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Legende: Video BAG-Direktor Pascal Strupler: «Alles über dem Referenzpreis für Generika soll zulasten des Patienten gehen.» abspielen. Laufzeit 00:53 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.
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Mehr Generika Patienten sollen für Original-Medikamente selbst bezahlen

Die Politik will Anreize für günstigere Medikamente schaffen. Die Ärzte kündigen an, das neue System zu bekämpfen.

Schweizer Patienten sollen häufiger Generika einnehmen, und Generika sollen günstiger werden – so das Ziel des Bundesamts für Gesundheit BAG.

«Wir sprechen von Einsparungen von 300 bis 500 Millionen Franken», sagt BAG-Direktor Pascal Strupler im «ECO Talk».

Was ist ein Generikum?

Ein Generikum ist die Kopie des teuren Original-Medikaments. Der Wirkstoff ist derselbe. Es muss in der Schweiz ein ordentliches Prüfverfahren durchlaufen und in denselben Darreichungsformen angeboten werden wie das Original-Präparat. Angesichts des kleines Marktes hierzulande führt das dazu, dass Generika bis zu doppelt so teuer sind wie in anderen Ländern.

Mehr als 10'000 Franken kostet die Gesundheit pro Kopf mittlerweile. Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den höchsten Gesundheitskosten der Welt. Sie haben sich innerhalb der letzten 20 Jahre verdoppelt.

Dass diese voraussichtlich weiter steigen werden, werden die Versicherten Ende September erfahren. Dann landen die Bescheide über die Prämienerhöhungen in den Briefkästen. Laut Gesundheitsökonom Tilman Slembeck drohen Erhöhungen zwischen 3.5 und 4 Prozent.

BAG-Direktor Pascal Strupler will sich zu konkreten Zahlen noch nicht äussern.

Schweiz hinkt hinterher

Medikamente sind mit 6.8 Milliarden Franken zwar nicht der grösste Kostenblock im Gesundheitswesen, doch ein Spareffekt wäre hier relativ einfach zu erreichen: wenn Ärzte seltener Original-Präparate verschrieben und häufiger Generika.

«In der Tat hinken wir da hinterher», gibt die Ärztin und ehemalige Grüne-Nationalrätin Yvonne Gilli zu. «Ich sehe die klare Verantwortung auf der Ärzteseite. Wir verschreiben immer noch zu wenige Generika.»

In der Schweiz ist nur jedes 5. verschriebene Medikament ein Generikum. In Frankreich ist es jedes dritte, in Österreich jedes zweite, und in Deutschland sind es mehr als 80 Prozent.

Man müsse die Gewohnheiten ändern, sagt Yvonne Gilli, die zudem Vorstandsmitglied im Ärzteverband FMH ist. «Ganz wichtig ist der Kulturwandel in der Erstverschreibung.»

Arzt schreibt, Patient sitzt gegenüber.
Legende: Der Arzt soll nicht automatisch das Original-Präparat verschreiben, geht es nach dem Bundesamt für Gesundheit. Keystone (SYMBOLBILD).

Das Bundesamt für Gesundheit will nun darauf hinarbeiten, dass mehr Generika verschrieben werden. Pascal Strupler erklärt: «Es geht darum, Generika und patentabgelaufene Medikamente mit gleichem Wirkstoff mit einem Referenzpreis zu versehen.»

Man wolle die Schweiz mit 9 Referenzländern vergleichen und aus diesem Durchschnitt plus Abschlag einen Referenzpreis errechnen. «Diesen Preis bezahlt die Grundversicherung. Alles, was darüber ist, geht zulasten des Patienten.»

Der Patient soll eigenverantwortlich handeln.
Autor: Andreas SchönenbergerGeschäftsführer Sanitas

Für Krankenkassen-Geschäftsführer Andreas Schönenberger ist dies ein gangbarer Weg. Er steht an der Spitze von Sanitas und sagt: «Für uns steht im Vordergrund, dass der Patient gute Medikamente bekommt, aber auch, dass er eigenverantwortlich handelt. So kann er ein qualitativ gleichwertiges Produkt haben, und wenn er das Original haben möchte, dann ist es seine Sache, das zu bezahlen.»

Gesundheitsökonom Tilman Slembeck hält das Referenzpreissystem für einen «ersten Ansatz». «Das kann man probieren», denn bisher gebe es weder für den Arzt noch für den Patienten grosse Anreize, auf Generika umzusteigen.

Legende: Video Yvonne Gilli, FMH: «Wir als Ärzte und Ärztinnen bekämpfen dieses Referenzpreissystem.» abspielen. Laufzeit 03:14 Minuten.
Aus ECO vom 19.08.2019.

Gegenwind ist von den Ärzten zu erwarten. Auch wenn die FMH die Förderung von Generika grundsätzlich gutheisst, sagt Yvonne Gilli im «ECO Talk»: «Wir als Ärzte und Ärztinnen bekämpfen dieses so genannte Referenzpreissystem, und zwar aus Gründen der Versorgungssicherheit und der Behandlungsqualität.» Zusatzstoffe seien in Generika nicht dieselben, ein Wechsel von einem Original-Präparat für den Patienten deshalb nicht unproblematisch.

Nach der Vernehmlassung im vergangenen Jahr wird die Vorlage in Kürze ins Parlament kommen.

Heute Abend «ECO Talk»

Heute Abend «ECO Talk»

Die vollständige Diskussion zum Thema «Wie bremsen wir endlich die Gesundheitskosten?» mit Reto Lipp ist heute um 22.55 Uhr auf SRF 1 zu sehen.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Arthur Meili  (Arthur Meili)
    Nach Ablauf der Schutzfrist koennen andere pharmazeutische Unternehmen Arzneimittel mit identischem Wirkstoff (Generika) auf den Markt bringen. Im Prinzip heisst das, dass das Produkt ebenbuertig ist. Wenn es nicht gleich ist, ist das Produkt nur "aehnlich", das ist was anderes.
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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Nein, die Medikamente sollen günstiger werden, damit die Krankenkassen nicht noch mehr belastet werden und dadurch die Prämien steigen. Die Pharmalobby und deren Bosse sind gefordert. Aber nicht nur sie.
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  • Kommentar von Ruedi Hammer  (Ruedi Hammer)
    „Wir sprechen von Einsparungen von 300 bis 500 Millionen Franken.“ Wenn der Patient die Medikamentenkosten selber bezahlen muss, werden doch damit keine Kosten eingespart, sondern lediglich dem Versicherungsnehmer überwälzt. Wie blöd ist das denn!
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