Schneider-Ammann umgarnt Indonesien und Vietnam

Vietnam und Indonesien bieten gemeinsam 350 Millionen Konsumenten. Ein begehrtes Pflaster für Schweizer Firmen. Deshalb hat sich Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann dorthin aufgemacht. Seine Mission: die Verhandlungen über den Freihandel forcieren.

Johann Schneider-Ammann und sein indonesischer Amtskollege sitzen am Tisch. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Johann Schneider-Ammann auf Charmeoffensive in Indonesien. Keystone

Johann Schneider-Amann ist ein Mann mit Prinzipien. Sein kleines Köfferchen mit dem Nötigsten schiebt er selber von Flughafen zu Flughafen. Wichtig ist ihm offensichtlich weniger, was er mitnimmt, sondern wen. Eine 20-köpfige Wirtschaftsdelegation war es diesmal, welche den Wirtschaftsminister auf seiner Asienreise begleitete.

Schweizer Unternehmen haben im Geschäftsalltag mit Vietnam und Indonesien vielerlei Sorgen: Von Behördenschikanen über Willkür bis hin zu Korruption. Um die Verhandlungen in verschiedenen Dossiers und bei konkreten Problemen vorwärts zu bringen, hat Schneider-Ammann eine Charmeoffensive lanciert.

Seine Rolle: «Auf Ministerebene den Weg freimachen», so der Wirtschaftsminister. Das heisst konkret: Den Freihandels-Verhandlungen mit den beiden Ländern neuen Schub verleihen.

Patron als Trumpf

Nicht angesprochen hat der Bundesrat die Menschenrechte. Unausgesprochen blieb in Indonesien auch der zunehmende Islamismus. Bei den Wirtschaftsdossiers jedoch, sei man in einzelnen Punkten an die Grenze des diplomatisch Zulässigen gegangen, sagt Schneider-Ammann. Sein Botschafter bestätigt: «Da war man nicht diplomatisch. Da wurde Klartext gesprochen.» Immer schön umrankt von blumigen Worten und Lob für die fruchtbare Zusammenarbeit.

Und regelmässig verwies Schneider-Ammann auf seine Rolle als Patron. Ideal, wie der Wirtschaftsminister seine Erfahrungen als Unternehmer platziere, sagt der Walliser Regierungsrat Jean-Michel Cina, der Teil der Delegation war. «Das ist aus meiner Sicht ganz klar ein Vorteil. Schneider-Ammann weiss ihn auch geschickt in die Verhandlungen einzubringen.»

Zensur für Schweizer Journalisten

Als eigenartig wurde die Tatsache aufgenommen, dass Schneider-Ammann ausgerechnet im zensurfreudigem Vietnam bei Gesprächen die örtliche Presse zuliess, die anwesenden Schweizer Journalisten aber ausschloss. Damit die Unternehmer offen Probleme ansprechen könnten, lautete die Erklärung.

Scheider-Ammann spiele eben für die Wirtschaft die Rolle als Türöffner, erklärte Urs Lustenberger von der Handelskammer Schweiz-Asien. «Das ist sein Metier. Da ist er wie ein Fisch im Wasser. Insofern hat er dann möglicherweise etwas Missionarisches.»

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