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Purzeln jetzt die Preise? Die Post hilft Amazon auf den Schweizer Markt

Der gelbe Riese spannt bei Verzollung und Spedition mit dem US-Onlineversandhaus zusammen. Den Kunden freut's.

Legende: Audio Post und Amazon spannen zusammen abspielen. Laufzeit 03:42 Minuten.
03:42 min, aus Rendez-vous vom 28.03.2018.

Darum geht es: Wer etwas online im Ausland bestellt, kennt das Problem: Das Produkt ist günstiger als in der Schweiz. Man bezahlt prompt, doch bei der Auslieferung kommt dann die böse Überraschung: Zollgebühren und Mehrwertsteuer fallen an – und die machen die Einsparung grad wieder wett. Damit soll jetzt Schluss sein: Die Post und der US-Onlinehändler Amazon haben vereinbart, Zollgebühren und Mehrwertsteuer direkt abzurechnen.

So kam es zur Allianz: Amazon kann den Schweizer Markt damit einfacher beliefern. Ausgerechnet die staatsnahe Post bringt damit eine neue Dynamik in den Schweizer Detailhandel: «Das mag auf den ersten Blick für Stirnrunzeln sorgen», sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim. Aber in der Schweiz herrsche bei der Paketszustellung seit 2004 ein freier Markt: «Wenn die Post Amazon nun ein Gesamtpaket anbietet, das die Verzollung und Spedition der Pakete beinhaltet, tut sie das als einer von vielen Anbietern.»

Kein Präzedenzfall: Deswegen sagt Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post, gegenüber SRF News auch: «Wenn es die Schweizerische Post nicht macht, macht es mit grosser Freude die Konkurrenz – seien es die deutsche, französische Post in der Schweiz oder UPS.» Ein solches Dienstleistungspaket hat die Post auch schon mit anderen ausländischen Online-Anbietern abgeschlossen, beispielsweise mit dem Modeversandhändler Zalando mit Sitz in Berlin.

Paket-Boom in der Schweiz: Die vertraglichen Details der Vereinbarung zwischen Amazon und der Post sind nicht bekannt. «Diese Dienstleistung ist aber ganz klar ein Geschäft für die Post», sagt Heim. Die Post rechne damit, dass der Online-Handel weiter stark zunehme. Das belegen auch die jüngsten Zahlen: «Allein im vergangenen Jahr hat die Post 130 Millionen Pakete transportiert. Noch 2015 waren es erst 115 Millionen.» Aufgrund der Zunahme hat die Post auch die bestehenden Paketzentren erweitert, und baut gleichzeitig drei weitere.

Legende:
Marktvolumen im Online- und Versandhandel Umsatz in Mrd. CHF Quelle: VSV

Die Konkurrenz nimmt es zur Kenntnis: Die Branche sei nicht überrascht über die Ankündigung, sagt Heim. Zudem sei der Schweizer Onlinehandel ein Wachstumsmarkt, der derzeit vielen Anbietern Platz biete: «Spannend wird es aber, wenn der Kuchen nicht mehr grösser wird. Dann dürfte es unweigerlich zu Zusammenschlüssen kommen», prognostiziert Heim. Mehr noch als der Onlinehandel dürfte der erleichterte Marktzugang des US-Riesen allerdings die klassischen Läden treffen, glaubt der SRF-Wirtschaftsredaktor: «Der stationiäre Handel ist ohnehin im Umbruch.»

Gute Nachrichten für die Kunden: Die Kunden dürfen sich allerdings freuen: Denn mehr Wettbewerb bedeutet auch mehr Preisdruck: «Das zeigt sich beispielhaft bei Elektronikartikeln. Es gibt derart viele Online-Shops in der Schweiz, dass etwa die Preise für Kameras oder Fernseher fast nirgends in Europa so tief sind wie bei uns», sagt Heim. Nun liefere Amazon ausländische Produkte zu ausländischen Preisen in die Schweiz: «Das dürfte dazu führen, dass viele Produkte in der Tendenz günstiger werden.»

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Beni G. (Benig)
    Wir haben es alle selber in der Hand :) Ich nutzte Zalando bis jetzt 1x, aber im Nachhinein ist man schlauer. Kein Rappen von dem was man an Zalando zahlt bleibt in der Schweiz- ok das wenige was die Post verdient schon. Zalando ist nicht mal billig, man bestellt halt dort aus Faulheit. Wenn Ihr schon online einkaufen wollt dann nutzt doch wenigstens die CH Läden. Am Ende gibt es sonst nur immer mehr Arbeitslose, Sozialfälle etc. und das kostet halt dann jeden einzelnen durch Steuern etc.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Wenn ich etwas im Onlinehandel bestelle, dann nur weil ich es bei mir im Ort nicht finden kann, oder es im Laden sehr überteuert ist. Sonst bevorzuge ich das Geschäft vorort. Ausländische Plattformen wie Amazon und Zalando u.a. sind für mich tabu. Wir sollten nicht noch mehr Lädelisterben verursachen und uns dann beschweren, dass diese Geschäfte weg sind. Auch die Arbeitsplätze sind nicht zu vergessen, die wir vernichten und die Milliarden die die ins Ausland gehen auch Einkauf über die Grenze.
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  • Kommentar von Walter Freiburghaus (sophisticated)
    Vielleicht verstehen wir jetzt etwas besser warum Präsident Trump mindestens moderate Zölle auf solche Billigprodukte erhebt, die meist aus China stammen. Unsere Regierung wäre eigentlich auch in der Pflicht zu handeln!!!
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