Mehr Flexibilität für Pensionskassen verlangt

Die Finanzierungssituation der Schweizer Pensionskassen hat sich im vergangenen Jahr weiter verbessert. Dies zeigt die jährlich durchgeführte Umfrage von Swisscanto. Um den Vorsorgeeinrichtungen ein «gutes Überleben» zu sichern, brauche es aber flexiblere Vorgaben von der Politik.

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Swisscanto fordert flexiblere Pensionskassen

1:20 min, aus Tagesschau am Mittag vom 17.9.2014

Herr und Frau Schweizer werden immer älter. Die Pensionskassen stehen vor einer grossen Herausforderung, um sich der neuen demographischen Realität anzupassen. Nach schwierigen Jahren erkennt die Anlage-Gesellschaft Swisscanto aufstrebende Tendenzen: «Nach der Finanzkrise sind die Pensionskassen wieder in einer recht guten Situation», sagt Geschäftsführer Gérard Fischer. Grund dafür sei die gute Entwicklung an den Finanzmärkten.

Die Hochrechnung des jährlichen Pensionskassen-Monitors der Anlage-Gesellschaft belegt den erfreulichen Trend – zumindest für die privaten Anbieter: Der vermögensgewichtete Deckungsgrad beträgt für die privatrechtlichen Kassen 113 %. Damit seien diese bereits nahe dem Punkt mit ausreichenden Schwankungsreserven.

Mit 103 % liegen allerdings die öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen mit Vollkapitalisierung zurück. Die Kassen mit Staatsgarantie erreichten gar nur 76 %.

Pensionskassen wirtschaften nur kostendeckend

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Die durchschnittliche Werteentwicklung im Berichtsjahr lag der Umfrage zufolge bei 6,26 % nach 7,17 % im Vorjahr. Damit seien allerdings wie schon 2012 vielfach nur die Lücken geschlossen worden, welche die vorausgegangenen schwachen und teilweise schwierigen Jahre gerissen hätten, so Swisscanto. Über acht Jahre belaufe sich der Mittelwert der Renditen lediglich auf 2,7 % und liege damit deutlich unter dem ermittelten Wert der Sollrenditen von 3,1 %.

Politik soll flexiblere Vorgaben machen

Entsprechend relativiert Fischer das vorderhand erfreuliche Verdikt des Monitorings. Damit den Pensionkassen langfristig ein «gutes Überleben» gesichert werde, brauche es flexiblere Vorgaben von Seiten der Politik: «Die Vorgaben, wie sie auch in der Altersvorsorge 2020 vorgeschlagen werden, sind zu eng und behindern die nötigen Anpassungen». Mehr Flexibilität brauche es konkret bei der Festlegung des Mindestzinses, aber auch bei der Höhe der Renten.

An der Umfrage beteiligten sich 370 Teilnehmer und das damit erfasste Vermögen betrug 506 Milliarden Franken sowie 2,8 Millionen Versicherte, was Rekordwerte darstelle. Bezüglich Vermögen und Versicherten seien damit wiederum rund zwei Drittel der beruflichen Vorsorge erfasst, was entsprechend aussagekräftige Analysen erlaube.