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Wirtschaft Kauft bei uns!

Shoppen im Internet und billiger im Ausland einkaufen. Der Schweizer Detailhandel steht gleich vor zwei massiven Problemen. Im «ECO Talk» diskutieren die Chefs von Globus, Media Markt Schweiz und Zalando Schweiz, wie der Handel der Zukunft aussehen muss. Es zeigt sich: Sie können voneinander lernen.

Nicht genug für die Warenhaus-Kette Globus, dass der Nonfood-Bereich in der Schweiz im letzten Jahr 4 Prozent Umsatzrückgang zu verzeichnen hatte: Im «ECO Talk» sitzt CEO Thomas Herbert nun auch noch neben dem Vertreter der Firma, die seine Umsätze immer weiter in Bedrängnis bringt: Zalando-Schweiz Chef Dominik Rief.

Legende: Video Thomas Herbert über den Erfolg von Zalando abspielen. Laufzeit 0:42 Minuten.
Aus ECO Talk vom 06.06.2016.

Das deutsche Unternehmen Zalando hat sich innerhalb von nur 8 Jahren zum Schrecken des stationären Handels entwickelt. 3 Milliarden Euro Umsatz hat das einstige Start-up letztes Jahr erzielt, vorwiegend mit Kleidung und Schuhen – und das rein online. Über Zahlen, die sich auf den Schweizer Markt beziehen, schweigt Zalando-Schweiz-Chef Dominik Rief. Schätzungen gehen von 320 Millionen Franken aus. Das ist bereits ein Drittel von Globus – ohne einen einzigen Beschäftigten in der Schweiz.

Globus-Chef Thomas Herbert zeigt im «ECO Talk» weder Ärger noch Neid, sondern findet die Zahlen von Zalando «beeindruckend». «Sie haben alles richtig gemacht in dieser Zeit», sagt er zu Dominik Rief. «Und unsere Aufgabe wird sein, einen Teil dieses Kuchens wieder zurückzuholen.» 15 Prozent des Kleiderhandels laufe mittlerweile online.

Ausland-Shopping: Es ist nicht nur der Preis

30 Prozent sind es bereits im Elektronik-Bereich. Media-Markt-Schweiz-Chef Karsten Sommer spürt aber nicht nur den Willen zum Digital-Shopping. Vor allem am Wochenende merkt er, dass die «Besucherfrequenzen deutlich zurückgegangen seien». Dann, wenn die Kunden ins Ausland fahren, um zu shoppen.

11 Mrd. Franken haben Bewohner der Schweiz im letzten Jahr ins Ausland getragen. Das zeigte eine Studie der Credit Suisse im Januar.

Verständlich ist es für Karsten Sommer im Falle seiner Branche nicht. «Es gibt keinen Grund, ins benachbarte Ausland zu gehen», meint Sommer. «Die Unterhaltungselektronik ist in der Schweiz mit Abstand am günstigsten in ganz Europa.» Dass man die Käufer zurückholen könne, bezweifelt er, stehe doch vielfach nicht mehr das Einkaufen im Vordergrund, sondern der Ausflug, an den man sich gewöhnt habe und den man gerne unternehme.

Legende: Video Karsten Sommer über Elektronik-Käufer abspielen. Laufzeit 0:47 Minuten.
Aus ECO Talk vom 06.06.2016.

Im Kleiderhandel muss man sich allerdings an die eigene Nase fassen, dass dieser Exodus so massiv stattgefunden hat. «Man ist auf dem falschen Fuss erwischt worden», sagt Globus-Chef Thomas Herbert im Rückblick. Als der Mindestkurs zum Euro aufgehoben wurde, habe man die Preise nicht schnell gesenkt. Allerdings will er auch verstanden wissen: Man habe zunächst nicht reagieren können. Die Ware sei bereits eingekauft gewesen, der Spielraum zur Senkung deshalb nicht vorhanden.

Online und Offline verbinden

Anstatt die Uhr zurückdrehen zu wollen, gilt es zu überlegen, was noch zu retten ist. Thomas Herbert hantiert mit dem Begriff Crosschannel. Im Gegensatz zum Multichannel-Gedanken plane man nicht mehr einzeln, wie man den stationären und den Online-Kunden abholen könne. Man verflechte die Kanäle vielmehr miteinander. «Und diese Verknüpfung, intelligent gelöst, wird dem stationären Handel helfen, dass nicht alles abfliesst», glaubt Thomas Herbert.

