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Wirtschaft Jordan: «Das ist nicht in unserem Sinne»

Die Pensionskassen hatten von der Nationalbank verlangt, von den Negativzinsen ausgenommen zu werden. SNB-Präsident Thomas Jordan lehnt das Begehren ab.

Nationalbankpräsident Thomas Jordan
Legende: Nationalbank-Präsident Thomas Jordan will für die Pensionskassen keine Ausnahmen machen. Keystone

Sie haben es zumindest versucht: In einem Schreiben an die Schweizerische Nationalbank hatte der Verband der Pensionskassen verlangt, keine Minus-Zinsen zahlen zu müssen. Die Argumentation: Die Pensionskassen legen ihr Geld im Interesse der Versicherten und ihrer Renten an. Sie seien deshalb «keine gewöhnlichen Marktteilnehmer wie die Banken», sagte Hans-Peter Konrad vom Branchenverband ASIP.

Der Verband fragte bei der Nationalbank also nach, ob seine Mitglieder bei der Nationalbank ein zinsfreies Girokonto eröffnen dürfen – so wie die Pensionskasse Publica schon eines hat. Diese geniesst als Pensionskasse des Bundes aber einen Sonderstatus.

«Sparer werden bestraft»

Nun hat Nationalbank-Präsident Thomas Jordan in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF auf den Antrag reagiert – und zwar mit einem «Njet»: «Die Massnahme der Negativzinsen wirkt nur dann, wenn es keine Möglichkeiten gibt, diese zu umgehen», sagte Jordan. Würde die Nationalbank allen Finanzmarktteilnehmern die Möglichkeit bieten, ein Nullzins-Konto bei der Nationalbank zu eröffnen, so unterlaufe dies die Massnahme, «und das ist nicht in unserem Sinne.»

Der Pensionskassenverband bedauerte den Entscheid. «Damit werden die Pensionskassen bestraft, und damit auch die Versicherten, die Sparer», sagt Hans-Peter Konrad.

Bargeld teurer als Negativzinsen?

Pensionskassen müssen sich also notgedrungen Alternativen überlegen, um den Negativzins bei ihrer Hausbank nicht zahlen zu müssen. Da Anlagen in Fremdwährungen – wie zum Beispiel dem Euro – für sie per Gesetz begrenzt sind, überlegen einige Kassen bereits, einen Teil ihres Kapitals von den Banken abzuziehen und Bargeld zu horten.

Doch auch Bargeldhortungen seien nicht im Sinne der Nationalbank, sagt Jordan. Dies, weil damit der Negativzins umgangen werde. Sie lohnten sich aber ohnehin nicht. «Die Kosten der Bargeldhortung sind sehr gross. Es gibt Lagerkosten, Versicherungskosten, Transportkosten und logistische Kosten.» Insgesamt seien diese Kosten leicht höher als die 0,75 Prozent Negativzinsen, welche die Nationalbank erhebt.

Für die Pensionskassen heisst dies, dass sie sich auf harte Zeiten einstellen müssen. Der Druck auf die Renditen steigt, und die Anlagemöglichkeiten werden immer kleiner.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Stephan Koch, Bern
    Solange die Pensionskassen Aktionäre sind, solange sind alle Versicherten der Finanzwirtschaft ausgeliefert. Es kann doch nicht sein, dass Ersparnisse eines grossen Teils der Bevölkerung verspekuliert werden
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    1. Antwort von Rolf Künzi, Winterthur
      Viele Ökonomen sagen genau das voraus. Wenn ein Staat das Zentralbankenmonopol hat dann werden die Politiker immer ihr Monopol schützen. Wenn Goldstandarte abgeschafft sind kommt es immer zu höheren Schulden und Zinsen. Das heutige System ist noch zu anfällig. Nur schon die Art wie wir Inflation bemessen(Konsumentenindex) und nicht die GELDMENGE geschweige denn die Nettobevölkerung ist für mich fragwürdig. Ohne gleich starke Kräfte wird es immer solche Zeiten der Krisen geben. Oft leider Kriege.
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    2. Antwort von Hanspeter Schwarb, Eiken
      @ Rolf Künzi. Der Goldstandart wurde schon 1944 ( Bretton Woods) abgeschafft. Hätten wir den noch, wäre es nach der Finanzkrise 2008 zur gleichen Depression gekommen wie in den 30 ern. Man kann die Ausweitung der Geldmenge kritisieren, sollte sich dabei aber auch fragen was in der Wirtschaft schief läuft. Die Umverteilung des Geldes von Fleissig zu Reich sowie die fehlende Kaufkraft um den Produktivitätsfortschritt auszugleichen. Wären die Staaten nicht verschuldet, wäre es jemand anders
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    3. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      @ R. Künzi: Ein Goldstandard löst weniger Probleme, als es neue schafft. Das Problem ist der fixierte unterste Geldpreis bei 0%! Negativzinsen sind genau das Richtige, damit Geldangebot und Geldnachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen. Wird zuviel gespart, müssen die Zinsen runter, und zwar ohne Grenze bei willkürlichen, extrem marktverzerrenden 0%!
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Eine Wirtschaft die nicht mal Währungsschwankungen abfangen kann? Wo leben wir hier eigentlich? Aber immer schön den Arbeitern weissmachen, man müsse sparen und die Löhne kürzen. Komisch: die Arbiterlöhne stagnieren seit Jahren. Die Kader und Cheflöhne, die Boni (wollten wir das nicht mal einschränken?), die Spesen (für nichts) steigen hingegen munter weiter! Seht ihr nicht, was hier abgeht? Seid ihr blind? Obenrum sahnt man ab, ganz auf dem Buckel der modernen Arbeitssklaven!
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  • Kommentar von Rolf Künzi, Winterthur
    Ohne gesunde Leitwährung, am besten noch eine unabhängige, wird die Welt/Schweiz aus dieser Misere nicht rauskommen. Ab jetzt geht das Sparen, Steuererhöhen und die Diskussinen erst richtig los. Ab jetzt brauchen wir Menschen in der Politik die wirklich etwas verstehen von Wirtschftszusammenhängen. Es ist dafür eine Zeit - neben stark steigenden Sozialspannungen - wo etwas völlig Neues aus der Taufe gehoben werden kann. Buchempfehlungen gibt es viele z. B. : Geld Reform v. Thorsten Polleit...
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Thorsten Polleit? Oh je! Katastrophal dessen Verständnis für Wirtschaftszusammenhänge - völlig von der Ideologie einer Goldwährung bzw. der "Australien" eingenommen. Kommt garantiert schief. Alternative: "Menschengerechtewirtschaft.de", Silvio Gesell, Bernd Senf u.a.
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