Pilotenverband wirft Swiss Ignoranz vor

Die Swiss will den Gesamtarbeitsvertrag mit dem Pilotenverband Aeropers per Ende November 2016 auflösen. Der Pilotenverband reagiert verärgert auf die Ankündigung. Der Entscheid zeuge von mangelndem Respekt.

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Lohnstreit bei Swiss

2:08 min, aus Tagesschau vom 22.9.2014

Der Pilotenverband Aeropers zeigt sich überrascht und empört von der Kündigung des Gesamtarbeitsvertrages durch die Swiss. Dies sei ein weiteres Zeichen der Ignoranz des Swiss-Managements gegenüber der Sozialpartnerschaft, erklärte Sprecher Tobias Mattle.

Die Swiss hatte am Morgen mitgeteilt, den Gesamtarbeitsvertrag «GAV 2011» aufgrund unüberbrückbarer Differenzen in wesentlichen Diskussionspunkten sowie der wiederholten Ankündigung von gerichtlichen Schritten durch Aeropers gegen die Swiss vorsorglich auf Ende November 2016 zu kündigen.

Unter anderem gehe es um eine Produktivitätssteigerung, zusätzliche Flexibilisierung, mehr unternehmerische Freiheiten und punktuell auch um Salärthemen, sagt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek zur Radio SRF.

«Kein Grund zur Eile»

Aufgrund der noch langen Laufzeit habe gar kein Grund zur Eile bestanden, sagt Aeropers-Sprecher Peter Schmid. Die Auffassung von unüberbrückbaren Differenzen teile er nicht: Der Verband habe seinerseits sozialpartnerschaftlich verhandelt.

So habe das jüngste Angebot eine Bereitschaft zur langfristigen Einsparung von sechs Prozent des Gesamtaufwandes enthalten: «Das ist mehr, als das Management bei den eigenen Salären zu kürzen bereit ist.» Mit der GAV-Kündigung habe die Swiss aber lieber den Weg des Konflikts gewählt.

Schmids Aeropers-Kollege Mattle kritisierte weiter, dass das Swiss-Management mit der überraschenden GAV-Kündigung den Respekt vor Schweizer Werten vermissen lasse. Dieser Umgang mit den Mitarbeitern zeige einmal mehr, weshalb die Angestellten kein Vertrauen mehr in die Geschäftsleitung setzten.

Swiss zeigt sich «gesprächsbereit»

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Piloten besänftigen

Im Ausland wehrten sich jüngst sowohl die Piloten der Swiss-Muttergesellschaft Lufthansa als auch diejenigen der Air France mit Streiks gegen geplante Sparmassnahmen sowie den Ausbau von Billigfluglinien. Beide Fluggesellschaften signalisierten am heutigen Montag, einen Schritt auf die Piloten zugehen zu wollen.

Nachdem eine Einigung bereits im Frühjahr gescheitert war, haben auch die seit Juli laufenden Gespräche zu keinem Ergebnis geführt, erklärte die Swiss. In Hinblick auf bevorstehende Milliardeninvestitionen in die neue Flugzeugflotte mit Bombardier CSeries, Beoing 777 und Airbus A320neo sei die Swiss auf «zukunftsfähige Rahmenbedingungen angewiesen, um nachhaltig Arbeitsplätze zu sichern», hiess es weiter.

«Wir sind offen für Gespräche, aber diese Gespräche müssen zielfördernd sein», sagt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek weiter. Zudem ermögliche der mit dem zweiten Pilotenverband IPG abgeschlossene Gesamtarbeitsvertrag weiterhin auch eine Integration von Aeropers-Piloten, erklärte die Fluggesellschaft weiter. Trotz der vorsorglichen Kündigung gelte bis zum Ablauf des GAV die absolute Friedenspflicht, die einen Pilotenstreik ausschliesse, hält die Swiss weiter fest.