Vor diesem Hintergrund sind die Aktivitäten der Online-Giganten aufschlussreich. Sie beziehen plötzlich das Stationäre in ihre Planungen mit ein. So heisst es, Amazon wolle in Kürze Hunderte von Buch-Läden weltweit eröffnen.

Legende: Video Dominik Rief über neue Ambitionen von Zalando abspielen. Laufzeit 0:50 Minuten.
Aus ECO Talk vom 06.06.2016.

Und Zalando-Schweiz-Chef Dominik Rief berichtet von Ambitionen in seinem Haus: «Wir starten erste Tests in Berlin mit dem stationären Handel zusammen, wo ein Händler sein Sortiment auf unserer Website online stellt, der Kunde es bei uns bestellen kann, die Post es im Laden abholt und es dann zum Kunden bringt.» Dass Zalando einen Teil des Erlöses einstreichen würde, versteht sich von selbst.

Im «ECO Talk» besteht Einigkeit in einer Sache: Man dürfe den Online- nicht länger vom Offline-Kunden unterscheiden wollen. «Hauptsache, er bleibt bei uns», bringt es Karsten Sommer von Media Markt auf den Punkt. Was auch immer dafür nötig ist.

Legende: Video ECO – Das Wirtschaftsmagazin abspielen. Laufzeit 28:00 Minuten.
Aus ECO vom 06.06.2016.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Die Industrie machts doch schon lange so. Lässt in Billiglohn Ländern arbeiten und verkauft die Artikel zu überhöhten Preisen. Holt dauernd Fremde ins Land auch wenn wir tausende Arbeitslose haben. Wie z.B. Bürgenstock! Wenn ich kööte, würde auch ich alles im nahen Ausland einkaufen.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Nachtrag- Hr. Aeschlimann, mein Lohn bewegt sich als Selbständiger zwischen 7000 und 10 000 Fr. pro Monat Brutto- davon gehen dann ca 30 000 an Steuern , 6000 an Versicher., 5000 für Auto, 20 000 für Leben, 20 000 für Wohnen, 5000 für Urlaub und Soziales ab. Jahreseink. max 100 000 Fr minus 81 000 Abgaben, bleibt Fr 19 000 für Rücklagen pro Jahr . Ich bin wahrlich ein Kaiser in meiner Heimat -ich rede für die Schwachen bei uns das Wort, die von 2 -3 000 Fr. Monatslohn leben müssen. GE-für Alle !
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  • Kommentar von Werner Aeschlimann (wernz)
    Auch Sie Herr Kaiser begreifen leider nicht, dass hier die Lohnkosten doppelt so hoch sind wie in DE. Haben Sie den Mut die Diskussion zu eröffnen, Ihren Lohn hier offen zu legen und den identischen Job in DE zu recherchieren und ebenfalls zu präsentieren. Die Lohndiskussion möchte ich seid Jahren offen geführt haben, ist offenbar dann doch zu schweizerisch. Kennen Sie die Mindestlöhne in DE? Und wissen Sie wer den Rest alimentiert? Ja die Republik. Herr Kaiser so einfach ist es nicht. ja dumm
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    1. Antwort von Urs Müller (Confoederatio)
      Und doch ist es so, dass die Wirtschaft die Schweiz-Zuschlag masslos ausnutzt; sogar Graumarkt-Importe versucht zu unterbinden und zu verurteilen. Dazu kommt, dass die Wirtschaft ganz ungeniert im Ausland zu günstigen Kosten produzieren lässt & mit Tricks dies dann als Schweizer Ware zu überteuerten Preise verkaufen will. Natürlich nur zum Besten der Kunden, ääh der Aktionäre.
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    2. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Hr.Aechilimann,warum sind die Lohnkosten teilweise im Tieflohnbereich 2fach höher in der CH ? Weil die Mieten der CH- Wohnblockvermieter (FDP /CVP/ SVP) auch 2fach teurer sind wie in DE und der CH-Büezer seine hohen 3-4 tausend Fr KK-Gebühren inkl. sonstigen Versicherungen und Steuern selbst zu berappen hat, nebst hohen Lebenshaltungskosten. Da bleibt dann auch bei einem CH- Facharbeiter mit Fr 5000 Bruttolohn nicht mehr allzuviel übrig. Die Deutschen und Österreicher bekommen Nettolöhne !
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