Zur Ökonomie des Klimawandels Nicholas Stern: «Die Emissionen kosten noch zu wenig»

Der sogenannte Stern-Report sorgte vor zehn Jahren für grosses Aufsehen, weil er unmissverständlich aufzeigte, dass der Kampf gegen den Klimawandel ökonomisch Sinn macht. Zehn Jahre später hat der Autor die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

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Bildlegende: CO2 müsse einen Preis bekommen, fordert Nicholas Stern. Keystone / Archiv

Das Wichtigste in Kürze:

  • Vor zehn Jahren veröffentlichte der damalige Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, den Bericht «Die Ökonomie des Klimawandels». Darin hielt er fest, dass der Klimawandel nicht nur ein Thema der Wissenschaft sei, sondern dass er alle angehe, die Wirtschaft inklusive.
  • Nach seinem damaligen Modell müsste die Wirtschaft ein Prozent ihrer Leistung in Klimamassnahmen stecken, um die Erderwärmung zwischen zwei und drei Grad zu halten.
  • Zehn Jahre später stellt Stern fest, dass das Marktversagen nicht so stark korrigiert wird, wie es sollte. Er hat aber Hoffnung, dass sich das ändert, wenn China dem CO2 einen Preis gibt.

«Der Klimawandel ist die Folge des grössten Marktversagens, dass die Menschheit je in Kauf genommen hat», schrieb der frühere Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern vor zehn Jahren. Der sogenannte Stern-Report sorgte für grosses Aufsehen, weil er unmissverständlich aufzeigte, dass der Kampf gegen den Klimawandel ökonomisch Sinn ergibt.

Das Versagen der Märkte

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Der Markt als Klimaretter?

Nicht pessimistisch ist Stern in Bezug auf den künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Wenn die globale Klimapolitik ihre Ziele konsequent weiter verfolge, werde der Markt dafür sorgen, dass der Unternehmer Trump als US-Präsident klimafreundlich entscheide. «Warum sollte er die Infrastruktur nicht modern, sauber und intelligent bauen?» fragt Stern.

Nie in der Geschichte der Menschheit hätten die Märkte derart versagt wie beim Ausstoss von Treibhausgasen, sagt der Professor der London School of Economics und frühere Chefökonom der Weltbank. Er meint damit, dass wir alle Treibhausgase ausstossen und unter den Konsequenzen leiden und dass der Markt trotzdem nicht darauf reagiert.

Er betonte, dass der Klimawandel nicht einfach ein Thema für die Wissenschaft sei, sondern für die ganze Gesellschaft, inklusive der Wirtschaft. Denn – so die Schlussfolgerung des Stern-Reports – nichts tun kommt deutlich teurer als handeln gegen den Klimawandel.

Nach Sterns Modell müsste die Weltgemeinschaft etwa ein Prozent der Wirtschaftsleistung in Klimamassnahmen stecken, um die Erderwärmung zwischen zwei und drei Grad zu halten. Das wäre eine grosse Investition, die aber weit günstiger komme als die zu erwartenden Schäden durch Dürre, Hochwasser, Wind, Hitze oder Kälte.

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Bildlegende: Lord Nicholas Stern, Verfasser des «Stern-Reports». Der Markt habe noch zu wenig reagiert, stellt er fest. Archivbild. Keystone

Emissionen seien viel zu günstig, wenn nicht gar ohne Preis

Nur etwa 13 Prozent der weltweiten Emissionen hätten überhaupt einen Preis, stellt Nicholas Stern heute fest. Nur an wenigen Orte also bezahlt derjenige, der Treibhausgas ausstösst, einen Preis für den Schaden, den er anrichtet. Das genüge bei weitem nicht. «Wir korrigieren das Marktversagen nicht in dem Masse, in dem wir sollten», sagt Nicholas Stern.

Er hat die Hoffnung auf eine grössere Korrektur aber noch nicht aufgegeben: «Wenn China in den kommenden Jahren, wie die EU, Kanada oder die Schweiz dem CO2 einen Preis gibt, dann werden weltweit bald ein Viertel der Emissionen gedeckt sein», so Stern. Allerdings müsse der Preis, den Emissionen haben, deutlich in die Höhe getrieben werden. Auf dem aktuellen Niveau sei der Preis häufig noch viel zu tief, so werde das Marktversagen nicht korrigiert. Die Politik müsse eine angemessene Abgabe auf CO2 erheben, sagt Stern.

Stern sitzt selbst im britischen House of Lords, das ist die zweite Kammer des britischen Parlaments. Würde die Politik das CO2 angemessen verteuern, so würden einige Bereiche der Wirtschaft leiden, andere aber, die klimafreundlichen, würden stark profitieren.