Matratzen-Leasing lässt Hotelier ruhiger schlafen

Was für Autos recht ist, sollte für Hotelmatratzen billig sein: Bei einem Waadtländer Unternehmen können Hoteliers Matratzen leasen statt kaufen. «Ein Modell mit Zukunft», meint die Präsidentin der Mittelländer Hoteliers.

Eine Produktionshalle in einem Industriequartier im Waadtland: Ein Mitarbeiter sitzt an einer grossen Maschine und näht eine Matratze auf allen Seiten zu – eine Matratze von Qualität. In seinem Unternehmen würden nur hochwertige Produkte hergestellt, sagt Geschäftsführer François Pugliese. Vor acht Jahren hatte der ehemalige Autohändler das Familienunternehmen in Aubonne übernommen.

Ein Mitarbeiter der Farbrik in Aubonne näht eine Matratze zusammen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eine Aubonner Matratzenfabrik kann sich gegen Billiganbieter aus dem Ausland behaupten. ZVG

Das Geschäft mit Matratzen ist hart umkämpft. Viele ausländische Produzenten bieten in der Schweiz günstigere Produkte als Pugliese an – erst recht, seit der Euro so tief ist. Mit dem Leasing seiner Matratzen ist es ihm aber gelungen, Kunden zu gewinnen, die sich seine Qualitätsware sonst nicht leisten könnten.

Zwei Franken pro belegtes Bett und Nacht

Einer von Ihnen ist Philipp Tissot. Er führt ein Drei-Sterne-Hotel im Quartier neben Puglieses Fabrik. Die Zimmer sind einfach eingerichtet, die Hotelbetten modern und von guter Qualität. So teure Betten hätte er sich nie leisten können, sagt Tissot. Leasen könne er sie aber schon. «Ich verkaufe schliesslich Schlaf – guten Schlaf.» Nun bezahlt er knapp zwei Franken pro Bett und Nacht - sofern das Bett besetzt ist. Bleiben die Betten leer, bezahlt Tissot nur eine Grundgebühr von 25 Rappen. So könne er saisonale Schwankungen ausgleichen und statt Betten zu kaufen, Geld in die Renovation des Hotels stecken.

Hotelmatratzen leasen statt kaufen

2:33 min, aus HeuteMorgen vom 29.03.2014

Ein Modell mit Zukunft

Anderer Meinung ist Beatrice Imboden, Präsidentin des Berner Verbandes Hotellerie Bern + Mittelland und Geschäftsführerin im Hotel Bären in Bern. Für sie komme ein Matratzen-Leasing nicht in Frage. «Es ist eine teure Angelegenheit. Verdienen tut immer jemand anderes. Deshalb bin ich dankbar, wenn wir nicht gezwungen sind, ein Leasing einzugehen», sagt sie. Trotzdem glaubt Imboden, dass das neue Geschäftsmodell gute Zukunftschancen hat.

Die Hotelgäste verlangten heute, dass die Zimmer stets modern eingerichtet sind. Der Markt sei hart umkämpft und die Liquidität vieler Hotels knapp. Das Leasing, das zumindest kurzfristig günstiger ist, kommt vielen Hoteliers gelegen.
(aebn; rufi)