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Wirtschaft Rolf Erb kommt nicht in Sicherheitshaft

Der ehemalige Konzernchef der konkursiten Winterthurer Erb-Gruppe soll für sieben Jahre ins Gefängnis. Den Verurteilten sofort in Sicherheitshaft zu nehmen, lehnte das Gericht aber ab. Der Anwalt von Rolf Erb will das Urteil des Zürcher Obergerichts ans Bundesgericht weiterziehen.

Legende: Video Einschätzung von SRF-Korrespondent Kay Schubert abspielen. Laufzeit 2:53 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.01.2014.

Das Zürcher Obergericht verurteilte Rolf Erb wegen gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Legende: Video Sieben Jahre Gefängnis für Rolf Erb abspielen. Laufzeit 1:06 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.01.2014.

Im Urteil spricht das Gericht von einem «ausserordentlich schweren Fall von Wirtschaftskriminalität». Erb habe mit grosser krimineller Energie, skrupellos und raffiniert gehandelt und dabei jahrelang die Bilanzen der Erb-Gruppe frisiert, um an weitere Bankkredite zu kommen. Zudem habe er sein Vermögen seinen damals gerade zehn Monate alten Zwillingssöhnen geschenkt, um es den Gläubigern zu entziehen.

Vor dem Konkurs war die Erb-Gruppe ein weltweiter Konzern aus 80 Unternehmen mit fast 5000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 4,5 Milliarden Franken.

Das Obergericht bestätigte damit weitgehend das erstinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Winterthur. Die Gefängnisstrafe wurde aber wegen Erbs Gesundheitszustand um zwölf Monate verringert. Der Anwalt von Erb will das Urteil ans Bundesgericht weiterziehen, wie er während der Urteilseröffnung ankündigte.

Schloss Eugensberg gehört zur Konkursmasse

Das Gericht verfügte, dass sein Vermögen in Immobilien, darunter Schloss Eugensberg, eine Oldtimer-Sammlung und weitere Vermögenswerte in die Konkursmasse fliessen. Allein das Schloss Eugensberg im thurgauischen Salenstein, wo Rolf Erb wohnt, soll laut der Staatsanwaltschaft 27 Millionen Franken wert sein.

Matthias Hotz, Anwalt der Gläubiger, geht davon aus, dass diese Vermögenswerte im Umfang von mehreren Dutzend Millionen Franken den Gläubigern erhältlich gemacht werden. Dies ist aber erst nach einem rechtskräftigen Urteil durch das Bundesgericht möglich.

Keine Sicherheitshaft

Den Antrag der Staatsanwaltschaft, Rolf Erb sofort in Sicherheitshaft zu nehmen, lehnte das Gericht ab. Die Anklage war von Fluchtgefahr ausgegangen. Das Gericht begründete den Verzicht damit, dass Erb seine Familie in der Schweiz hat und das Urteil weitergezogen wird. Der Verurteilte muss aber seinen Pass abgeben.

Ob Rolf Erb seine Gefängnisstrafe je antreten muss, bleibt offen. SRF-Korrespondent Kay Schubert sprach mit verschiedenen Experten, die sich nicht einig sind. Der schlechte Gesundheitszustand Erbs könnte dazu führen, dass seine Hafterstehungsfähigkeit von einem Amtsarzt beurteilt werden müsste.

Zweitgrösste Pleite nach Swissair

Erb bestritt in beiden Prozessen alle Vorwürfe und schob die Schuld seinem Vater Hugo Erb zu, der bis zu seinem Tod im Juli 2003 alle Fäden in der Hand gehabt habe.

Die Erb-Gruppe brach Ende 2013 zusammen. Der Konkurs des Winterthurer Familienunternehmens ist nach dem Grounding der SAirGroup die zweitgrösste Pleite der Schweizer Wirtschaftsgeschichte.

Der Erb-Schriftzug auf einem Gebäude des Konzern
Legende: Keystone

Eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse rund um den Zusammenbruch der Erb-Gruppe finden Sie hier.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Jürg Oberli, Porto Ronco
    Ich kann mir vorstellen, dass Loretan und Erb nie eine strafbare Handlung begangen haben, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Gericht, Anwälte und vor allem eine einzelne Staatsanwältin im Nebenjob, das notwenige erforderliche Sachverständnis einbringen können, dies zu beurteilen. Es ist einfach, als Sachwalter einen Generationenbesitz, ein Leukerbad zu verscherbeln und als Nonvaleur herzustellen, der Kausalzusammenhang für eine Straftat ist aber darin nur für den Sachwalter hergestellt.
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  • Kommentar von Leopold Spiegel, 1190 Wien, Eichelhofstrasse 2/8/2
    Das Obergericht Zürich hat in keiner Weise, die jahrzehntelangen wirtschaftlichen Erfolge des Herrn Rolf Erb und seiner Familie für die Schweiz gewürdigt. Nein, ganz im Gegenteil. Man kann jetzt Herrn Rolf Erb nur wünschen, dass das Bundesgericht sich aller in Auftrag gegebener Gutachten genauer annimmt und schlussendlich nach objektiver Prüfung die Verurteilung noch aufhebt. - Wer die Familie Erb wirklich kennt, der weiss genau, dass Herr Rolf Erb kein Krimineller war oder ist -
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  • Kommentar von Christoph Mayenfisch, Winterthur
    Erneut ein Beweis das Recht wenig oder nichts mit Gerechtigkeit zu tun hat. Was von seinem Anwalt zu halten ist, sage ich besser nicht...Ach ja der verdient sich ja krumm und lahm (leider nur bildlich) ach wenn nach dem Bundesgericht noch der Europäische Gerichtshof kommt wird der "feine Herr wohl nie bestraft. Und wenn ein Kleinbetrieb durch Betrug in den Konkurs gegangen wäre???
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