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Wirtschaft Plündert Griechenland seine Rentenkassen?

Eigentlich versprach die Linksregierung in Griechenland, die Reichen zur Kasse zu bitten. Doch nun sollen einmal mehr die einfachen Leute bluten – unter anderem mit dem Griff in die Pensionskassen will Griechenland bis im Mai seinen dringendsten Zahlungsverpflichtungen nachkommen.

Hände greifen nach Euro-Scheinen.
Legende: Aufforderung von der Regierung: Private Pensionskassen sollen Geld an die griechische Zentralbank überweisen. SRF

Griechenland kratzt die letzten Notgroschen zusammen – 400 Millionen hat eine staatliche Rentenkasse letzte Woche an die griechische Zentralbank überwiesen.

Peter Zanella arbeitet für den internationalen Beratungskonzern Towers Watson. Er warnt vor dem Griff in den Vorsorgetopf. «Mittel- bis langfristig ist klar, was das bedeutet: Jeder Staatsbürger weiss, diesem Staat ist nicht zu trauen. Ich weiss nicht, ob dieses Geld, das ich vielleicht gezwungen bin einzuzahlen, mir später zur Verfügung steht, wenn ich es brauche. Was ist die Konsequenz? Kapitalflucht.»

Der Griff in die Rentenkassen ist im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise fast schon Mode geworden:

  • Argentinien plünderte 2008 die staatliche Pensionskasse. 30 Milliarden Dollar holte sich Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner für laufende Staats-Ausgaben und um Steuerausfälle zu kompensieren.
  • Irland brauchte 2009 und 2010 insgesamt 6,9 Milliarden aus dem Nationalen Reservefonds der Pensionskassen, um im Zuge der Finanzkrise die Banken zu retten.
  • Spanien war 2014 so klamm, dass aus dem staatlichen Reservefonds der Pensionskassen gar 60 Milliarden Euro zweckentfremdet wurden, um mit dem Kauf eigener Staatsanleihen die Staats-Schulden zu reduzieren; und für dringend notwendige Sofortzahlungen.

Die Liste liesse sich um mehrere Staaten verlängern.

Bisher hat kein Staat das abgezogene Geld zurückbezahlt, erklärt die britische Pensionskassen-Expertin Ros Altmann: «Die Guthaben wurden ganz einfach enteignet. Gewöhnlich wurde im Gegenzug ein neues staatliches Rentensystem versprochen, das in Zukunft geschaffen werden sollte.»

Rentner protestieren auf der Strasse.
Legende: Vor allem auch Rentner spüren die Krise im Portemonnaie – und wehren sich auch auf der Strasse dagegen. Keystone

Bürger Griechenlands trauen ihrem Staat längst nicht mehr

In Griechenland wird sollen nun private Pensionskassen Geld an die Zentralbank überweisen, im Austausch gegen Bonds.

Tasos Giatis ist Präsident des Bankangestellten-Verbands und sitzt im Verwaltungsrat der Pensionskasse der Alpha-Bank, der zweitgrössten griechischen Bank. Er wehrt sich dagegen, dass seine Pensionskasse Geld an die Zentralbank überweist. «Diese Einlagen in die griechische Zentralbank sind weder garantiert noch sonstwie abgesichert», sagt Giatis. «Sie dienen dazu, laufende Rechnungen zu begleichen, also Löhne und heutige Renten zu bezahlen. Und was passiert, wenn Griechenland sich nicht mit seinen Gläubigern nicht einigen kann? Was passiert dann mit unserem Geld?»

Die Bürger Griechenlands trauen ihrem Staat längst nicht mehr. Freiwillig werde keine private Pensionskasse dem Staat Geld aushändigen, so Tasos Giatis. Er befürchtet aber, der Staat könnte sie mit einem neuen Gesetz dazu zwingen.

Ob eine Plünderung der Pensionskassen das Land vor dem Bankrott bewahren kann, darf bezweifelt werden.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Griechenland, Japan, USA, Italien, Frankreich, Spanien u.a.: völlige Ratlosigkeit bzw. Kopf in den Sand - Politik. Es ist nun mal so: mit den Rezepten, welche zu der Schulden- und Vermögenskrise geführt haben, wird man daraus keinen Ausweg finden. Es sind wirklich neue Wege gefragt. Und es wird allen etwas kosten. Die Frage ist nur: gibt es ein geordneter, möglichst gerechter, friedlicher Ausweg an dem sich alle beteiligen oder läuft der Resset chaotisch, gewalttätig oder sogar kriegerisch ab?
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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Griechenland erscheint einem immer mehr als die "Negativ-Nabe" der ganzen Seifenblase EU! Früher oder später wird nicht nur die "Wiege" einer einstigen kulturell hoch stehenden Gesellschaft (eben die Griechen!) total verarmt und bankrott sein, sondern das ganze "marode" EU-Getue! Es ist unglaublich, dass es trotzdem in der Schweiz immer noch einige blinde "EU-Turbos" gibt (ca. 10-15% der Stimmbürger(innen) ), die unser weltweit wohlhabendstes Land in dieses "Kartenhaus" EU einbinden wollen!
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Nun, wenn, denn hat auch die Deutsche Regierung für eine schwarze Null, man aber viele Projekte wie Mütter-Rente, Familienzulagen usw. trotzdem finanzieren wollte, die Rentenkassen geplündert. Ausbaden dürfen es dann Nachfolge-Generationen. Deshalb hält man auch an der PFZ unbedingt fest. Zugewanderte Arbeitnehmer sollen jetzt diese durch ihre Rentenzahlungen wieder auffüllen helfen. Dass diese aber dann auch in Rente gehen vergisst man. Das ganze gleicht einem Schneeball-System.
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