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Wirtschaft McDonald's in der Schweiz: Ein erfolgreicher aber steiniger Weg

Als McDonald's vor 40 Jahren die erste Filiale in der Schweiz eröffnete, war die Empörung gross. Heute ist die Fastfood-Kette in der Schweiz verankert und erfolgreich – auch wenn kritische Stimmen bleiben.

Eine Sommernacht im Juli 1982: Die McDonald’s-Filiale am Zürcher Stauffacher geht in Flammen auf. Ein Brandanschlag, wie sich herausstellt. Die Täter: Das «Kommando Grober Ernst», eine militante Gruppierung der 1980er-Jahre. «Rösti-Liebhaber steckten Hamburger-Laden in Brand», titelt der «Blick».

Zu diesem Zeitpunkt ist McDonald’s schon seit sechs Jahren in der Schweiz – und schürt noch immer riesige Emotionen. Denn was in den USA schnell zu einem grossen Erfolg wird, kommt hierzulande zunächst gar nicht gut an.

Widerstand mit Gewalt

Die Geschichte von McDonald's beginnt bereits in den 1950er-Jahren in den USA. Schnell prägt die Fastfood-Kette die amerikanische Esskultur. Das Erfolgsrezept: Günstige und schnell zubereitete Kost, die in jedem Restaurant in der genau gleichen Qualität angeboten wird.

In den 1970er Jahren schwappt die Fastfood-Welle auch auf Europa über. 1976 wird in Genf das erste McDonald's-Restaurant der Schweiz eröffnet. Doch bald darauf hagelt es Protest. Lärm, der immense Abfall und der Gestank von Frittieröl verärgern viele Schweizer. Die Folge: Wo immer McDonald's in der Schweiz eine neue Filiale eröffnen will, gibt es Einsprachen.

Der Höhepunkt in den frühen 1980er Jahren: 1981 wird am Stauffacher die erste McDonald's-Filiale in Zürich eröffnet. Dies sei ein «kulinarischer Affront gegenüber jedem halbwegs kultivierten Mitteleuropäer», enerviert sich darauf der damalige SP-Gemeinderat und spätere Bundesrat Moritz Leuenberger im Zürcher Parlament. Im gleichen Jahr brennt es am Zürcher Stauffacher.

Expansion in der Schweiz trotz anhaltender Kritik

Die rasante Verbreitung von Big Macs und Cheesburgern ist allerdings nicht aufzuhalten. In den 1990er-Jahren eröffnet der McDonald's jährlich zehn Filialen in der Schweiz. Heute sind es schweizweit 163 Restaurants.

Ohne Nebengeräusche geht die Expansion allerdings nicht vonstatten. Um die Jahrtausendwende wird der US-Konzern zum Lieblingsfeind von Globalisierungsgegnern und Anti-WEF-Demonstranten – regelmässig klatschen Farbbeutel gegen McDonald's Filialen. Auch wird angeprangert, das Essen sei ungesund, McDonald's berücksichtige Schweizer Tierschutzstandards nicht und verstosse gegen das Schweizer Arbeitsgesetz.

Gesünderes Essen, verbesserte Standards

Seit rund zehn Jahren sind nun allerdings viele Kritiker verstummt, auch weil McDonald's Schweiz einiges unternommen habe. So betont der Konzern, dass man heute Sozial- und Tierschutzstandards einhalte. Zudem würden mehr Salate und Früchte angeboten, oder auch Kaffee aus fairer Max-Havelaar-Produktion. Ungelernte Mitarbeiter erhalten einen Mindestlohn von 3'400 Franken.

Rund 80 Prozent der Lebensmittel würden zudem von einheimischen Lieferanten bezogen werden. Bei ausländischen Fleischproduzenten setze man die Schweizer Tierschutzstandards durch.

Legende: Video Interview mit Harold Hunziker, Chef McDonald's Schweiz abspielen. Laufzeit 3:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.03.2016.

«Beim Umweltschutz hat McDonald's noch Nachholbedarf»

Trotz dieser Verbesserungen: Kritische Stimmen gibt es auch heute noch. Eine von ihnen ist Michael Schilliger, Chefredaktor beim Umweltmagazin «Das Lamm». Insbesondere beim Umweltschutz habe McDonald's noch Nachholbedarf: «McDonald’s ist nach wie vor ein Fleischrestaurant und somit mitverantwortlich für die Folgen des hohen Fleischkonsums, wie etwa dem Raubbau am Regenwald. McDonald’s sollte mit der Zeit gehen und mehr vegetarische, vegane und biologische Produkte anbieten», so Schilliger.

In Deutschland hat McDonald's bereits während mehreren Wochen einen Bioburger getestet, diesen aber nach nur knapp zwei Monaten wieder aus dem Sortiment genommen – wegen zu tiefer Nachfrage, wie der Konzern mitteilte. Auch Harold Hunziker, Chef von McDonald's Schweiz, schiebt den Ball den Konsumenten zu: «Unsere Kunden kommen nicht in erster Linie wegen der vegetarischen Produkte zu uns.»

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