Insolvenz bei Air Berlin Schmerzvolle Bruchlandung für Etihad

Etihad hat als Grossaktionärin von Air Berlin und Alitalia in Europa viel riskiert. Wohl zu viel. Eine Einschätzung.

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Etihad scheitert erneut

Für Etihad bleibt vorerst nur eine teure Rechnung: Geschätzte 1,5 Milliarden Euro hat die Fluggesellschaft in den vergangenen Jahren bei Air Berlin investiert. Vergebens.

Die Investition war mit der Absicht verbunden, ein weltumspannendes Netz aufzubauen: Von Europa aus sollten die Passagiere via das Emirat Abu Dhabi nach Asien und Afrika fliegen – und umgekehrt.

Nun erleidet Etihad in Europa eine schmerzvolle Bruchlandung. Das gilt nicht nur bei Air Berlin, sondern auch bei Alitalia. Mit der italienischen Fluggesellschaft hat sie versucht, ein zweites, grosses Standbein in Europa aufzubauen. Doch auch Alitalia steht vor dem Aus. Derzeit wird in Rom nach einer neuen Lösung gesucht für die marode Fluggesellschaft.

Eine allzu risikoreiche Strategie

Allerdings ist Etihad von Beginn an eine risikoreiche Strategie gefahren: Denn Air Berlin war bereits klamm, als Etihad seine Beteiligung 2011 ausgebaut hat. Dasselbe galt übrigens auch für Alitalia.

Zudem konnte Etihad bei beiden Fluggesellschaften nicht selber direkt die Steuerknüppel übernehmen: Die Gesetze in der EU lassen nur Minderheitsbeteiligungen zu an europäischen Fluggesellschaften. Dennoch hat es Etihad als wichtigster Aktionär verpasst, Air Berlin klar zu profilieren: Entweder als Billigairline oder als klassische Fluggesellschaft mit gutem Service und breitem Netz.

So zeigt sich nun: Diese Strategie war zu risikoreich. Und selbst die vermeintlich nie versiegende Geldquelle des Emirs von Abu Dhabi war nicht gross genug, um die finanziellen Löcher in Europa zu stopfen.

Er war es auch, der 2003 die Fluggesellschaft Etihad gegründet hat und sie in irrwitzigem Tempo zu einer führenden Fluggesellschaft machen wollte. Als Teil einer Diversifikationsstrategie – das Emirat will unabhängiger werden von seinen Öleinnahmen.

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Matthias Heim

Matthias Heim

Matthias Heim hat an der Universität Bern Wirtschaftsgeschichte, Staatsrecht und Kunstgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für SRF; unter anderem war er Produzent bei SRF 4 News. 2016 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion. Er beschäftigt sich mit wirtschaftspolitischen Themen.

Genau das macht das Nachbaremirat Dubai seit Jahren erfolgreich vor: Auch dank seiner Fluggesellschaft – Emirates – ist Dubai zu einem der wichtigsten Knotenpunkte der Welt geworden.

Etihad bleibt trotzdem in Europa

Trotz des Scheiterns bei Alitalia und Air Berlin, zieht sich Etihad nicht aus Europa zurück. Sie verfügt nach wie vor über Direktverbindungen zwischen Europa und Abu Dhabi. Und gleichzeitig hat sie die Zusammenarbeit mit der Lufthansa in den vergangenen Monaten stetig ausgebaut.

Allerdings wird Etihad im Wettlauf mit den anderen Fluggesellschaften aus den Golfstaaten zurückgebunden. Sie verliert den einfachen Zugang zu den europäischen Flugpassagieren und damit einen Wettbewerbsvorteil.

Auch die anderen Fluggesellschaften in unmittelbarer Nachbarschaft verfolgen dieselbe Absicht: Möglichst viele Passagiere für ihre Drehkreuze zu gewinnen. Auch bei diesem Vorhaben erleidet Etihad nun einen Dämpfer.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Air Berlin meldet Insolvenz an

    Aus 10vor10 vom 15.8.2017

    Es kriselte seit Jahren, nun ist Air Berlin, die zweitgrösste Airline Deutschlands, pleite. Just zur deutschen Ferienzeit muss die deutsche Fluggesellschaft Insolvenz anmelden. Zum Grounding kommt es voraussichtlich nicht. Die deutsche Regierung hilft mit einem Überbrückungskredit.

  • Air Berlin ist pleite

    Aus Tagesschau vom 15.8.2017

    Die zweitgrösste Fluggesellschaft Deutschlands hat Konkurs angemeldet. Zum Grounding dürfte es aber nicht kommen. Die deutsche Regierung springt mit einem Überbrückungskredit ein.

  • Hartes Fluggeschäft

    Aus Tagesschau vom 15.8.2017

    Auch wenn immer mehr Menschen fliegen, ist es im Fluggeschäft schwierig, erfolgreich zu sein. Es braucht eine Strategie. Die Air Berlin scheiterte an einem unklaren Geschäftskonzept.