Kosten des Klimawandels bald nicht mehr bezahlbar

Die Klimaschäden in der Landwirtschaft und an den Küsten sind bereits absehbar. Und sie werden Dutzende von Milliarden Franken kosten. Versicherungen und Rückversicherer können zunehmende Risiken aber nicht bis in alle Höhen versichern. Sie verlangen ein gesellschaftliches Umdenken.

Bereits heute sorgen Überschwemmungen, Stürme oder Unwetter rasch für Milliardenschäden. Und je stärker sich eine Region wirtschaftlich entwickelt, desto höher können dort die Schäden ausfallen. Unsere moderne Gesellschaft wird deshalb immer verletzlicher, was Naturgewalten angeht.

David Bresch, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit beim Schweizer Rückversicherer Swiss Re, erklärt: «Die Klimaveränderung kommt als Unsicherheit dazu. Und über längere Zeiträume beginnt sie, sich stärker und stärker in den Schadenszahlen niederzuschlagen.» Das heisst: Die Kosten steigen wegen des Klimawandels an.

Auf New York kommen hohe Summen zu

Swiss Re hat verschiedene Weltregionen genauer unter die Lupe genommen. Etwa die US-Metropole New York. Heute rechnet Bresch dort jedes Jahr mit Schäden in der Höhe von 1,7 Milliarden Dollar. Doch bis 2050 steigen diese laut Bresch auf mehr als das Doppelte an; auf 4,4 Milliarden Dollar. «Für New York bedeutet das, dass über die nächsten 20 bis 30 Jahre das Risiko weiterhin steigt. Dies weil sich die Stadt weiter entwickelt und damit weitere kritische Infrastrukturen Risiken ausgesetzt sind.»

Zudem muss New York aber auch mit häufigeren und heftigeren Stürmen und einem Meeresspiegel, der weiter ansteigt, rechnen. Angesichts dieser Schadenssummen müsse die Stadt einen Weg finden, die Verwundbarkeit der Infrastruktur, Wirtschaft und Bevölkerung zu verringern, so Bresch. «Bevor man zu vorschnellen Schlüssen gelangt und denkt, man müsse jetzt die ganze Stadt mit einem Flutwall umgeben, ist es wichtig, die ganze Palette von möglichen Massnahmen zu betrachten.»

Natürliche Schutzwälder senken die Risiken

Konkret geht es dabei um Dinge wie bauliche Massnahmen, Sanierungen, wie man bestehende Gebäude besser schützen kann. «Es geht aber auch um die sogenannten Ökosystem-Dienstleistungen», ergänzt der Experte. «Wenn die Mangrovenwälder in den Küstenregionen in gutem Zustand sind, dann sind sie so etwas wie ein Puffer, ein Schwamm bezüglich der Gefährdung und können relativ hohe Spitzen abfedern.»

Durch solche vergleichsweise günstigen Massnahmen liessen sich die jährlichen Schäden in New York um etwa 30 Prozent verringern. Ein weiterer Teil liesse sich versichern, so Bresch: «Die Versicherung gibt dem Risiko einen Preis. Und wer sich besser schützt, bezahlt weniger. So schafft die Versicherung Anreize zur Anpassung.»

Je früher man handelt, desto günstiger kommt's

Doch ganz können sich weder New York noch viele andere Städte und Länder an den Klimawandel anpassen – auch weil die dazu nötigen Massnahmen oft teurer wären als die damit zu verhindernden Schäden. Der britische Ökonom Nicholas Stern berechnete, dass die Kosten für die Folgen des Klimawandels bis Ende des Jahrhunderts auf bis zu 20 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts anwachsen.

Das zerstörte Dorf Seaside Heights in New Jersey nach dem Sturm Sandy von oben. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schäden wie jene durch Sturm Sandy im Jahr 2012 sind irgendwann nicht mehr versicherbar. Keystone/Archiv

Das gelte es unbedingt zu verhindern, ist Bresch überzeugt. «Würden wir unsere Emissionen nicht zu begrenzen versuchen, dann würden wir Ende des Jahrhunderts sicher in einer Welt leben, in der einige Dinge nicht mehr so versicherbar wären, wie wir es heute erleben.» Deshalb sei es zentral, das Übel bei der Wurzel zu packen.

Wir Menschen schaffen uns unsere Risiken selber. Zu dem Schluss kommt auch der neueste Weltklimabericht. Für den Leiter Nachhaltigkeit von Swiss Re ist deshalb klar: Wir müssen handeln, unsere Emissionen senken und die Wirtschaft umbauen. «Je früher wir damit starten, desto günstiger ist das machbar. Nur dann bleiben Schäden auch in Zukunft versicherbar.»