Auslaufmodell Einkaufscenter Keiner will ins Shoppingparadies

  • Das Aarauer Stadion soll neu konzipiert werden: Die geplante Mantelnutzung mit Shoppingcenter sei unrentabel, so die Bauherrin.
  • Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener bestätigt: Die Nachfrage nach Shoppingcentern ist rasant geschrumpft.
  • Durch den Onlinehandel und Einkaufstourismus im grenznahen Ausland geht die Verkaufsfläche in der Schweiz zurück.

Gestern mussten Fans des FC Aarau leer schlucken: Zurück auf Feld 1 beim neuen Stadion. Das eigentlich bewilligte Bauprojekt wird noch einmal komplett überarbeitet. Der Grund dafür: Das geplante Einkaufszentrum, mit dem das Stadion querfinanziert werden sollte, könne kaum rentabel betrieben werden – sagt die Bauherrin.

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Thomas Hochreutener

Thomas Hochreutener

Der Detailhandelsexperte ist für das Marktforschungsinstitut GfK in Hergiswil NW tätig. GfK ist nach eigenen Angaben das grösste Marktforschungsinstitut in der Schweiz. Es wurde 1959 als Institut für Haushaltsanalysen gegründet und ist seit 1999 Teil der deutschen GfK-Gruppe in Nürnberg.

Für Thomas Hochreutener, Detailhandelsexperte beim Forschungsinstitut GfK, kommt der Marschstopp nicht überraschend: «Seit Jahren sagen wir, dass es genügend Shoppingcenter in der Schweiz gibt.» Früher sei die Baugenehmigung der Knackpunkt gewesen, heute gehe es darum, genügend Mieter zu finden.

Die aktuellen Trends sprechen gegen den Bau neuer Einkaufscenter, sagt Hochreutener: «Die Umsätze im Online-Handel nehmen ständig zu, auch die Einkäufe im Ausland sind angewachsen.» In den letzten zwei Jahren sei der Detailhandel um rund vier Milliarden Franken geschrumpft.

Flurbereinigung im Detailhandel

Das veränderte Kaufverhalten von Herr und Frau Schweizer hat Folgen: «Im Modebereich wurde in den letzten zehn, zwanzig Jahren nur expandiert. Dort ist nun eine Verkaufsstellenbereinigung im Gang.»

Doch das «Lädelisterben» dürfte weiter ausgreifen, prognostiziert Hochreutener: «Von der Bekleidung über Elektronik, Haushaltsdarf bis zur Gärtnerei.» Trotz rückläufiger Märkte und Nachfrage: Das Ende der Shoppingcenter will der Detailsexperte nicht verkünden: «Wenn sie an einer Top-Lage gebaut werden, kann das immer noch funktionieren.»