Zum Inhalt springen

Wirtschaft Nationalbank hält an bisheriger Geldpolitik fest

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) lässt sich von den tieferen Zinsen in der EU nicht beirren. Geldpolitisch bleibt sie auf dem eingeschlagenen Weg. Das sei ein wichtiger Pfeiler der Geldpolitik, sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im Interview mit SRF.

Legende: Video «Interview mit Thomas Jordan, SNB-Präsident» abspielen. Laufzeit 5:34 Minuten.
Vom 17.03.2016.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bekräftigt ihre seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses geltende Geldpolitik ein weiteres Mal und bleibt dabei «unverändert expansiv»: Sie belässt das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25% bis -0,25% und den Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank bei -0,75%.

«Die Negativzinsen sind ein wichtiger Pfeiler unserer gegenwärtigen Geldpolitik», sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im Interview mit SRF. Denn der Franken sei nach wie vor deutlich überbewertet, so die SNB in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung. Der Negativzins mache Anlagen in Franken weniger attraktiv. Die Währungshüter belasten nämlich ab einem bestimmten Freibetrag Einlagen von Banken bei der SNB mit einer Gebühr von 0,75 Prozent.

Viele Institute geben den Strafzins zumindest an grosse Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen weiter. So will die Nationalbank erreichen, dass weniger Anleger ihr Geld in der Schweiz horten. Gleichzeitig bleibe sie am Devisenmarkt aktiv, um bei Bedarf Einfluss auf die Wechselkursentwicklung zu nehmen, so die SNB in einer Mitteilung.

Pessimistischere Konjunkturaussichten

Bezüglich Konjunkturentwicklung im laufenden Jahr ist die SNB etwas pessimistischer geworden und rechnet neu lediglich noch mit rund +1 bis 1,5%, nach «rund +1,5%» in der alten Prognose vom Dezember. Dazu SNB-Präsident Jordan: «Die Weltwirtschaft hat sich im ersten Quartal 2016 weniger gut entwickelt als wir dies angenommen hatten. In China, Europa und den USA ist das Wachstum tiefer ausgefallen. Weil dies wichtige Absatzmärkte sind, färbt dies auch auf das Wachstum in der Schweiz ab.»

Thomas Jordan mit geschlossenen Augen und ernstem Gesicht
Legende: Die SNB macht pessimistischere Konjunkturprognosen als bisher: SNB-Präsident Thomas Jordan. Keystone

Die Wirtschaftsdynamik in der Schweiz sei nicht breit abgestützt, so die SNB. Die Gewinnmargen vieler Unternehmen befänden sich immer noch unter Druck. Entsprechend seien die Investitionsneigung und die Arbeitsnachfrage gedämpft geblieben und die Arbeitslosenquote während der letzten Monate sei weiter leicht angestiegen.

Inflationsprognosen nach unten angepasst

Die Inflationsprognosen wurden gegenüber Dezember nochmals nach unten angepasst bzw. um ein Jahr erweitert. Für 2016 wird die Inflation im Durchschnitt bei -0,8% nach -0,5% und für 2017 bei +0,1% (alt: +0,3%) gesehen. Die Prognose von +0,9% für 2018 ist derweil neu. Die bedingte Inflationsprognose beruht auf der Annahme, dass der Dreimonats-Libor über den gesamten Prognosezeitraum unverändert bleibt.

Gemäss SNB hat sich die Tendenz zu einer abgeschwächten Dynamik der Immobilienpreise in den letzten Quartalen bestätigt. Auch das Wachstum der Hypothekarvolumen habe weiter leicht abgenommen. Allerdings seien die Ungleichgewichte auf diesen Märkten weiterhin vorhanden, weil sich die Fundamentalfaktoren vergleichsweise schwach entwickelt haben, geben die Währungshüter zu bedenken.

Die Nationalbank werde deshalb die Entwicklungen auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt weiterhin aufmerksam beobachten und regelmässig prüfen, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden müsse.

4 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Holzer (Peter Holzer)
    Irgendwann können wir mit den ganzen Euros die die NB in der Zwischenzeit besitzt ein grosses 1.August Feuer machen. Ich verstehe als Laie nicht genau wo dies hinführen soll und was man mit diesen Milliarden von Euros zu machen gedenkt?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Danke, SNB! Lasst Euch nie mehr als Gratis-Konjunkturversicherer zu Lasten des Volkes missbrauchen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Vogt (b.vogt)
    Im Sog der verrückten Geldpolitik der BOJ und der EZB, bleibt Jordan nichts anderes übrig als die Negativzinsen beizubehalten. Das tragische daran ist, dass der Franken gar nicht mehr so überbewertet ist. Wenn man bedenkt das er im Vergleich zum Euro gerade mal 10% stärker ist als noch vor 14 Monaten. Eine weitere Frage ist, ob Hr Jordan die extrem aufgeblähte Bilanz der SNB jemals wieder reduzieren kann, ohne dabei unweigerlich enorme Verluste einzufahren und der Fr. nach oben schiessen würde.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      Ich glaube, wir können nur noch abwarten der Dinge, die noch kommen werden und Tee trinken.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen