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Wirtschaft Neues Gesetz: Russen müssen Vermögen offenlegen

Russland steht vor einer Rezession. Die Regierung braucht Geld. Klar, dass sie da die Steuerzahler zur Kasse bittet – vor allem die Reichen. Ab dem 1. Januar müssen russische Staatsbürger und Unternehmen ihre Vermögen im Ausland offenlegen – und dieses Ausland ist in vielen Fällen die Schweiz.

Paradeplatz in Zürich, ein Mann mit Schirm.
Legende: Die Schweiz ist der grösste ausländische Finanzplatz für reiche Russen. Keystone

«Nun also auch Russland!» – das haben sich manche Schweizer Banker gedacht als im Oktober klar wurde, dass die Russische Regierung mit einem neuen Gesetz der Steuervermeidung im Ausland den Kampf ansagt.

Im Eiltempo durch die Duma gepeitscht, tritt das Gesetz bereits am 1. Januar in Kraft und beendet eine Ära auf dem Schweizer Finanzplatz. Die Ära des einfachen Geschäfts mit reichen Russen. Reiche Russen sind häufig nicht nur ein bisschen reich und haben lange Zeit wenig Fragen zu Gebühren und Renditen gestellt – Hauptsache ihr Geld lag in der Schweiz.

Wahl zwischen Erpressung und Gefängnis

Olga Boltenko arbeitet für die internationale Steuerrechtskanzlei Withers in Zürich. Wie viele russische Vermögen in der Schweiz liegen, will sie nicht schätzen: Doch sie bestätigt, die Schweiz ist der grösste ausländische Finanzplatz für reiche Russen.

Audio
Das Geschäft mit den Russen wird schwieriger
03:53 min, aus Echo der Zeit vom 28.12.2014.
abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.

Für sie alle sei das neue Gesetz, dass verlangt dass alle russischen Vermögen im Ausland offengelegt werden, eine schlechte Nachricht, ist Olga Boltenko überzeugt. Das Gesetz sei erstens schlecht gemacht und gebe den Behörden grossen Ermessensspielraum und zweitens habe ein solches Gesetz in Russland andere Auswirkungen als in andern Ländern.

Mit der Offenlegung ihres Vermögens würden Wohlhabende zur Zielscheibe von Erpressern und korrupten Beamten. Andererseits müsse – wer sich weigere, seine Vermögen zu deklarieren – mit bis zu sechs Jahren Gefängnis rechnen.

Mehr Vertrauen in Schweizer Berater

Victor Kuonen glaubt, dass das neue Gesetz vor allem seine Kunden treffe. Der ehemalige UBS-Banker ist seit zehn Jahren Partner einer Vermögensverwaltungsfirma, die sich auf osteuropäische Kunden spezialisiert hat. Reiche Russen brächten ihr Geld nicht in erster Linie in die Schweiz, weil sie keine Steuern darauf bezahlen möchten - dazu sei der aktuelle Satz von 13 Prozent viel zu tief - sondern, weil sie den Behörden im Heimatland nicht trauten.

Deshalb ist der Vermögensverwalter überzeugt, dass nur wenige russsiche Kunden ihr Geld effektiv abziehen werden – der Transfer nach Russland sei aus den genannten Gründen nicht attraktiv und vor allem langjährige Kunden würden den Schweizer Beratern wohl treu bleiben.

Ähnlich tönt es bei den im Geschäft mit russischen Kunden aktiven Banken, die sich allerdings nicht öffentlich dazu äussern wollen. Niemand will sich zum Fenster hinauslehnen. Der unabhängige Vermögensverwalter Kuonen hofft, dass sich die Banken nun nicht vorauseilend gehorsam zeigten.

Abwarten und auf Moskau schauen

Die Banken könnten seiner Meinung nach – aus Angst vor Druck aus Bern oder Moskau – von ihren russischen Kunden verlangen, schneller und umfassender ihre Vermögen zu deklarieren und so russische Vermögen unnötig vertreiben.

Vorläufig warten alle Seiten ab, wie ernst es der russischen Regierung mit der Umsetzung des neuen Gesetzes ist. Je nach dem ob Moskau in den nächsten Monaten an einem prominenten Steuersünder ein Exempel statuiert oder nicht, könnte auch auf dem Schweizer Finanzplatz noch Hektik aufkommen.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von peter müller , zürich
    Es wird die Schweiz deutlich weniger treffen als Zypern oder die Cayman sowie Jersey. Primär reduziert Russland die Möglicheit bei Eigentumsrechten an externen Firmen wo der Satz von 25 auf 10% reduziert wird. Der Prozess ist seit 2012 im Gange also keinesfalls neu. Firmen haben die Möglichkeiten kleine Zwischenfirmen zu schliessen und zu integrieren. Die Kapitalanlage selber ist nicht betroffen bisher. Liegt die Gewinn-Steuer im Ausland bis 75% ist die Anlage in Russland nicht pflichtig.
  • Kommentar von E. Beeler , Luzern
    Wieso müssen die Russen erst jetzt ihr Vermögen offen legen?? Lustiger Kommunismus!?! Die Schweizer/Innen müssen ihr Vermögen schon seit Jahrhunderten offen legen!
    1. Antwort von O. Toneatti , Bern
      Beeler@ Ihr Beitrag: Die Schweizer|nnen müssen ihr Vermögen offenlegen. Sie hätten schreiben sollen MUESSTEN offen legen. Meinen Sie sicht auch? mfg OT
    2. Antwort von E. Beeler , Luzern
      @O. Toneatti, Bern. Da kann ich Sie beruhigen, solange die Vermögenssteuer in der Schweiz z. B. bei 1 Mio. CHF weiterhin bei ca. 0,3% bleiben, gibt es weder falsche Anreize noch Nutzen für evt. Nichtdeklarierung des Vermögens. Ganz im Gegensatz zu ca. 90% aller EU-Staaten, welche die Vermögenssteuer, im Gegensatz zur Schweiz, gänzlich abgeschafft haben!!!
    3. Antwort von O. Toneatti , Bern
      Beeler@ Sie können sich in der Schweiz mit z.B. ausländischen Wertschriften, die keiner Verrechnungssteuer unterliegen, ein grosses Vermögen anhäufen und dann dieses überhaupt nicht deklarieren. Wie gesagt, sie können das so machen, müssen aber nicht. Meinen Sie nicht auch? mfG OT
    4. Antwort von E. Beeler , Luzern
      @O. Toneatti, Bern: ..wenn dies jemand macht, dann macht er Selbstüberlistung; weil es weder Sinn macht -noch Nutzen bringt...:-)
  • Kommentar von Stanic Drago , Delemont
    Diese Sanktionen werden jetzige Verhältnis zu Europa für immer verändern. Verträge, die unsere Firmen mit Russen Abschliessen , werden gewisse Klausel beinhaltet, die bei Nichterfüllung sehr schmerzhaft sein werden. Vertrag über Gaslieferung über Ukraine leuft 2018 aus und es wird nicht verlängert. Haben Sie gewusst, dass Import alle Agrar Produkte Aus Afrika würde über EU durchgeführt. Jetzt machen es Russen ohne EU. Wieder Fuß an russischen Markt zu fassen wird für viele sehr schwer.