Gemüse und Früchte Migros deklariert Hors-Sol nicht mehr

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Migros hält Deklaration für überflüssig

  • Die Migros hat die Deklaration von Hors-Sol-Produkten Anfang Jahr abgeschafft.
  • Die Produktion von Gemüse und Früchten in Substraten sei heute Standard und schone die Umwelt sowie die Ressourcen, begründet die Migros.
  • Laut Konsumentenschutz ist die Hors-Sol-Produktion bei Kunden heute weitgehend akzeptiert.
  • Wer sicher gehen will, kauft Bio-Produkte. Diese müssen in Erde kultiviert werden.

Gemüse und Früchte, die nicht in Erde, sondern in Substraten gewachsen sind, waren bisher in allen Läden der Schweiz mit «Hors-Sol» angeschrieben. Als erster Händler hat die Migros nun die Deklaration abgeschafft. Seit Anfang Jahr kennzeichnet sie Gemüse und Früchte aus dieser Anbaumethode nicht mehr.

Hors-Sol-Deklaration

In den Anfängen stiess der Hors-Sol-Anbau bei den Konsumenten auf heftigen Widerstand. Als Reaktion darauf vereinbarten die Gemüse- und Früchteproduzenten und das Schweizer Konsumentenforum 1996, dass bestimmte Produkte aus der Hors-Sol-Produktion deklariert werden sollen.

Anfang 2017 ist diese Vereinbarung nun abgeschafft worden. Die damaligen Vorbehalte der Bevölkerung hätten dank technischen Fortschritts und angepasster Praxis entkräftet werden können, schreibt der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP).
Kisten mit geernteten Gurken vor Gurkenstauden in einem Gewächshaus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Wurzeln von Hors-Sol-Gurken stecken in einem feinkörnigen Sandgemisch. SRF/Brigitte Mader

Gurken praktisch nur noch Hors-Sol

Eine spezielle Kennzeichnung der Hors-Sol-Produkte sei nicht mehr nötig, erklärt die Migros-Sprecherin Monika Weibel. Es habe sich in 25 Jahren viel verändert: «Der Hors-Sol-Anbau ist heute weit verbreitet und sehr Umwelt- sowie Ressourcen-schonend. Heute ist bekannt, dass gewisse Kulturen wie Tomaten und Gurken ausschliesslich aus Hors-Sol-Produktion stammen.»

Zudem seien die Informationen, ob ein Gemüse Hors-Sol ist oder nicht, für die Migros nicht immer zuverlässig vorhanden gewesen. Daher sei es auch für die Migros eine Erleichterung.

Der Hors-Sol-Anbau

Beim bodenfreien Anbau werden die Pflanzen in beheizbaren Gewächshäusern in Wasser-speichernden Substraten wie Steinwolle, Kokosfasern oder Schaumstoff gesetzt. Durch Tröpfchenbewässerung erhalten sie Nährstoffe und Wasser nach Bedarf. In einem anderen Verfahren stecken die Pflanzen direkt in einer flüssigen Nährlösung.

Eine Weiterentwicklung des Hors-Sol-Verfahrens ist die Hydrokultur, in der das Gemüse in hermetisch abgeschlossenen Räumen mit künstlichem Licht von Arbeitern in Schutzanzügen kultiviert wird. Dabei sind fast keine Pflanzenschutzmittel nötig.

Im Bio-Landbau in der Schweiz ist der Hors-Sol-Anbau verboten.
Dicke Röhren mit zahlreichen Seitenrohren, aus denen Pflanzen wachsen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Setzlinge werden in mit Kokosfasern ausgelegte Rohre gepflanzt und durch Schläuche mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Imago

Weniger Wasser und Dünger nötig

Auch der Verband der Schweizer Gemüseproduzenten hält die Deklaration der Hors-Sol-Anbaumethode für überflüssig. «Wir haben in den letzten 20 Jahren dermassen viele Entwicklungsschritte gemacht, dass die Methode heute dem Standard entspricht», sagt Verbandssprecherin Valerie Märtens. Die Anbaumethode habe grosse Vorteile: Sie sei ökologischer und brauche nur wenig Wasser sowie Dünger.

Meinungsumschwung bei Konsumenten

Zum selben Schluss kommt auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Hors-Sol sei am Anfang sehr umstritten gewesen. Inzwischen habe sich die Meinung der Konsumenten jedoch stark verändert. «Es ist eine akzeptierte Art geworden, wie man Landwirtschaft auch betreiben kann.»

Zudem sei «Hors-Sol» nie ein scharf definierter Begriff gewesen, daher bringe dieses Label nicht das was es verspreche, so Stalder.

Coop bleibt bei Deklaration

Coop hingegen will Hors-Sol-Produkte weiterhin kennzeichnen. Es entspreche dem Kundenbedürfnis, heisst dort.

Wer sicher gehen will, dass sein Gemüse und seine Früchte im Boden nicht in Substraten produziert worden sind, muss Bio-Produkte kaufen, denn sie müssen in Erde gewachsen sein.

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