Kampf gegen Malaria: Welche Rolle spielt die Schweizer Pharma?

Starke Fieberschübe, schwere Organschäden: An Malaria sterben immer noch jedes Jahr Hunderttausende. Zwar gibt es Medikamente, aber noch keinen Impfstoff. Mit Malaria lässt sich nicht viel Geld verdienen. Daher lässt sich die Pharma ihre Forschung gerne sponsern.

Einem Mädchen in Thailand wird Blut abgenommen, um es auf eine Malaria-Infektion zu testen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bald soll Malaria mit einem portablen Bluttest innert weniger Minuten diagnostiziert werden können. Keystone

Die Schweizer Pharmamultis Novartis und Roche mischen beide im Malariageschäft mit, doch die Novartis tut das deutlich aktiver. Sie stellt Coartem her. Das ist die Standardbehandlung für Patienten, die an Malaria erkrankt sind. 85 Prozent des produzierten Coartems steckt der Konzern in das eigene Projekt «Malaria-Initiative»:

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Welt-Malaria-Tag

Ein Moskito sticht in behaarte Haut

Seit 2000 ist die Sterberate bei Malaria laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um 60 Prozent zurückgegangen. Für weitergehende Erfolge im Kampf gegen die Krankheit müsse aber erheblich mehr Geld bereitgestellt werden, betont die WHO am Welt-Malaria-Tag. Denn allein 2015 starben weltweit über 400'000 Menschen an Malaria.

Resistenz gegen Coartem

«Novartis hat bis heute über 750 Millionen Coartem-Behandlungen zum Selbstkostenpreis abgegeben», sagt Hans Rietveld, der für das Malaria-Projekt von Novartis zuständig ist. Er gibt Coartem an Regierungen und Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) in den betroffenen Gebieten, vor allem in Afrika, zum Selbstkostenpreis ab.

Soweit funktioniert das System, aber Coartem wirkt nicht mehr immer wie gewünscht, beobachtet Rietveld: «Das heisst, die Malariaerreger werden immer noch effektiv eliminiert, aber es dauert einige Tage länger. Das ist ein Signal, dass die Malariaparasiten Resistenz entwickeln.» Werden Patienten resistent, muss eine neue Therapie her. Novartis forscht derzeit an zwei neuen Malariamedikamenten, die 2021 marktreif werden könnten.

Roche auf dem Rückzug

Anders macht es Roche: Die Basler Lokalrivalin von Novartis zieht sich eher aus dem Malariageschäft zurück. Mit Lariam vertreibt sie zwar ein Malariamedikament, das Reisende auch als Prophylaxe einnehmen können. Doch Lariam hat seinen Zenit überschritten. Die Nachfrage sinkt, und Roche hat die Vermarktung in mehreren Ländern wie in den USA, Deutschland oder Dänemark inzwischen eingestellt.

Das Erforschen neuer Malariamittel überlässt Roche der Konkurrenz. Novartis und GlaxoSmithKline etwa arbeiten daran, einen Impfstoff gegen Malaria zu entwickeln. Andere wiederum, etwa Universitäten, forschen derzeit an einem geeigneten Diagnostiktest. Ziel ist, dass Ärzte vor Ort einen günstigen, portablen Bluttest zur Hand haben, mit dem sie in weniger Minuten Malaria diagnostizieren können.

Von Externen bezahlte Forschung

Wenn es aber darum geht, dass die Malariaforschung auch vorankommt, spielen Universitäten, Stiftungen und Philanthropen eine wichtige Rolle. Das räumt indirekt auch Novartis-Experte Hans Rietveld ein: «Partnerschaften sind in der Malaria-Forschung ganz wichtig. Die Partner teilen nicht nur wissenschaftliche Daten, sondern unterstützen Forschungsarbeiten auch finanziell.» So lässt sich selbst ein Milliardenkonzern wie Novartis seine frühe Malariaforschung gern auch von externen Geldgebern finanzieren.

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