Schweizer Data-Zentren – guter Ruf ist Gold wert

Nach Snowdens Enthüllungen zu den Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten steigt die Nachfrage nach Data-Zentren in der Schweiz stetig. Sind die Daten hier besser geschützt als anderswo? Und birgt der neue Geschäftszweig nicht auch Risiken wie ehemals das Bankgeheimnis?

Die Schweiz hat gute Chancen, zu einem wichtigen Standort für Data-Zentren zu werden. Denn das geltende Geschäftsgeheimnis verpflichte Anbieter zu einem hohen Sicherheitsstandard, sagt Hannes Lubich, Professor für IT-Systemmanagement an der Fachhochschule Nordostschweiz.

Data Centre Symbolbild. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schweiz hat einen guten Ruf als sicherer Hort für Daten. «Swissnes» zieht auch hier. Keystone/Archiv

Punkten kann die Schweiz aber auch mit dem Datenschutz, der insbesondere im Vergleich zu den USA bei der Datenspeicherung besser ist. Als Beispiele nennt der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür unter anderem die hier geltenden Grundsätze für den Zugriff auf Daten wie auch deren Löschung.

Die Data-Zentren, seien sie im Berg oder in einem gewöhnlichen Gebäude, profitierten ausserdem vom Image der sicheren, politisch neutralen und stabilen Schweiz, ergänzt Roland Portmann, Dozent für IT-Sicherheit an der Hochschule Luzern. Entsprechend gezielt werde denn auch mit der «Swissness» geworben. Trotzdem sei nicht alles nur Marketing: Schweizer Data-Zentren überzeugten mit ihrer Dienstleistung.

Als Experte für Sicherheitszertifizierungen hat Portmann schon einige solcher Zentren gesehen und attestestiert den Betrieben ein sehr hohes Niveau. Die Nachfrage nach Schweizer Data-Zentren sei deshalb gestiegen.

Boom dank ausländischen Kunden

Das Institut für Wirtschaftsstudien Basel spricht in einer Studie von einem regelrechten Boom: Vor allem in den Grossräumen Zürich und Genf sind in den letzten Jahren neue Rechenzentren gebaut worden. Deren Gesamtfläche entsprach bereits vor zwei Jahren ungefähr 21 Fussballfeldern.

Die Basler Studie kommt zum Schluss, dass ein wesentlicher Teil der steigenden Nachfrage auf ausländische Neukunden zurückzuführen ist. Verlässliche Zahlen gibt es allerdings nicht. 2012 war die Schweiz der sechstgrösste Markt in Europa für Data-Zentren, die Unternehmen für Dritte betreiben.

Missbrauchsgefahr?

Da stellt sich die Frage: Könnte die Schweiz wegen des hohen Datenschutzes auch zu einem Fluchtpunkt für illegale Datenströme von Organisationen wie der Mafia oder der Al-Kaida werden? Und könnte die Schweiz ähnlich wie jüngst beim Bankgeheimnis in die Kritik geraten?

Datenschützer Thür verneint: Wenn sich in einem Strafverfahren Hinweise auf illegale Handlungen ergeben sollten, könnte man über ein Amtshilfeverfahren an die Daten herankommen. Denn im Gegensatz zum Bankgeheimnis schützt das Datenschutzgesetz bei strafbaren Handlungen im Ausland nicht.

Data-Zentren in der Schweiz werden also auch in Zukunft von Standortvorteilen profitieren. Der Bedarf wird weiter zunehmen, denn die globale Datenmenge verdoppelt sich alle zwei Jahre.