Pharma-Firmen sind Aufputschmittel für die Wirtschaft

Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal stärker gewachsen als erwartet: Das Bruttoinlandprodukt ist im Vergleich zum Vorquartal um 0,6 Prozent gestiegen. Eine Stütze der Wirtschaft sind die Pharmaunternehmen und die Staatsausgaben, die Konsumenten hingegen sparen.

Mann sitzt an Fliessband. Produktionshalle eines Pharmaunternehmens. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Produktion von Medikamenten hält die Wirtschaft in Schwung. Keystone

Wenn man an die Wirtschaft denkt, dann denkt man häufig zuerst an grosse Industriehallen, Banken, Versicherungen und so weiter. Etwas weniger im Vordergrund stehen Medikamente. Für die Schweizer Wirtschaft wird der Gesundheitsbereich allerdings immer wichtiger. Im ersten Halbjahr sind die Exporte der chemischen und pharmazeutischen Firmen um 15 Prozent gestiegen, wie die eidgenössische Zollverwaltung bereits mitgeteilt hatte. Der Anteil der chemisch-pharmazeutischen Industrie an den Exporten liegt nun bereits bei 45 Prozent.

Der Boom in der Gesundheitsbranche führt dazu, dass die Exporte insgesamt einen positiven Wachstumsbeitrag zum Bruttoinlandprodukt der Schweiz beitragen. Die Warenexporte aller Schweizer Firmen sind im zweiten Quartal um 0,8 Prozent gewachsen.

Steigende Ausgaben beim Staat

Zur Stütze der Wirtschaft trägt derzeit auch der Staat bei, der Staatskonsum ist im ersten Quartal um 1,7 Prozent gestiegen. Gemäss Simon Jäggi, dem stellvertretenden Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) gibt es zwei Faktoren, die für das Wachstum der Staatsausgaben ausschlaggebend gewesen sind: Zum einen ist die Zahl der Beschäftigten im Bildungs- und Gesundheitswesen gestiegen und zum anderen geben die Kantone und Sozialversicherungen mehr Geld aus.

Schwacher Konsum

Die wichtigste Komponente des Bruttoinlandproduktes, der Konsum, hat im zweiten Quartal einen Dämpfer erlitten und ist stagniert. Gemäss Karsten Junius, Chefökonom der Bank Safra Sarasin, wirkt sich die Unsicherheit am Arbeitsplatz auf das Konsumverhalten aus. In den vergangen Monaten seien Arbeitsplätze gestrichen worden und deshalb seien die Konsumenten zurückhaltender mit dem Kauf von neuen Produkten. Allerdings sei nur mit einem vorübergehenden Dämpfer bei den Konsumausgaben zu rechnen.

Frankenschock überwunden

Die neuen Zahlen zum Wachstum zeigen, dass die Schweizer Wirtschaft den Frankenschock nun allmählich überwunden hat. Nachdem die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 die Untergrenze des Wechselkurses des Frankens zum Euro fallen liess, reagierten die Unternehmen zunächst mit Sparmassnahmen. Allein die Industrieunternehmen haben im vergangenen Jahr mehrere Tausend Stellen gestrichen. Im ersten Quartal 2015, nach dem Entscheid der Nationalbank, schrumpfte die Schweizer Wirtschaft denn auch um 0,4 Prozent. Seither gab es aber kein Quartal mehr mit negativer Wachstumsrate.