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Wirtschaft Roubini: Was die EU von der Schweiz lernen kann

2006 hatte US-Ökonom Nouriel Roubini die Finanzkrise vorhergesagt. Jetzt sagt er gegenüber «ECO», was Europa tun muss, damit es nicht bald zum Austritt einzelner Staaten aus der Euro-Zone kommt.

Legende: Video Nouriel Roubinis ungehörter Appell abspielen. Laufzeit 4:45 Minuten.
Aus ECO vom 15.04.2013.

Der Professor hat seinen Preis: 50'000 Dollar verlangt Nouriel Roubini für umfassende Beratung, samt Vortrag und direktem Zugang zu seinem persönlichen Telefonanschluss. Im Hintergrund arbeitet sein 80-köpfiges Team und erstellt fundierte Wirtschaftsanalysen.

Das mag nach viel Geld klingen. Für einen wie ihn, der 2006 die Finanzkrise vorhersagte, kann sich das Geld allemal lohnen. Dass Nouriel Roubini die Gefahr erkannte, verhalf ihm zu Weltruhm und machte ihn schlagartig berühmt.

«Die Euro-Zone driftet auseinander» 

Heute analysiert der Wirtschaftsprofessor der New York University die Krise der Euro-Zone: «Die Schweizer haben ihre Kantone und dadurch ihre kulturelle Identität. Aber in erster Linie sehen sie sich als Schweizer. In Europa ist es genau umgekehrt: Zuerst kommt das Land und dann vielleicht Europa», sagt er gegenüber «ECO».

Tilman Lingner und Nouriel Roubini
Legende: «ECO»-Redaktor und ehemaliger USA-Korrespondent Tilman Lingner traf Nouriel Roubini in New York. SRF

Darin liegt für Roubini das zentrale Problem: Es mangelt in Europa am Bewusstsein der Gemeinsamkeit. Mit fatalen Folgen: Die Euro-Zone drifte auseinander. Die Interessen der Geberländer – allen voran Deutschland – seien viel zu unterschiedlich zu jenen der krisengeschüttelten Südländer wie Griechenland oder Zypern.

Nouriel Roubini kritisiert, dass es keinen gemeinsamen Plan für eine wirkliche Wirtschaftsunion gebe. Dauernd sei die Rede von Bankenunion oder Fiskalunion. «Doch wie man Arbeitsplätze schafft und Einkommen für alle sichert, das steht in der aktuellen Diskussion nicht im Vordergrund.» Umso mehr laute die Devise von Deutschland, der EU und dem Internationalen Währungsfonds: «Sparen und den Gürtel enger schnallen.»

Eine grosse Gefahr sieht Roubini in der Langsamkeit der Reformen: «Es besteht das Risiko, dass Länder aus der Euro-Zone austreten müssen und letztlich zahlungsunfähig werden» Für ihn ist klar: Die Euro-Krise ist noch lange nicht ausgestanden.

Swiss Economic Forum

Swiss Economic Forum

Nouriel Roubini ist Gast am diesjährigen Swiss Economic Forum. «ECO» überträgt das SEF live.

6./7. Juni 2013, Interlaken

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7 Kommentare

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  • Kommentar von M. Pestalozzi, Zürich
    Roubinis Streicheleinheiten sind ja hoch willkommen. Nur: Wie viele Batzeli musste unser Staatsfernsehen (das ja bekanntlich tiefrote Zahlen schreibt) dafür springen lassen :)?
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    1. Antwort von SRF News, Schweiz
      @M. Pestalozzi: Journalisten und Redaktionen von SRF kaufen niemandem Informationen oder Dossiers gegen Geld ab. Dies ist so in den publizistischen Leitlinien festgehalten. ^cs
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Tja, SRF New's - Kann ja sein, dass Herr Nouriel Roubini in New York gratis für die Sendung ECO gearbeitet hat. Allerdings so ganz uneigennüstzig dürfte das dennoch nicht gewesen sein. Letztlich lebt Herr Nouriel Roubini nicht von einem "Dankeschön" allein. (smile)
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    3. Antwort von M Jaeger, Wildwil
      @ Pestalozzi ich sehe es eher so, dass dieser EU kritische Beitrag zensurgefährdet war. Es kommt selten genug vor dass sowas gesendet wird; dafür muss man sonst Ausländer Sendungen gucken. Finde es übrigens toll dass SRF sich sogar in die Diskussion einmischt :-)
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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Die EURO-Krise ist noch lange nicht vorbei und darin steckt eher ein gewolltes System, und nicht nur wirkliche Unfähigkeiten. - Aber er irrt sich, in Europa kommt zuerst Deutschland, event. noch Frankreich, dann erst vielleicht ein wenig Europa, aber nur wenn's den vorgenannten zum Vorteil, und damit deren Machtanspruch sichernd, gereicht ! - Das ist heute aus der EU geworden, mehr nicht.
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  • Kommentar von K.D.Waldeck, Bellinzona
    genauso ist es .... Europa ist ein "Möchtegern-Konstrukt" mit einer (fast) einheitlichen Währung und einer total uneinheitlichen Politik. Das einzige was in Brüssel erfolgreich zelebriert wird, ist das EU-Budget konsequent "verheizen" und "Heissluftballons" konstruieren. Wenn ich Namen wie Ashton, Barroso, van Rompoy höre dann stellt sich bei mir sofort eine "Bla-Bla-Bla-Vision" ein. Viel Lärm um nichts ... reine Zeitverschwendung.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Es müsste eigentlich heissen: "Möchte-gerne-gross-Konstrukt" - Vergessen wird dabei immer wieder, dass Europa typische Achilles-Fersen hat, die es hindert, wirklich ein "Grosser mit Substanz und Durchsetzungsvermögen" sein zu können. Europa = zu klein um gross zu sein, zu gross um klein zu sein, zu viel Know-How aber dazu wenig Resourcen, zu verschieden um wirklich einig zu sein, viele Sprachen aber keiner versteht den anderen wirklich.
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