preise vermitteln einfach einen falschen Eindruck», ist sie vielmehr überzeugt.

Denn wegen der alten Anlagen und deren hohen Kilowattpreise erhielten die Kunden den Eindruck, Solarstrom sei immer noch so teuer wie vor 20 Jahren. Folge: Die Menge an Solarstrom nimmt kaum zu. Tatsächlich werden erst knapp drei Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Schweiz heute mit Sonnenstrom gedeckt, vor allem auch weil die Nachfrage bescheiden war. Mit weiter sinkenden Preisen könnte sich dies aber bald ändern.