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Wirtschaft «Nachhaltig» umfasst auch Menschenrechte

Es ist ein kleines Erdbeben in der internationalen Holzbranche: Der Konzern Danzer verliert sein FSC-Siegel für Umweltstandards und Einhaltung von Menschenrechten. Grund dafür ist ein gewalttätiger Vorfall in der Demokratischen Republik Kongo.

Im Kongo die Wahrheit zu finden, sei schwierig, sagt Kim Carstensen. Er ist Chef des Forest Stewardship Council. Die Organisation vergibt und wacht über das Gütesiegel FSC. Damit wird nachhaltige Holzwirtschaft ausgezeichnet.

Carstensen sagt, man könne aber davon ausgehen, dass im Mai 2011 im Dorf Yalisika im Nordostkongo Unrecht geschehen sei: Demnach gab es Streit zwischen den Dorfbewohnern und einer Tochterfirma des Holzkonzerns Danzer. Der Konzern habe seine Verpflichtungen gegenüber dem Dorf nicht eingehalten, sagten die Bewohner und begannen Material von Danzer zu stehlen. Die Holzfirma rief die Polizei.

Gravierende Anschuldigungen

Wie Carstensen schildert, brannten die Polizisten daraufhin offenbar Häuser nieder, vergewaltigten möglicherweise Frauen und begingen möglicherweise sogar einen Mord. «Wir werden wohl nie herausfinden, was im Detail passiert ist», sagt Carstensen. Aber die Anschuldigungen seien sehr gravierend.

Der FSC befürchtet ein Reputationsrisiko, wenn eine in solche Vorwürfe verstrickte Firma das FSC-Label führt. Es sei es wohl für beide Seiten gut, sich vorübergehend zu trennen, sagt Carstensen. Danzer müsse handeln und solche Konflikte lösen können.

Danzer weist Schuld von sich

Der Holzkonzern weist die Vorwürfe zurück: Danzer-Vertreter Ulrich Grauert sagt gegenüber Radio SRF, man habe «keine Hand für einen Polizeieinsatz geboten.» Ausserdem sei der Vorfall nur wenig später von der Schweizer Prüfgesellschaft SGS untersucht worden. Sie sei zum Schluss gekommen, dass die kongolesische Tochtergesellschaft unter den gegebenen Umständen korrekt gehandelt habe.

Eine schwere Maschine lädt in Gabun Baumstämme in einen Anhänger.
Legende: Wie hier in Gabun wird auch im Kongo Tropenholz geschlagen. Keystone

Die ganze Geschichte ins Rollen gebracht hat die Umweltorganisation Greenpeace. Sie hatte eine Beschwerde beim FSC eingereicht. Danzer habe bei der Konfliktlösung völlig falsch gehandelt, sagt Asti Rösler von Greenpeace. «In der Demokratischen Republik Kongo weiss jeder, dass es zu Gewalt kommt, wenn man die Sicherheitskräfte ruft.» Auch Danzer wisse dies, schliesslich arbeite der Holzkonzern seit Jahrzehnten in dem Land.

Greenpeace spricht von «Hochrisiko-Gebieten»

Aber es gebe auch ein grundsätzliches Problem im Kongo: Seit Jahren halte Greenpeace fest, dass für diese «Hochrisiko-Gebiete» die FSC-Vorgaben nicht ausreichten. Es brauche dort spezielle Sicherheitsvorkehrungen. Rösler spricht damit die Rechtsunsicherheit und die grassierende Korruption im Kongo an.

FSC-Chef Carstensen sagt, man sei sich dessen bewusst und habe die Abläufe angepasst: Die Menschenrechte und die Rechte der lokalen Bevölkerung stünden heutzutage viel stärker im Fokus der Weltöffentlichkeit als noch vor 15 Jahren. Darauf müsse FSC reagieren.

Danzer will FSC-Label zurück

Auch Danzer hat reagiert – auf den Entzug des FSC-Labels: In einer Stellungnahme zeigt sich die Holzfirma bereit, die von FSC gestellten Bedingungen zu erfüllen, um das Label wieder zu erhalten. So muss Danzer etwa früher gemachte Versprechen wie den Bau einer Schule, eines Gesundheitszentrums und einer Strasse in Yalisika einhalten.

Auch wenn Danzer die Vorfälle im Kongo anders beurteile, unterstütze das Unternehmen die Massnahme, um die Reputation und die Marke FSC nicht zu beschädigen. Um die Glaubwürdigkeit zu unterstreichen, werde man für die Wiederaufnahme der Mitgliedschaft auch mit einem Friedensforschungsinstitut zusammenarbeiten, schreibt der Konzern weiter.

(sda/snep;lin)

4 Kommentare

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  • Kommentar von David Rothen, Bern
    80% der weltweiten Regenwälder werden für die Fleischindustrie gerodet, gar nicht wegen dem Holz. Die Schweizer Fleischindustrie importiert 95% des Futtermittelbedarfs aus dem Ausland, das meiste aus Südamerika und Asien. Die Schweizer Biofleischindustrie gar 96%. Man denke darüber nach...
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      D.Rothen,CHer Biofleischproduzenten müssen für Wiederkäuer zu 90% hofeigenes Rauhfutter verwenden,haben aber das Recht auf 10% Importkraftfutter,sofern es aus nachh.Bioproduktion stammt.Die Praxis zeigt aber,so die Kontrollstelle Bio Suisse,die meisten Biobauern kaufen kein Futter zu.Bei Bio-Hühnern(Poulet/Eierprod.)wären100%Importfutter aus finanz.Gründen erlaubt.Wie Sie aber ev.selber feststellten,Bio-Direktvermarkter verweigern Import,verkaufen darum auch kaum Pouletfleisch,zu teuer.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Alles, basiert heute auf "Menschenrecht". Der Begriff wird von linken Organisationen missbraucht, glaubte man doch bis jetzt, das FSC Label würde zum Schutz der Natur verwendet, also für eine artgerechte Nutzung von Holzressourcen zum Schutz der Wälder. Unglaublich! wie weit der Begriff Menschenrecht eskaliert. Man fragt sich, ob bald auch n anderen NATURSCHUTZorganisationen das Menschenrecht über den Naturschutz gestellt wird. Es wären dann keine Naturschutzorg. mehr.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    "Die Menschenrechte und die Rechte der lokalen Bevölkerung stünden heutzutage viel stärker im Fokus der Weltöffentlichkeit als noch vor 15 Jahren. Darauf müsse FSC reagieren." Mit anderen Worten, wenn niemand hingesehen hätte, wären dieser Firma solche Vorfälle schnorzegal gewesen. Deshalb sollte man nur Baumaterial, Möbel etc. aus CH-Holz beziehen. Und selbstverständlich möglichst alles andere auch!
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