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Wirtschaft Man spricht Arabisch

Zwar scheint das Tal der Tränen nach der Eurokrise bei den Hoteliers durchschritten, zu Freudensprüngen bieten die Übernachtungszahlen in der Schweiz dennoch keinerlei Grund. Lediglich die Zunahme an Gästen aus den Golfstaaten kann den Hotelmanagern zuweilen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Legende: Video «Araber mögen die Schweiz» abspielen. Laufzeit 2:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.12.2013.

Bei Touristen aus dieser Region sitzt das Portemonaie in der Regel recht locker. Um die 500 Franken lassen sie sich einen Urlaubstag kosten. Weil sie gern lange Ferien machen und dabei zuweilen mit einer Entourage von 60 Personen anreisen, stellt diese Klientel in der Regel für jedes Hotel eine nicht zu verachtende Einnahmequelle dar. Das gleiche gilt auch für die Edelboutiquen und Uhrenläden in den gern und viel gekauft wird.

Allein im letzten Jahr stieg die Zahl der Logiernächte mit Gästen aus den Golfstaaten um um knapp 24 Prozent. Da können selbst die reisefreudigen Chinesen (23,4 %) und die shopppingfreudigen Russen (9,3 %) nicht mithalten. Auch im laufenden Jahr soll die Schar der Touristen aus den Golfstaaten um mehr als 20 Prozent wachsen.

Fettnäpfchen gekonnt umschiffen

Grund genug für «hotelleriesuisse» den hiesigen Herbergen einen Leitfaden an die Hand zu geben. Damit sollen Fehler im Umgang mit den gleichermassen kaufkräftigen wie sensiblen Gästen vermieden werden.

Beispiel gefällig? Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande, hat die Frau sehr wohl ein Mitsprachrecht in vielerlei Angelegenheiten. Deshalb wird empfohlen, bei einer Konversation sowohl den Mann als auch die Frau anzusprechen. Oft würden auch verschleierte Frauen selbst und nicht ihre männliche Begleitperson antworten.

Geschenke ja, aber bitte die richtigen!

Dass Araber nur ungern warten, dieses Schicksal teilen sie zwar mit sehr vielen Touristen anderer Regionen, aber ein kurzer Smalltalk und der Hinweis, dass sie in Kürze bedient werden, seien hier angebracht, liest man in dem Infoblatt.

Anderes hingegen versteht sich beinahe von selbst:

  • Respekt gegenüber dem Islam, seinen Sitten und Gewohnheiten
  • kein Schweinefleisch, kein Alkohol
  • Lebensmittel sollten generell Halal («erlaubt») sein
  • Toleranz gegenüber Kindern
  • nur weibliches Personal im Spa- und Poolbereich für weibliche Gäste
  • Araber lieben Geschenke – aber: freizügige Bilder und Statuen oder Geschenke, die den Nationalstolz verletzen können, eignen sich nicht als Geschenkideen.

Wenn das Hotel zudem noch technisch auf dem neuesten Stand und sauber ist, über arabische TV-Sender verfügt und Shopping-Möglichkeiten nicht allzuweit entfernt sind, stehen die Chancen auf zahlreiche Übernachtungen und gute Einnahmen nicht schlecht.

Doch Vorsicht, mahnt «hotelleriesuisse». Bei allem Respekt vor den gutsituierten Gästen, kann das vermeintlich gute Geschäft durchaus auch seine Tücken haben. «Araber sind geborene Händler und entsprechend geschult im Lesen von Personen.» Es empfehle sich deshalb, im Umgang mit ihnen keine Schwächen, Ungeduld oder andere Gefühle zu zeigen.

Derzeit gelingt das den Hoteliers in Genf ganz offensichtlich am besten. Allein hier steigt ein Drittel aller Gästen aus den Golfstaaten ab. Doch Zürich, Interlaken und andere Destinationen wollen auch ihren Teil vom Kuchen.

Legende:
Logiernächte von Gästen aus den Golfstaaten hoteleriesuisse

Die Golfstaaten

Zu den Golfstaaten werden die sechs Anrainerstaaten am Persischen Golf gerechnet: Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. In ihnen leben rund 42 Millionen Einwohner. Haupteinnahmequelle sind die Geschäfte mit Öl. Sie machen gut 70 Prozent der Exporte aus.

