Neues Gesetz: Russen müssen Vermögen offenlegen

Russland steht vor einer Rezession. Die Regierung braucht Geld. Klar, dass sie da die Steuerzahler zur Kasse bittet – vor allem die Reichen. Ab dem 1. Januar müssen russische Staatsbürger und Unternehmen ihre Vermögen im Ausland offenlegen – und dieses Ausland ist in vielen Fällen die Schweiz.

Paradeplatz in Zürich, ein Mann mit Schirm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schweiz ist der grösste ausländische Finanzplatz für reiche Russen. Keystone

«Nun also auch Russland!» – das haben sich manche Schweizer Banker gedacht als im Oktober klar wurde, dass die Russische Regierung mit einem neuen Gesetz der Steuervermeidung im Ausland den Kampf ansagt.

Im Eiltempo durch die Duma gepeitscht, tritt das Gesetz bereits am 1. Januar in Kraft und beendet eine Ära auf dem Schweizer Finanzplatz. Die Ära des einfachen Geschäfts mit reichen Russen. Reiche Russen sind häufig nicht nur ein bisschen reich und haben lange Zeit wenig Fragen zu Gebühren und Renditen gestellt – Hauptsache ihr Geld lag in der Schweiz.

Wahl zwischen Erpressung und Gefängnis

Olga Boltenko arbeitet für die internationale Steuerrechtskanzlei Withers in Zürich. Wie viele russische Vermögen in der Schweiz liegen, will sie nicht schätzen: Doch sie bestätigt, die Schweiz ist der grösste ausländische Finanzplatz für reiche Russen.

Für sie alle sei das neue Gesetz, dass verlangt dass alle russischen Vermögen im Ausland offengelegt werden, eine schlechte Nachricht, ist Olga Boltenko überzeugt. Das Gesetz sei erstens schlecht gemacht und gebe den Behörden grossen Ermessensspielraum und zweitens habe ein solches Gesetz in Russland andere Auswirkungen als in andern Ländern.

Mit der Offenlegung ihres Vermögens würden Wohlhabende zur Zielscheibe von Erpressern und korrupten Beamten. Andererseits müsse – wer sich weigere, seine Vermögen zu deklarieren – mit bis zu sechs Jahren Gefängnis rechnen.

Mehr Vertrauen in Schweizer Berater

Victor Kuonen glaubt, dass das neue Gesetz vor allem seine Kunden treffe. Der ehemalige UBS-Banker ist seit zehn Jahren Partner einer Vermögensverwaltungsfirma, die sich auf osteuropäische Kunden spezialisiert hat. Reiche Russen brächten ihr Geld nicht in erster Linie in die Schweiz, weil sie keine Steuern darauf bezahlen möchten - dazu sei der aktuelle Satz von 13 Prozent viel zu tief - sondern, weil sie den Behörden im Heimatland nicht trauten.

Deshalb ist der Vermögensverwalter überzeugt, dass nur wenige russsiche Kunden ihr Geld effektiv abziehen werden – der Transfer nach Russland sei aus den genannten Gründen nicht attraktiv und vor allem langjährige Kunden würden den Schweizer Beratern wohl treu bleiben.

Ähnlich tönt es bei den im Geschäft mit russischen Kunden aktiven Banken, die sich allerdings nicht öffentlich dazu äussern wollen. Niemand will sich zum Fenster hinauslehnen. Der unabhängige Vermögensverwalter Kuonen hofft, dass sich die Banken nun nicht vorauseilend gehorsam zeigten.

Abwarten und auf Moskau schauen

Die Banken könnten seiner Meinung nach – aus Angst vor Druck aus Bern oder Moskau – von ihren russischen Kunden verlangen, schneller und umfassender ihre Vermögen zu deklarieren und so russische Vermögen unnötig vertreiben.

Vorläufig warten alle Seiten ab, wie ernst es der russischen Regierung mit der Umsetzung des neuen Gesetzes ist. Je nach dem ob Moskau in den nächsten Monaten an einem prominenten Steuersünder ein Exempel statuiert oder nicht, könnte auch auf dem Schweizer Finanzplatz noch Hektik aufkommen.