Missbrauchen ausländische Grosskonzerne ihre Marktmacht?

Kosmetik oder Kleider sind im nahen Ausland viel günstiger als in der Schweiz. Das hat nicht nur mit dem starken Franken zu tun, denn Schweizer Händler müssen ausländische Ware unverhältnismässig teuer einkaufen. Gefordert wäre die Weko – doch die tut laut ihren Kritikern zu wenig.

Symbolbild: Ein Flaschendeckel mit dem Coca-Cola-Aufdruck in Nahaufnahme. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Coca-Cola nütze seine Marktmacht aus, sagt Ex-Weko-Vize Roger Zäch. Reuters

Wenn die Wettbewerbskommission (Weko) heute Bilanz über das letzte Jahr zieht, wird sie auch diesmal aufzeigen, dass sie im Kampf gegen überhöhte Preise aktiv sei. So sei etwa eine Untersuchung gegen das schwedische Unternehmen Husqvarna eröffnet, das über ihre Schweizer Tochterfirma Motorsägen und Rasenmäher zu viel höheren Preisen verkauft als im benachbarten Ausland.

Spezieller «Schweiz-Zuschlag»

Das sei ein typischer Fall, sagt Konsumentenschützerin Prisca Birrer-Heimo. Nach wie vor hätten diverse Importprodukte einen Preiszuschlag speziell für die Schweiz, sie würden hierzulande viel teurer verkauft als anderswo. «Man will die Kaufkraft der Schweiz abschöpfen», sagt sie. Und: Es habe sich bei diesem Missstand in den letzten Jahren nicht viel getan.

Birrer-Heimo lobt, dass die Weko im Fall Husqvarna aktiv wurde. Allerdings unternähmen die Wettbewerbshüter bei alltäglichen Produkten zu wenig. So seien Windeln, Deos oder Rasierklingen bekannter Marken in der Schweiz immer noch 40 bis 70 Prozent zu teuer. «Die Weko ist zu zahnlos und sie geht zu wenig offensiv gegen solche Marktabschotter vor», beklagt die Konsumentenschützerin. Die Weko lege das ihr zur Verfügung stehende Instrumentarium viel zu eng aus, so der Vorwurf.

Coca-Cola nutzt Marktmacht aus

Dieser Kritik schliesst sich Roger Zäch an. Er war einst Vizepräsident der Weko. Die Hürde, bis die Behörde von einer marktbeherrschenden Stellung rede und eingreife, sei heute viel zu hoch.

Die Abhängigkeit der hiesigen Händler von den ausländischen Grosskonzernen sei doch offensichtlich. Er nennt das Beispiel Coca-Cola: «Wenn die Nachfrage sehr gross ist, dann ist es für einen Wirt äusserst unbequem und schwierig, wenn er den Gästen immer sagen muss, er habe nur Pepsi anzubieten.» Ein Wirt komme nicht umhin, das teurere Cola im Angebot zu haben, denn die Gäste wollten dies. Bei solchen Abhängigkeiten müsse die Weko genauer hinschauen und bei Missbrauch der Marktmacht ein Machtwort sprechen.

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