51 Kommentare

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  • Kommentar von R. Honegger, Zürich
    Ein grosses Lob an die Touristen, sie finanzieren ihren Besuch komplett selber und respektieren die lokale Bevölkerung. Sie nehmen uns nicht die Arbeitsplätze weg, sie drohen uns nicht mit Gewalt und sie plündern auch nicht die Sozialkassen. Für solche Leute muss die Schweiz etwas bieten und nicht für die anderen.
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Logiernächte 2012, 34'7666'273, davon ca. 510'000 aus den Golfstaaten. Knapp 800'000 aus China (ohne Hongkong). Über 1 Mio. aus den übrigen asiat. Ländern. Es liegt wohl auf der Hand, dass es eigentlich gar nicht um einen wirklich wichtigen Touristenzweig geht. Und an P. Bürger. Die Gastfreundlichen Araber, welche ich auch sehr gut kenne, können NICHT mit eigenen Angestellten in die CH in die Ferien kommen. Höchstens als Angestellte, welche das Hotel nicht einmal verlassen dürfen.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Haben sie überhaupt den Artikel gelesen?"Lediglich die Zunahme an Gästen aus den Golfstaaten kann den Hotelmanagern zuweilen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. " Es handelt sich demnach um einen nicht vernachlässigbaren Anteil an Gästen. Wie man die Fettnäpfchen umschifft ist Sache der Hoteliers. Ich finde es einen Blödsinn, wenn man sich um ein solch ausgabenfreudiges Gästesegment so despektierlich auslässt. Das zeugt jedenfalls nicht von Fachwissen.
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    2. Antwort von W. Helfer, Zürich
      Ja A. Planta ich habe den Artikel gelesen und sogar bemerkt, dass man aus einer Mücke einen Elefanten machen will. Das Warum, ist zumindest mir klar. Und mit arabischen Touristen in Hotels habe ich vermutlich sehr viel mehr Erfahrungen als Sie und die sind längst nicht alle negativ. Dass man auf die Bedürfnisse von Kunden eingeht, habe ich schon in der Lehre gelernt. Hier will man aber etwas ganz anderes vermitteln.
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  • Kommentar von Hauser J., Wädenswil
    Ich war in diesem Sommer Interlaken. Dabei kam ich mir aber vor ich sei irgendwo in Saudi Arabien. Lauter vollverschleierte Frauen mit ihren dafür umso sommerlicher gekleideten Männern wandelten in der Gegend umher. Auch wenn diese Leute einen Haufen Geld bringen, für das Stadtbild sind sie absolut keine Bereicherung, ganz im Gegenteil. Auch diverse Bemerkungen von Ladenbesitzern waren nicht gerade druckreif. Zum Teil fallen diese Leute durch eine unglaubliche Schnoddrigkeit und Arroganz auf.
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    1. Antwort von Thomas Wanner, Aarau
      Herr Hauser, wie könnte es Ihnen wie in "Saudi Arabien" vorkommen ? Sie waren noch gar nie dort, also können Sie es gar nicht vergleichen (hänzis im Färnsee xee ?). Die SVP-Hochburg BE-Oberland überlebt dank (a) islamischen Touristen (b) Subventionen. Märssi.
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    2. Antwort von Helene Geisser, Genf
      @Wanner. So also, wir können nur überleben, wenn wir islamische Frauen-Schläger in der Schweiz haben? Herr Wanner, sie sollten mal wirklich nach Katar oder Dubai. Da sehen sie den wirklichen Hass gegen andersdenkende und Frauen. Tragen sie mal ein Kreuz an ihrem Ketteli. Oder küssen sie mal ihre Freundin - oder Freund. Dann werden sie ihren lieben Islam kennenlernen!!! Ich warte auf ihren Ferienbericht!
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    3. Antwort von P. Bürger, Schweiz
      @Helene Geisser: Komme gerade von einem mehrmonatigen Aufenthalt auf der arabischen Halbinsel zurück. Ihr Kommentar, geschätzte Frau Geiser, zeugt nicht von fundiertem Wissen, sondern strotzt von Vorurteilen, offensichtlicher Ignoranz nicht respektierter Regeln als Tourist. Was denken Sie, was Araber davon halten, wenn aufreizend gekleidete Touristinnen & ihre in ärmellosen T-Shirt «bekleidete» Männer dort auftauchen. Sie haben sehr WENIG Ahnung davon. Doch ihr Vorurteil befeuert die Abneigung.
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