Crowdfunding KMU entdecken neue Geldquelle

Mehr als 100 Millionen Franken wurden 2016 mit Crowdfunding vermittelt – ein neuer Rekord. Grund: das steigende Interesse von Profis.

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Bildlegende: KMU und Investoren setzen auf die Geldbeschaffung per Internet Colourbox

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vermehrt nutzen KMU das Crowdfunding: Als Kreditnehmer und Investoren.
  • Ansprechende Renditen und die Nähe zu Unternehmen sind ausschlaggebend.
  • Crowdlending verzeichnet die grössten Zuwächse.

Fabian Bieler brauchte einen Kredit über 60‘000 Franken. Mit dem Geld wollte der gelernte Drucker aus einem Firmenkonkurs einen speziellen Drucker herauskaufen und damit neue Kunden gewinnen. Er bedruckt für Firmen Werbemittel wie Kugelschreiber oder Feuerzeuge. Doch beide Banken, bei denen er für einen Firmenkredit anklopfte, lehnten ab. Er lief Gefahr, dass ihm das Geschäft durch die Lappen ging. Denn für die Maschine interessierten sich noch andere.

Kredite von KMU für KMU

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Crowdfunding

Ein Überbegriff für das Geldsammeln im Internet – eine Form der Finanzierung («funding») durch eine Menge («crowd»). Dabei werden Geschäftsideen durch kleine Geldbeträge einer grossen Masse an Investoren finanziert, durch Spende oder Beteiligung. Ein beträchtlicher Teil der Gelder sind Geschäftskredite für Jungunternehmen (Crowdlending).

Ein Freund machte den Kleinunternehmer dann auf Swisspeers aufmerksam. Die Crowdfunding-Plattform vermittelt Kredite an Schweizer KMU – das sogenannte Crowdlending. Swisspeers prüfte Bielers Zahlen, bewertete seine Bonität und stellte sein Gesuch online. «Am Montag habe ich mich angemeldet und am Freitag war ich finanziert», erzählt Bieler im Wirtschaftsmagazin «ECO».

Crowdfunding etabliert sich in der Schweiz als alternative Anlageform. Denn neuerdings springen immer mehr Unternehmen auf den Crowdfunding-Zug auf – sei es als Kapitalnehmer oder als Investoren. 2016 dürfte nach Schätzungen des Crowdfunding-Experten Johannes Höhener die 100 Millionen-Franken-Marke überschritten worden sein.

Investieren mit emotionalem Bezug

Höhener managt für Swisscom einen Start-up-Fonds und kennt sich deshalb in der Crowdfunding-Szene aus. Crowdfunding habe aus Sicht von Investoren zwei entscheidende Vorteile: eine ansprechende Rendite und die Nähe zu den geldsuchenden Unternehmen. «Es ist eine Genugtuung, wenn man in eine Firma investieren kann, bei der man aus der Nähe beobachtet, wie sie sich entwickelt», so Höhener.

Höhere Rendite – höheres Risiko

Bei einer Durchschnittsrendite von über fünf Prozent sei das Interesse professioneller Investoren gross, sagt Swisspeers-Mitgründer Alwin Meyer. Doch er warnt auch: «Man bekommt als Investor nicht fünf, sechs Prozent Zinsen, ohne dass man gewisse Risiken eingeht.» Crowdfunding sei kein Ersatz fürs Sparbuch. «Es ist eine risikobehaftete Anlage, die entsprechend entschädigt wird.»

«  Es ist eine risikobehaftete Anlage, die entsprechend entschädigt wird. »

Alwin Meyer
Migründer Swisspeers

Fabian Bieler sagt, er habe inzwischen dank der neuen Druckmaschine neue Kunden gewinnen können. Seinen Kredit bedient er pünktlich. Der Unternehmer hätte auf Swisspeers anonym online gehen können, hat sich aber dagegen entschieden. Ebenso haben es seine Investoren gemacht. Bieler weiss somit, wer ihn unterstützt hat. «Ich werde im Sommer einen Apéro machen für meine Investoren – als Dankeschön.»

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Crowdfunding für Immobilien und KMU

    Aus ECO vom 1.5.2017

    In der Schweiz wurden 2016 bereits über 100 Millionen Franken via Crowdfunding-Plattformen vermittelt. Diesen digitalen Weg, um an Kredite oder an Eigenkapital zu gelangen, nutzen zunehmend auch Unternehmen. Bei KMU schliesst Crowdfunding eine Lücke bei Krediten, an denen Banken kaum interessiert sind. Im Immobilienbereich erhalten Investoren direkten Zugang zu Renditeliegenschaften, der vielen bisher verwehrt war.