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Wirtschaft Postauto-Unternehmen sehen Rot statt Gelb

Viele Postauto-Linien werden von privaten Unternehmen im Auftrag von Postauto Schweiz betrieben, einer Tochtergesellschaft der Post. In jüngerer Vergangenheit verlängerte Postauto Schweiz die Verträge mit einigen Firmen nicht mehr.

Postauto auf Passstrasse.
Legende: Fast hört man ihn schon, den berühmten Dreiklang der Postautos. In den Unternehmens-Strukturen herrscht weniger Idylle. Keystone

Mit fast 12‘000 Streckenkilometern ist Postauto Schweiz einer der grössten Verkehrsanbieter der Schweiz. Was weniger bekannt sein dürfte: Viele Linien werden im Auftrag von Postauto Schweiz von privaten Postauto-Unternehmen geführt. Derzeit sind dies fast 150 Firmen, meist regional verankerte Fuhrhalterbetriebe in dritter oder vierter Generation.

Dominik Steiner
Legende: «Wir haben beinahe schon gelbes Blut.» Dominik Steiner, Steiner Bus. SRF

Zum Beispiel die Steiner Bus im bernischen Ortschwaben. Inhaber und Geschäftsführer Dominik Steiner hat rund 20 Busse und beschäftigt 60 Angestellte – eine mittelgrosse Firma mit 6 Millionen Franken Umsatz. Sein Grossvater hat bereits 1929 vom Kanton Bern einen Postführungsvertrag (Konzession) von Bern nach Meikirch erhalten.

«Früher musste man sich nie Gedanken machen»

Über lange Zeit war das Verhältnis zwischen Postauto Schweiz und den Postauto-Unternehmen partnerschaftlich. «Wenn man seine Arbeit gut erledigte, liefen die Verträge weiter. Da musste man sich nie Gedanken machen», sagt Dominik Steiner. «Heute wird jeder Postauto-Unternehmer neu beurteilt, ob man mit diesem noch zusammenarbeiten möchte oder nicht. Das bringt grosse Unsicherheit unter allen Unternehmern.»

Dominik Rimle
Legende: Postauto gibt den Kostendruck weiter. Dominik Rimle: «Dass dies nicht nur Freude bereitet, ist klar.» SRF

Simon Rimle, Kommunikationschef von Postauto Schweiz, räumt ein, dass die Verhandlungen härter geworden seien, doch nicht ursächlich wegen Postauto Schweiz: «Der Kostendruck auf uns hat zugenommen und wir geben ihn weiter an unsere Postauto-Unternehmen. Dass dies nicht nur Freude bereitet, ist klar.»

Aussortiert trotz korrekter Arbeit

In jüngerer Vergangenheit verlängerte Postauto Schweiz Verträge mit einigen Postauto-Unternehmen nicht mehr. Jüngster Fall ist der Betrieb von Ulrich Lengacher in Wichtrach bei Thun. Der Hintergrund: 2017 werden diverse Linien vom Kanton Bern neu ausgeschrieben. Postauto Schweiz steht dabei in Konkurrenz mit anderen Verkehrsanbietern wie beispielswiese Bern Mobil.

Ulrich Lengacher als regionaler Anbieter, dessen Firma seit 1961 im Auftrag der Post fährt, war bei der Ausarbeitung der Offerte von Postauto Schweiz an den Kanton mit an Bord. «Kurz vor der Eingabe der Offerte eröffnete uns aber die Regionen-Leiterin von Postauto Schweiz, dass sie eine Regie-Offerte machen werden, dass Postauto Schweiz also diese Linien selber betreiben will – und wir als Postauto-Unternehmen keinen Vertrag mehr haben werden», sagt Ulrich Lengacher.

Ulrich Lengacher
Legende: Ulrich Lengacher: «Wir haben für knapp eine Million gebaut.» SRF

Dies sei für ihn absolut nicht nachvollziehbar. Man habe nie Differenzen weder mit Postauto Schweiz noch mit den Behörden gehabt und all die Jahre sauber und korrekt gearbeitet.

Simon Rimle begründet den Entscheid gegen die Firma Lengacher damit, dass man in diesem Fall mit einem Regie-Fahrdienst das Leistungsvolumen möglicherwiese verdoppeln könne.

Familienunternehmen tragen zum Image bei

Mit sieben Bussen und 23 Angestellten ist das Postauto-Unternehmen Lengacher eher klein. Doch der Patron hat vor Jahren eine Million Franken in eine neue Liegenschaft – Werkstatt und Busdepot – investiert und auch die personellen Strukturen für eine Vergrösserung der Firma angepasst, in der Hoffnung, weiter Vertragspartner von Postauto Schweiz bleiben zu können. Ein guter Teil der Investition wurde zudem aus dem Familienvermögen finanziert.

Der steigende Kostendruck belastet das Verhältnis zwischen Postauto-Unternehmen und Postauto Schweiz zunehmend. Dabei tragen viele dieser Betriebe zum guten Image der Postautos bei. Dominik Steiner sagt: «Wir sind nicht nur Lieferanten. Wir sind Partner, die in einer Region leben, mit den Menschen, die hier wohnen. Und die fragen uns auch am Sonntag, wenn etwas ist und sie ein Problem haben.» Man sei als Familienbetrieb wesentlich mehr engagiert als ein normaler Lieferant. Seit Generationen.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Alfred Reist (Fredi)
    Und dennoch sind alle für die Privatisierung von öffentlichen Betrieben weil sie glauben, dass es dann billiger werde, was ich noch nie erlebt habe !!!
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Das ist die neoliberale Wirtschaftsentwicklung - und die ist von unserer "Elite" erwünscht. Diese Form der Politik vertritt nicht die Interessen der normalen Bürger. Die Gewinne werden privatisiert - und die Kosten sozialisiert. Gleiches Vorgehen : Die AXPO will die Kosten für den Rückbau seines AKWs dem Steuerzahler aufhalsen - und kommt im Parlament damit , durch excellentes Lobbying, vielleicht sogar durch! So können weiter Millionenlöhne, -Boni und/oder goldene Fallschirme ausbezahlt werden.
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  • Kommentar von Nicole Meier (Oliv)
    Zum Wohl des Profits! Wessen Profits? Des Aktionärs der ohne Finger krümmen einen Haufen Geld einstreichen will? Genau! Dem sind die kleinen Leute wurscht! Danke Aktienmarkt, danke Privatisierung, ...
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